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Dem Papier verfallen

21.05.2012 | 19:13 Uhr
Dem Papier verfallen
Grafik-Designerin Verena Hinze präsentiert handgeschöpftes Papier in ihrem Laden ***Papierwandler*** in der Emmastrasse.Foto: Oliver Müller

Essen-Rüttenscheid.  Die Essener Designerin Verena Hinze präsentiert ihre selbst entworfenen Objekte in ihrem kleinen Laden an der Emmastraße. Ihre Liebe zum edlen Papier möchte sie mit anderen teilen.

Wer Papiertaschentücher Seelentrockner und Piccolofläschchen Wehmutstropfen nennt, muss eine ganz spezielle Art haben, Dinge des alltäglichen Lebens wahrzunehmen. Die Designerin Verena Hinze gehört zu den Menschen, die Schönheit im Kleinen erkennen, für die Schönheit aber auch greifbar sein muss. „Ich bin ein haptischer Mensch“, gesteht sie. Dem Papier ist sie verfallen, das handgeschöpft, geknautscht, lackiert, mit Seide und Bambus veredelt oder mit goldenen Ornamenten verziert in ihrem Laden an der Emmastraße hängt.

„Meine Schätze“, sagt sie und berührt zärtlich die farbigen Bögen, „ich kann mich daran gar nicht sattsehen und -fühlen“. Mit dem Schritt hinaus ins eigene Geschäft, das sie „Papierwandler“ genannt hat, möchte sie ihre Begeisterung teilen, ihre Ideen weitergeben, mit Menschen in Kontakt treten: „Zehn Jahre habe ich einsam an meinem Schreibtisch verbracht, nur noch via Internet mit meinen Kunden kommuniziert“, sagt die zierliche Grafikdesignerin, „das musste ich ändern“.

Unterstützung durch Familie und Freunde

Ohne viel Eigenkapital, mit Unterstützung durch Familie und Freunde, entstand die Inneneinrichtung für das kleine Ladenlokal, in dem die 43-Jährige seit Anfang Mai ihr Können zur Schau stellt: Farbig gebundene Kladden und Mappen aus edlem Papier, verspielte Mobiles, Schachteln unterschiedlicher Größe, gefaltete Briefumschläge - viel Liebe zum Detail steckt in den selbst entworfenen Objekten, von denen sie sich, wie sie selbst zugibt, eigentlich nur schwer trennen kann. Was will sie dann verkaufen?

„Ich kann individuelle Einladungen für Hochzeiten, Taufen, Geburtstage kreieren, passend dazu Fotoalben, selbst gestaltete Bücher, die ich einbinde“, sprudelt es aus ihr heraus. Viele Ideen habe sie, „aber ich bin manchmal etwas unsortiert“. Jetzt wird erstmal am Flyer und an dem Internetauftritt gearbeitet, später wird das Schaufenster umdekoriert, es soll den Jahreszeiten entsprechend „leuchten“. Noch mehr einzigartige Papierbögen will sie bestellen, muss dabei allerdings aufpassen, „dass ich in meiner Euphorie nicht zu viel Geld ausgebe“.

"Ich verkaufe mich mit"

Ihre Schwäche, sich für schöne Sachen derart zu begeistern, dass sie manchmal übers Ziel hinaus schießt, ist gleichzeitig ihre Stärke: Wenn sie voller Leidenschaft ihre Objekte und ihren Einfälle vorstellt, reißt sie ihre Zuhörer mit. Entsprechend „aufregend“ waren für die Essenerin die ersten Kundenkontakte außerhalb der virtuellen Welt. „Ich bin immer noch sehr nervös, muss mich erst an den Gedanken gewöhnen, jetzt öffentlich zu sein.“ Aber sie weiß um ihre Wirkung, will keine zusätzliche Kraft einstellen: „Ich verkaufe mich mit, bin Teil meines Konzeptes.“

Zum Abschied zaubert sie noch Trostschokolade und einen Zukunftsplaner aus einer kleinen Blechkiste, in dem sich auch der Seelentrockner und ein Fläschchen Wehmutstropfen verbergen. Fünf solcher Kistchen hat sie für ein Team kreiert, dass nach jahrelanger guter Zusammenarbeit auseinanderging und sich nach Linderung des Abschiedsschmerzes sehnte: „Das ist mir mit meiner Arbeit gelungen“, strahlt sie und streichelt dabei wieder ihr Papier.

Vera Eckardt

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2012-05-21 19:13
Essen, Wirtschaft, Papier, Papierwandler, Verena Hinze, Design
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