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Google Street View

Das verschwommene Gesicht der Stadt

19.11.2010 | 19:53 Uhr
Das verschwommene Gesicht der Stadt
Mancher von ihnen hat vielleicht schon das Abi in der Tasche: Schüler am Gymnasium in der Borbecker Prinzenstraße. Foto: Google

Essen.Google Street View weiß, was die Stadt vorletzten Sommer getan hat: (Un-)Gepixeltes zwischen Straßenstrich und Zollverein.

„Sag mal Schatz, bist das nicht du da in dem Auto?“ – Es wäre vielleicht besser, der kurzhaarige Fahrer dieses schwarzen 3er BMW Touring würde sich schon mal eine wirklich gute Antwort zurechtlegen, warum er eines Sommertags mit der Familienkutsche auf dem Straßenstrich an der Pferdebahnstraße gehalten hat, nur ein paar Meter von den Wohnwagen der willigen Damen entfernt. Denn auch leicht verschwommen ist sein Gesicht noch deutlich in Googles „Street View“ zu sehen, jenem Internet-basierten Straßenbildatlas, der am Donnerstag auch in Essen für alle Welt geöffnet wurde.

Es ist ein Blick in Essens jüngste Vergangenheit, für viele faszinierend und erschreckend zugleich; das Straßen- und Sittengemälde einer Großstadt nach dem leicht abgewandelten Motto eines alten Kinofilms: „Ich weiß, was du vorletzten Sommer getan hast“. Denn wer zwischen Karnap und Kettwig „Street View“-lustwandelt, trifft größtenteils auf Bilder aus dem Sommer 2008: Wo vom neuen Thyssen-Krupp-Hauptquartier noch kein Stein stand und das Einkaufszentrum am Limbecker Platz auch erst zur Hälfte. Mit dem ollen Hauptbahnhof, einem fehlenden Eon-Ruhrgas-Neubau und dem „schönsten Museum der Welt“ im Sichtbeton-Look.

Alte Bekannte - gut zu erkennen

Die letzten Bilder aus Essen entstanden nach Google-Angaben im Mai 2010, und auch das ist lang genug her, um hie und da am Straßenrand womöglich irritiert verstorbene Nachbarn zu erkennen. Denn mal abgesehen davon, dass in Einzelfällen selbst die Grob-Verpixelung schief ging: Auch verschwommen sind alte Bekannte oft noch gut zu identifizieren.

Viele Pixel, hakelige Navi

Anders dagegen sieht es bei unkenntlich gemachten Häusern aus: Detaillierte Essener Zahlen gibt es nicht, nur solche für die 20 größten Städte. Danach beantragten exakt 244.237 der fast 8,5 Millionen Haushalte – das sind rund 2,89 Prozent -- den Rückzug hinter die virtuelle Milchglasscheibe. Der in Schönebeck wohnende NRW-Justizminister Thomas Kutschaty etwa ist darunter, während das Anwesen von Berthold Beitz in Bredeney sichtbar bleibt, mal lässt sich in ganzen Straßenzügen etwa rund um den Brucker Holt kaum ein Haus erkennen, mal ruckelt sich der geneigte PC-Tourist kilometerweit von unverstellter Fassade zu Fassade.

OB Paß müsste mal wieder Unkraut rupfen...

Und ertappt sich bei der angestrengten Suche nach Kuriositäten: Ausgerechnet vor den nagelneuen Luxuswohnungen am Weg zur Platte haben sie das mobile Bauarbeiter-Klo noch nicht abgeräumt, an der Bandstraße steht der Sperrmüll aufgetürmt, und Oberbürgermeister Reinhard Paß (zwei Fenster auf Kipp!) müsste mal wieder Unkraut rupfen.

Nein, das muss man nicht unbedingt gesehen haben. Dafür wäre ein Blick auf Zollverein umso spannender gewesen, aber ausgerechnet das einzige Weltkulturerbe weit und breit ist großräumig umfahren worden: Arendahls Wiese, Fritz-Schupp-Allee, Halden- und Gelsenkirchener Straße, Bullmannaue – sie alle fehlen in Googles „Street View“. Autopanne? Ein Rechtestreit? „Wir haben uns auch gewundert“, sagt eine Zollverein-Sprecherin und verspricht Nachbesserung: „Wir sind mit Google im Gespräch.“

Google Maps bietet unverpixelte Vogelperspektiven

Raus aus Street View

Das dürfen auch viele andere Essener von sich behaupten, die nachträglich aus dem Blickfeld von „Googles „Street View“ verschwinden wollen – als Personen oder mit ihren Immobilien. Ablesbar ist dies an den Schwärzungen, die auf dem Weg durch die Stadt auftauchen. „Innerhalb von einigen Stunden“, so heißt es, werden die Bilder überarbeitet.

