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30.12.2008 | 19:46 Uhr

JAHRESRÜCKBLICK. Eine Großstadt mit Zukunft verheißenden Baustellen, neuen Protagonisten und schmerzlichen Abschieden - so bewegt waren die vergangenen zwölf Monate.

1. Januar: Die Neujahrsnacht wird für viele wesentlich länger: Im dichten Nebel erfasst ein Regional-Express zwei Fußgänger beim Überqueren der Gleise in der Höhe Steeler Straße/Franziskaner Straße. Die beiden Opfer sterben noch am Unfallort. 4. Januar: Eine Bombendrohung legt die Druckerei der WAZ-Gruppe, zu der auch die NRZ gehört, lahm. Nach einem Anruf räumt die Polizei das Gebäude. Die Drohung erweist sich als Fehlalarm. 12. Januar: Im Wiegeturm der Kokerei Zollverein bricht ein Feuer aus. Die Löscharbeiten am Weltkulturerbe gestalten sich schwierig, da sich die Feuerwehrmänner über ehemalige Förderstrecken zur Brandquelle herankämpfen müssen. 14. Januar: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Totschlags gegen die beiden Aushilfen, die im Sommer 2007 einen Dönerbudenbesitzer vermeintlich aus Notwehr an der Steeler Straße erstochen haben. 17. Januar: Für beinah tödliche Messerstiche muss sich ein 20-Jähriger vor der Jugendstrafkammer verantworten. Im Rausch hat der Mann im Sommer nach der Loveparade eine Karnaperin mit einem Messer attackiert. Für die Tat erhält er später eine sechsjährige Haftstrafe. Das Motiv bleibt im Dunkeln. 31. Januar: Die Hypothekenbank wird nach 21 Jahren aufgelöst. Den 200 Mitarbeitern werden Stellen bei der Commerzbank angeboten.

4. Februar: Trotz Nieselregens lassen sich die Jecken die Laune nicht verderben: Auch an diesem Rosenmontag treffen sich Tausende kostümierter Narren, um bei den Umzügen in Rüttenscheid und Kupferdreh zu feiern: "Essen Helau". 11. Februar: Ein Dachstuhlbrand vernichtet den Ostflügel der Folkwang Hochschule in Werden. Rund 150 Feuerwehrleute kämpfen drei Stunden lang mit den Flammen. Im Süden der Stadt kommt es zu Staus. Der Schaden geht in die Millionenhöhe. 13. Februar: In der CDU fällt die Entscheidung, wer im Herbst 2009 als Oberbürgermeisterkandidat antritt: Der Parteichef und Fraktionsvorsitzender des Rats: Franz-Josef Britz. Im Rahmen einer Klausurtagung im April gibt Britz seine Zusage: "Ich bin bereit". 22. Februar: Bis 15 Uhr bleiben Busse und Straßenbahnen in den Depots: 1700 Mitarbeiter der Evag streiken. 28. Februar: Die Mitglieder des Roten Kreuzes sprechen sich für eine Absetzung des Kreisgeschäftsführers Michael Roy aus. Der - durch Rücktritte geschwächte - Vorstand reagiert im Herbst: Er will einen zweiten Geschäftsführer installieren.

13. März: Zum ersten Mal öffnet das neue Einkaufszentrum am Limbecker Platz seine Pforten. Auf einer Fläche von 35 000 Quadratmetern haben 102 Geschäfte ihre Filialen bezogen. An den ersten vier Verkaufstagen bleibt der Koloss volle 49 Stunden geöffnet. 18. März: Ende einer Familientragödie: Die verurteilte Kindsmörderin Birgit S. stirbt an den Folgen eines Selbstmordversuchs. Die 43-Jährige hatte im Januar 2007 ihren Sohn Philip in der gemeinsamen Wohnung in Steele zunächst mit Tabletten betäubt und anschließend erstickt. 19. März: Weil der Fernseher ununterbrochen lief, verständigt ein Nachbar die Feuerwehr. Die Männer finden in einer Wohnung in Überruhr-Holthausen die bereits skelettierte Leiche einer 97-jährigen Anwohnerin - ungefähr drei Monate nach ihrem Ableben. 23. März: Weil Ostern in diesem Jahr zum ersten Mal so früh wie 1913 auf dem Kalender steht, beschert Petrus den Essenern ein weißes Fest.

3. April: Durch eine Spende des Unternehmers Heinz-Horst Deichmann rückt der geplante Umbau der Alten Synagoge zu einem Haus jüdischer Kultur in greifbare Nähe. 14. April: Ein ganzes Kilogramm Quecksilber entwendet ein 15-jähriger Schüler des Viktoria-Gymnasiums. Beamte können die gefährliche Substanz im Badezimmer der Eltern des Schülers sicherstellen. 23. April: Staffelwechsel an der Hochschule: Professor Ulrich Radtke wird neuer Rektor der Universität Duisburg-Essen. Der Geograph übernimmt den Posten von Lothar Zechlin. 25. April: Mit einem Richtfest feiert das Uni-Klinikum das Westdeutsche Protonentherapiezentrum an der Virchowstraße. Bereits Ende 2009 sollen dort zum ersten Mal Krebspatienten behandelt werden. Die Teilchen schießen mit einer Geschwindigkeit von 180 000 Kilometern pro Sekunde durchs Vakuum.

