Dem Himmel so nah

Frauen am Rande der Hochhausschlucht: Auf dem Gemälde „Kurz vor Mitternacht“ von Marcela Böhm haben die drei Grazien ihr schönstes falsches Lächeln aufgesetzt, doch der Ort hoch über den Dächern der Millionenmetropole Buenos Aires verströmt bei aller Lebendigkeit wenig Glamour. „Stadt und Leute“ stellt die in Argentinien geborene, seit vielen Jahren in Köln lebende Malerin in der Galerie Obrist vor. Es sind Bilder jenseits der touristischen Attraktionen. Sie zeigen weiße, schmucklose Hochhaussiedlungen mit engen Häuerschluchten und fensterlosen Wohnblöcken, deren Dächer mit Satellitenschüsseln und Antennen vollgestellt sind. Und dabei scheint alles, was Marcela Böhm auf die Leinwand bringt, dem Himmel so nah. Manchmal ist dieser Himmel dramatisch bewölkt, manchmal existiert er auf dem wörtlich zu nehmenden Gemälde „Ein Stück Himmel“ nur als zarter, roseblauer Randstreifen. Selbst die Gesellschaft, die die deutsch-argentinische Malerin in familiärer Runde portraitiert, scheint irgendeine Botschaft „von oben“ zu empfangen.

„Ying und Yang“ sind natürlich Schattenmenschenbilder aus der Vogelperspektive und der „Rentnerschlangentod“ ist eine bewegende Prozession aus Gesichtern, Geschichten und Malstilen. Immer wieder schimmert darin nicht nur die famose Zeichnerin Böhm durch, sondern auch die mit Witz und Lebensweisheit auf die Welt blickende Menschenmalerin.