Angst vor Einbrüchen? Nun, beim erwähnten Justizminister knackten sie das Schloss schon vor „Street View“-Zeiten, gepixelte Häuser könnten durch verlinkte Bilder von Privatleuten sichtbar werden und Google Maps erlaubt auch künftig anders als „Street View“ sogar die Vogelperspektive auf Gärten, Innenhöfe und andere Geheimnisse abseits der Straße. Dennoch: Es gibt Dinge, die kann man so nicht sichtbar stehen lassen. Etwa wenn ein soeben umgezogener Journalist sich für die geschmacklich völlig verunglückten Gardinen seiner Vorgänger-Bewohner rechtfertigen muss. Da hilft nur eins: Er wird das Haus pixeln lassen.

INFO: Wer sein Haus nachträglich noch unkenntlich machen lassen möchte, kann dafür die Funktion „Ein Problem melden“ (Beispiel) nutzen. Sie befindet sich in der linken, unteren Ecke des „Street View“-Bildes.

Wolfgang Kintscher

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Kommentare
23.11.2010
21:33
Das verschwommene Gesicht der Stadt
von Susan Kt | #15

Hi, bin froh das ein Mieter unser Haus verpickselt haben wollte. Muß mich demnächst bewerben und wenn neuer potenzieller Chef sieht in welchem Haus ich wohne (billig und nicht mehr so toll - aber wir fühlen uns wohl) kann dieser meinen, die stelle ich nicht ein für den Führungsposten wenn sie so wenig wert auf alles legt. Oder bei der nächsten Personaldebatte wegen Sozialplan - fliegt der mit dem schönsten Haus als erster, weil er es ja zur Not verkaufen kann.. :-(

22.11.2010
08:02
Das verschwommene Gesicht der Stadt
von bookeaterin | #14

Wie dumm muss man sein?

Als ob es jetzt nur von Google Street View abhängt wer was von uns weiß.

Aber immer alle schön bei Facebook eintragen...

Und, nicht vergessen, immer schön die Augen zumachen, damit die Privatsphäre gewahrt bleibt.

Nur nicht irgendwo hingucken - könnt ja jemand in seinen Bürgerrechten verletzt werden.

Ich guck mir keine Gärten mehr an, das ist ja kriminell, da werd ich bestimmt eingesperrt.

Toll gemacht Deutschland

21.11.2010
20:19
Das verschwommene Gesicht der Stadt
von BoomBoomBoomBoomIWantYouInMyRoom | #13

@Thomas Hertel: Die Google Earth Bilder von oben haben aber eine dermaßen schlechte Auflösung, dass man kaum erkennen kann, ob das nun eine prächtige Villa mit gepflegtem Garten oder ein Abrisshaus mit Unkrautacker ist - die Streetview Bilder sind so gut, dass man fast die Klingelschilder lesen kann...

21.11.2010
19:30
Das verschwommene Gesicht der Stadt
von Hotte 911 | #12

...und dieses von vorne sehen ist seit Jahren ein alter Hut.
Unter bing sind Parallelperspektiven übrigens auch von der Gartenseite möglich!!! Da regt sich komischerweise niemand drüber auf!?
Seltsam...

21.11.2010
14:45
Das verschwommene Gesicht der Stadt
von Thomas Hertel | #11

WIr benutzen Payback & Co
Die Städte verkaufen unsere Adressen um Ihre Kassen aufzubauen
Unsere Handys können geortet werden
Google gibt es schon seit jahren mit Foto blick von oben...
Wir leben in einer gläserenen Welt.
Werfe derjenige den ersten Stein, der noch nie irgendwo seine Datenspur hinterlassen hat.

und alle regen sich auf, das Häuser jetzt auch von vorne zu sehen sind...

21.11.2010
12:18
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von Westbahnhofbeobachter | #10

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21.11.2010
11:23
Das verschwommene Gesicht der Stadt
von osis | #9

Alle haben Sie Paybackkarten um kostenlose billige Plüschtiere zu bekommen, aber auf Streetview schimpfen.

Mit den Kundenkarten kann man prima den persönlichen Alkohol- und Tabakkonsum nachvollziehen... Was natürlich niemand jemals machen würde... Ist klar.

21.11.2010
10:12
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von LOVEANDPEACE | #8

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21.11.2010
09:23
Das verschwommene Gesicht der Stadt
von michael123456 | #7

Hat er nicht etwas recht ? Habe mir gestern mal angesehen, welche 4,50 € Kaltmietehäuser in Holsterhausen und Umgebung milchig sind , irgendwie albern. Weil die selben Leute unverschlüsseltes WLAN benutzen und/oder ihre EC-PIN auf die Karte schreiben.

20.11.2010
21:42
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von T.k. | #6

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