1. Mai: Rund 1500 Menschen kommen zur traditionellen Mai-Kundgebung auf den Kennedyplatz. Deutlich weniger als in den Vorjahren. 2. Mai: Professor Martin Pfeffer, Rektor der Folkwang-Hochschule, stirbt im Alter von 52 Jahren. 15. Mai: Der Rummel um den Straßenstrich ist vorerst beendet: Die Spitzen von CDU, Grünen und FDP/AE einigen sich darauf, dass Prostituierte und Freier am Kirmesplatz an der Gladbecker Straße ihren Geschäften nachgehen. 18. Mai: Weniger sportbegeisterte Zuschauer als sonst feuerten die knapp 20 000 Teilnehmer des 5. Ruhr-Marathons an. Im Gegensatz zum Vorjahr, wo zwei der Läufer ihren Ehrgeiz mit dem Leben bezahlten, müssen im Zielbereich nur 32 Athleten wegen Erschöpfungszuständen behandelt werden.

1. Juni: Per Knopfdruck wird eine Burg geschleift. Nach 96 Jahren stürzt der 35 Meter hohe Karstadt-Turm als Wahrzeichen der ehemaligen "Warenburg" ein. Sprengmeister Helmut Roller erntet von mehr als 1000 Zuschauern Applaus. 2. Juni: Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig. Keine 48 Stunden nach dem Abstieg von Rot-Weiß Essen in die vierte Liga beschließt der Rat der Stadt den lang ersehnten Stadion-Neubau. 8. Juni: Ruhrbischoff Felix Genn greift zum Kuchenmesser. Über 20 Kilogramm wiegt die Torte, die das Oberhaupt der Katholiken im Bistum Essen anschneidet. Rund 10 000 Gläubige feiern das 50-jährige Bestehen des Bistums in der Innenstadt. 24. Juni: Überraschende Selbstauswechslung: RWE-Präsident Rolf Hempelmann tritt nach zehnjähriger Amtszeit zurück. 29. Juli: Tränen fließen trotz eines tollen Turniers, lediglich das I-Tüpfelchen fehlt: Im Finale der Fußball-Europameisterschaft unterliegt die deutsche Mannschaft den Spaniern. Die EM lockte insgesamt Zigtausende zum Public Viewing. Das Happy-End des Sommermärchens lässt weiter auf sich warten.6. Juli: Kurz vor Vollendung seines 97. Geburtstags verstirbt der ehemalige Stadtsuperintendent Helmut Wüsthoff. 11. Juli: Der Trägerverein der Zeche Carl muss Insolvenz anmelden. 14. Juli: Faruk Sen muss den Chefsessel beim Zentrum für Türkeistudien räumen. Vorausgegangen war ein Streit, der sich an einem Vergleich des Direktors zwischen Türken und Juden entzündete. 17. Juli: Die FDP trauert um ihren Ehrenvorsitzenden Otto Melsheimer, der im Alter von 95 Jahren starb. 24. Juli: Acht bis neun Jahre lang soll er in mutmaßlich menschenunwürdigen Bedingungen in einem Keller in Kray gelebt haben. Der 24-jährigen Tresor M. wird zur Behandlung in die Psychiatrie gebracht. 26. Juli: Sintflutartige Regengüsse setzen ganze Stadtteile unter Wasser. Den Süden trifft es besonders hart. Keller und Häuser im Hesper-, Asbach- und Deilbachtal werden unterspült. Insgesamt 100 Mal muss die Feuerwehr ausrücken. 27. Juli: "Thank you for the music". Zum letzten Mal zeigt das Colosseum das Musical "Mamma Mia".

5. August: In der Nähe vom Altendorfer Zentrum geht abends eine einmotorige Piper nieder. Der Pilot und die drei Passagiere bleiben unverletzt. Technische Fehler sollen für den Absturz verantwortlich sein. 11. August: Mit dem Ende der Sommerferien beginnt für 4732 i-Dötzchen der so genannte Ernst des Lebens. Insgesamt zählen Essens 179 Schulen 86 000 Schüler. 21. August: Die Stadt genehmigt das Vorhaben des türkisch-islamischen Ditib-Vereins, einen Moscheebau am S-Bahnhof Frohnhausen zu errichten. Bis Herbst 2009 soll das Gotteshaus fertig sein. 22. August: Rock, Pop, Schlager, Klassik und Jazz unter freiem Himmel: Auch wenn´s Petrus mit den Partygästen anfangs nicht gut meint, zählen die Veranstalter von "Essen.Original" 200 000 Musikfans an den Bühnen in der City. 23. August: Irmenfried Mundt wird zum Superindenten des neu gegründeten Kirchenkreises gewählt. Zum Führungstrio der Evangelischen Kirche zählen zudem Helmut Keus und Marion Greve. 29. August: Zwischen den Haltestellen Kaiser-Wilhelm-Park und Altenessen-Mitte gerät ein Wagen der Linie U11 in Brand. Die 50 Passagiere kommen mit dem Schrecken davon, verletzt wird niemand.

