Gehaltslisten
Das zahlt die Stadt Essen den Chefs ihrer Firmen
22.01.2010 | 15:53 Uhr 2010-01-22T03:53+0100Essen. Lange Zeit waren sie das wohl bestgehütete Geheimnis der Stadtverwaltung: Die Gehaltslisten der Geschäftsführer und Vorstände von städtisch beherrschten Gesellschaften. Nach dem vom Rat beschlossenen Kodex müssen die Bezüge ab sofort offen gelegt werden.
In diesem politisch gelenkten Gebilde, das sich Stadtverwaltung nennt, gehörte sie lange zu den bestgehüteten Geheimnissen - egal welche Partei gerade das Sagen hatte: Die Gehaltsliste der Geschäftsführer und Vorstände von städtisch beherrschten Gesellschaften, sie war stets so etwas wie das Allerheiligste der Unternehmensführung. Herrschaftswissen einer Handvoll Leute im Aufsichtsrat, manchmal sogar nur eines kleinen Arbeitsausschusses, dessen prominenteste Mitglieder sich beim Aushandeln des Salärs mitunter selbst die Hoffnung machen konnten, dereinst in den Genuss eben dieser Bezüge zu kommen.
Doch die Zeiten ändern sich: Statt Geheimniskrämerei ist längst Transparenz gefragt, und wenn sie bei Dax-Konzernen wie Thyssen-Krupp die Gehälter offenlegen und über das Berechnungs-System sogar die Aktionäre abstimmen lassen - wie sollen sich dann Stadtwerke, Entsorgungsbetriebe oder Verkehrsbetrieb in städtischer Hand solcherlei „Glasnost“ verweigern?
Das Ziel ist mehr Vertrauen
Und so haben sie im Rathaus dieser Tage eine Liste erstellt. Rechtlich fußt sie auf dem so genannten „Public Corporate Governance Kodex“, den der Rat im Juni 2008 einstimmig beschloss. Auf Deutsch: Das 14-seitige Papier beschreibt die Richtschnur für eine gute Unternehmensführung bei städtischen Töchtern, einen Kodex, der die Orientierung am Gemeinwohl genauso berücksichtigt wie den wirtschaftlichen Erfolg der Firmen. Mehr Öffentlichkeit und Nachprüfbarkeit soll zudem „das Vertrauen in Entscheidungen“ erhöhen.
Ob das gelingt, wird sich zeigen, wenn Punkt 3.3 des Kodexes erst einmal umgesetzt ist. In diesem Passus geht es um die Vergütung für Geschäftsführer und Vorstände - demnächst nachzulesen im Beteiligungsbericht der Stadt.
Dabei sorgt mancher sich nicht nur um eine mögliche Neiddebatte angesichts von Gehältern die die Viertelmillion-Grenze längst hinter sich gelassen haben. Wer im Keller noch die alte NRZ von 1998 gestapelt hat, wird auch nachlesen können, dass sich die damaligen D-Mark-Gehälter binnen zehn Jahren zum Teil mehr als verdoppelt haben. Und immer noch hinkt der Oberbürgermeister finanziell weit hinter manchem Geschäftsführer einer Gesellschaft hinterher: Knapp unter 11.000 Euro beträgt das Grundgehalt von OB Reinhard Paß - während der Chef der städtischen Messe, die er als Aufsichtsratsvorsitzender kontrolliert, nahezu das Doppelte kassiert.
Bonus-Auswüchse sollen vermieden werden
Immerhin: Die hier aufgeführten Gehälter aus dem Jahr 2008 beruhen zum Teil auch auf erfolgsbezogenen Tantiemen. Dazu werden bei Stadtwerken und Evag, Allbau oder Entsorgungsbetrieben, der Beschäftigungsgesellschaft Essener Arbeit oder der Messe Unternehmensziele formuliert und - bei Einhaltung - auch honoriert. Um Bonus-Auswüchse von vornherein zu verhindern, wird für den Anteil der variablen Gelder meist ein maximaler Prozentsatz vorab vereinbart.
Damit das Spektrum der städtischen Beteiligungen in seiner ganzen Breite besser abgebildet ist, führt die NRZ-Übersicht übrigens nur jeweils ein Mitglied eines städtischen Unternehmens an. Die weiteren Vorstands- oder Geschäftsführungsmitglieder, etwa bei Stadtwerken und Messe, Essen Marketing oder Evag, liegen beim Gehalt auf einem ähnlich hohem oder leicht niedrigerem Niveau.