„Das wissen wir, das wissen alle“

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Was wir bereits wissen
Ein Anwohner wehrt sich dagegen, dass illegale Anbauten in Kettwiger Landschaftsschutzgebieten nachträglich legalisiert werden.

Essen.. So mancher Bewohner in Kettwig muss jetzt befürchten, dass plötzlich die Bauaufsicht vor seiner Haustür steht...

Weil ein Anwalt vor wenigen Tagen dem Gericht vorführen wollte, dass sein Mandant nur einer von vielen sei, die im Landschaftsschutzgebiet Anbauten ohne Genehmigung errichteten, hatte er eine Liste mit 114 Beispielen vorgelegt (die NRZ berichtete) So viele illegale Bauten in Kettwig? Da muss das Bauordnungsamt jetzt Fall für Fall prüfen.

Bagger mit Abrissbirnen

Während die Ratsfaktionen bereits darüber diskutieren, ob in Kettwig eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann, ohne dass gleich die Bagger mit der Abrissbirne anrücken müssen – oder das geltende Gesetz ohne wenn und aber durchgesetzt wird, versucht die Stadtverwaltung erstmal das Ausmaß der tatsächlichen Bausünden zu erfassen.

Das kann Wochen dauern. Bis dahin geht das Pro und Contra weiter, auch darüber, ob ein Sonderweg in Kettwig möglich und richtig ist.

Einer, der nichts von einer nachträglichen Legalisierung hält, ist selbst Bewohner in einem Landschaftsschutzgebiet. Thomas Schneider aus Kettwig. „Wer hier ein Grundstück gekauft hat, der wusste, dass er nicht einfach etwas anbauen durfte“, sagt er. Das hätte spätestens beim relativ günstigen Grundstückspreis auffallen müssen.

Teurer Umbau

Schneider und seine Frau haben vor zehn Jahren ein über 3000 Quadratmeter großes Areal nahe der Laupendahler Höhe erworben. Sie haben recherchiert, was sie durften und was nicht – und setzten sich in allen wichtigen Fragen mit der zuständigen Unteren Landschaftsbehörde in Verbindung.

Die Garage des Vorbesitzers wurde nachträglich legalisiert. Das alte Wohnhaus auf dem Grundstück abreißen und durch ein neues ersetzen, „wäre erst nach zehn Jahren möglich gewesen“, erinnert sich Schneider. Also musste mit deutlich höherem Aufwand umgebaut werden, blieben - wie vorgeschrieben – drei Grundmauern unangetastet.

Selbst die Wohnungsgröße ist reglementiert – abhängig von der Zahl der Hausbewohner. „Und wir dürfen keinen einzigen Baum auf unserem Grundstück fällen.“, betont der Eigentümer. „Ich hätte auch gerne einen eigenen Wintergarten und ein Gartenhäuschen. Aber das ist verboten. Das wissen meine Frau und ich, dass wissen alle. Und an Gesetze muss man sich halten.“

Für die ein oder andere Einschränkung hat er durchaus Verständnis. Dafür wird den Bewohnern in den Landschaftsschutzgebieten eine wirklich grüne Kulisse geboten. Es dürfe jetzt nicht denen ein Freibrief ausgestellt werden, die illegale Anbauten auf ihren Grundstücken errichtet hatten. „Man kann über Sinn und Unsinn von Regelungen lange diskutieren, solange diese bestehen, sind sie einzuhalten und durch die Behörden durchzusetzen“, meint Anwohner Thomas Schneider.

Stadt soll kontrollieren

Hier sieht er auch die Stadt in der Pflicht. „Einfach zu kapitulieren und Unrecht zu legalisieren, wäre ein Schlag ins Gesicht der Bürger, welche sich an Recht und Gesetz halten“, erklärt er. Wenn die Stadt jeden Tag ihre Radar-Wagen zur Durchsetzung der Geschwindigkeitsbeschränkungen losschicke, dann müsse sich „wohl auch ein Mitarbeiter finden, welcher einmal im Landschaftsschutzgebiet nach dem Rechten sieht.“ Erste Hinweise auf illegale Bauten würde man schnell auf den ins Netz gestellten Google-Luftbildern finden.

Thomas Schneider: „Da reichen schon ein paar Klicks.“