1. September: Mit einer Jugendstrafe von vier Jahren geht der so genannte Dönerbuden-Mord-Prozess zu Ende. Das Gericht glaubt nicht an die Notwehr-Schilderung der beiden angeklagten Mädchen. - Baubeginn in der Alten Synagoge: Erst im Jahr 2010 wird das Gebäude wieder für Besucher offen sein - als "Haus jüdischer Kultur" 8. September: Die Umbauarbeiten am Hauptbahnhof beginnen. 19. September: Drei Tage lang feiern die Essener den 75. Geburtstag des Baldeneysees. 22. September: Weil er den Etat in zwei Spielzeiten überzogen haben soll, wird Philharmonie-Intendant Michael Kaufmann fristlos gekündigt. Der Streit zwischen dem Konzerthaus-Chef und Teilen der Kommunalpolitik macht bundesweit Schlagzeilen. Obwohl im November ein Auflösungsvertrag unterzeichnet und mit Johannes Bultmann ein neuer Intendant gewählt wurde, schwelt der Konflikt weiter. 25. September: Der "Herr vom Hügel" feiert Geburtstag. Essens Ehrenbürger Berthold Beitz wird 95 Jahre alt.

5. Oktober: Rund 1800 Gäste sehen die Premiere des Musicals "Ich will Spaß" im Colosseum. Die bunte Bühnenshow entführt in die Mode-Welt der 80er Jahre, die von Hits der Neuen Deutschen Welle untermalt wird. 16. Oktober: Doris Dörrie und Wim Wenders lassen sich zwar nicht blicken, schicken aber kleine Filme zum Geburtstag der Lichtburg, die mit einem Festprogramm drei Tage lang ihr 80-jähriges Bestehen feiert. 18. Oktober: Dem Kampf gegen seine Krebserkrankung erliegt Marius Nieland. Der städtische Finanzchef stirbt im Alter von 42 Jahren. 26. Oktober: Leuchtende Motive aus dem Gastland Österreich sorgen bei der 59. Auflage der Lichtwochen für vorweihachtliche Atmosphäre. 27. Oktober: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Prof. Christoph Broelsch. Gegen den suspendierten Chef der Chirurgie des Essener Uni-Klinikums ermittelten die Behörden wegen des Verdachts der Erpressung und Steuerhinterziehung. Broelsch, der die Vorwürfe immer vehement bestritten hat, muss sich voraussichtlich Anfang 2009 vor Gericht verantworten.

6. November: Gut eine Woche, nachdem eine selbst gebastelte Bombe eine Telefonzelle an der Heßlerstraße zerstörte, kann die Polizei einen 17-Jährigen überführen. 9. November: Karheinz Kuhs, ehemaliger Bürgermeister und Ehrenvorsitzender der FDP, stirbt nach langer Krankheit im Alter von 83 Jahren. 11. November: Genug Zeit zum Ausschlafen hatte er ja, nun reckt der Hoppeditz wieder seine müden Glieder. Mit dem Erwachen des Erzschelms feiern Narren im Einkauszentrum am Limbecker Platz den Beginn der fünften Jahreszeit. 20. November: Für festliches Flair in der Innenstadt sorgen die 250 Stände des 36. Essener Weihnachtsmarkts. 21. November: Dreimal hintereinander heimste Anselm Weber den Preis für das beste Theater in NRW ein. Das macht auch andere aufmerksam: Der Intendant des Grillo-Theaters gibt seinen Wechsel nach Bochum bekannt. 26. November: Der Stadion-Neubau an der Hafenstraße ist beschlossene Sache: Für rund 25 Millionen Euro soll eine Spielstätte entstehen, die ungefähr 15 000 Fußballfans Platz bietet.

1. Dezember: Johannes Bultmann tritt die Nachfolge des geschassten Philharmonie-Chefs Michael Kaufmann an. 10. Dezember: Der Brache am Berliner Platz rücken Bauarbeiter zuleibe. Das neue Quartier soll die Lücke zwischen der Hochschule und der Innenstadt schließen. 16. Dezember: Bundespräsident Horst Köhler und viele Prominente kommen in die Lichtburg, um der Premiere des Films "Buddenbrooks" beizuwohnen. 19. Dezember: Nach fünfeinhalb Jahren im Ruhrbistum heißt es für Bischof Felix Genn Abschied zu nehmen. Der 58-Jährige wechselt ins Bistum Münster. 24. Dezember: Einen ruhigen Heiligabend verbringen die Essener. Die Feuerwehr muss nur einmal ausrücken, um einen Kaminbrand zu löschen. (che)

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