"Das Verlangen zu helfen" - 47 Jahre Einsatz für die DLRG

Gerade im Sommer sind die ehrenamtlichen Mitglieder der DLRG gefragt, um für Sicherheit rund um Deutschlands Gewässer zu sorgen.
Gerade im Sommer sind die ehrenamtlichen Mitglieder der DLRG gefragt, um für Sicherheit rund um Deutschlands Gewässer zu sorgen.
Foto: Jörg Schimmel
Was wir bereits wissen
Die Retter der DLRG sorgen ehrenamtlich dafür, dass Schwimmer und Bootfahrer im Notfall schnell Hilfe bekommen. Dabei ist kein Einsatz wie der andere.

Essen.. Zwei Männer in rot-gelb gestreiften Regenanzügen stehen am Ufer des Baldeneysees, die Kapuzen zum Schutz vor dem einsetzenden Regen tief ins Gesicht gezogen. Ihre Aufmerksamkeit gilt drei Drachenbooten, die entlang roter Bojen um die Wette fahren. Peter Bellgardt und Sohn Sebastian sind für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Einsatz.

Sie sollen aufpassen, dass beim jährlichen Drachenboot-Schülercup nichts passiert. „Im vergangenen Jahr ist ein Boot umgekippt“, erzählt der 25-jährige Sebastian, „das hieß, 22 Personen waren gleichzeitig im Wasser.“ Die Kinder waren auf so einen Fall vorbereitet worden und bewahrten die Ruhe. Es ist alles gut gegangen. Ruhr

Ein Leben lang im Ehrenamt

Meistens jedoch müssen die Retter nicht eingreifen. „Der größte Teil der Arbeit besteht aus Warten“, berichtet der 60-jährige Peter, „wenn dann aber etwas passiert, müssen wir sofort hellwach sein und die richtige Entscheidung treffen.“ Seit 47 Jahren ist der heutige Pensionär bei der DLRG. Ehrenamtlich, wie alle seine Kollegen. Oft nehmen sie sich Urlaub oder sind das komplette Wochenende unterwegs. „Es ist ein sehr zeitintensives Hobby“, sagt Sebastian, der Verfahrenstechnik studiert.

Die Arbeitskleidung müssen sie größtenteils selbst finanzieren, zudem zahlt jeder Erwachsene einen Jahresbeitrag in Höhe von 45 Euro. Was treibt einen Menschen an, das alles in Kauf zu nehmen? „Es ist das Verlangen, anderen Menschen in Not zu helfen“, erklärt Sebastian, der durch seinen Vater in die Aufgabe hineingewachsen ist. „So gesehen bin ich schon seit 25 Jahren bei der DLRG“, sagt er augenzwinkernd.

Kein Einsatz ist wie der andere

Dann werden Schwimmwesten angelegt und es geht auf das Motorboot. Mit bis zu 60 Stundenkilometern können die Männer über den See brettern, um schnell am Einsatzort zu sein. Der stärker werdende Regen peitscht ins Gesicht, der Fahrtwind saust in die Ohren, es ist eiskalt. Die Fahrt ist kein Vergnügen. Ziel ist die Wache Baldeney: ein renovierter Bungalow mit Küchenzeile und Schlafraum, in dem drei Hochbetten stehen. Hier sammeln sich die Einsatzkräfte. Wie das wohl ist, wenn dann der Notruf kommt? „Kein Einsatz ist wie der andere“, sagt Peter, „man weiß nie, was einen erwartet.“

Die Retter erhalten nur Stichworte, erst vor Ort sehen sie, wie schwer ein Mensch wirklich verletzt ist. „Es gibt immer eine innere Anspannung“, erzählt Sebastian, „gerade bei Anfängern strömt Adrenalin ins Blut und das Herz schlägt schneller.“ Peters bewegendster Einsatz war die Suche nach einem Ertrunkenen. Seine Miene wird ernst. „So etwas bleibt einem lange im Gedächtnis.“ Schwimmen

Pfingststurm Ela sorgte für Dauereinsatz

Am gegenüberliegenden Ufer liegen etwa hundert gestapelte Baumstämme. „Das sind die letzten Überreste von Ela“, sagt Peter. Der Pfingststurm hat die DLRG 2014 bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gebracht. Sebastian wurde an jenem 9. Juni nach Bochum-Wattenscheid beordert. Ein Intercity war auf freier Strecke in der Nähe eines Feldes liegen geblieben und musste evakuiert werden. Als er am nächsten Morgen zum Baldeneysee fuhr, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen, traute er seinen Augen nicht: Er war braun, überall von Blättern und Baumfetzen bedeckt. „Nach Ela waren wir eine Woche lang im Dauereinsatz“, erinnert sich Sebastian. Mit ihren Booten transportierten die DLRG-ler Kräfte des Technischen Hilfswerks mit deren schweren Kettensägen von Baum zu Baum, damit diese die Wege frei räumen konnten.

13.30 Uhr, Peters Funkgerät knackt: Wegen des starken Regens wird der Wettkampf unterbrochen, der Veranstalter überlegt sogar, ihn abzubrechen. Mit dem Boot geht es zurück zum Rennort. Es ist kein Drachenboot mehr im Wasser, an Land rennen Kinder aufgeregt durcheinander. Es klärt sich auf, Sebastian erkundigt sich in der Sprecherkabine. „Wir machen weiter“, entscheidet der Veranstalter. Das Familien-Duo muss weiter ausharren. Sollte es gebraucht werden, wird es zur Stelle sein.

Sechs Tipps der DLRG zum Schwimmen

Gerade an den heißen Tagen gibt es beim Schwimmen einiges zu beachten. Wir sprachen mit Sebastian Bellgardt von der DLRG Essen darüber, welche Gefahren lauern.

1. Nach längerer Zeit in der Sonne ist der Körper stark aufgeheizt. Man sollte sich dann langsam ins Wasser begeben. Wer sofort reinspringt, riskiert das sein Körper den großen Temperaturunterschied nicht verkraftet und verkrampft.

2. Nach dem Essen sollte man seinem Körper etwas Ruhe gönnen. "Wer sich mit vollem Bauch ins Wasser begibt, ist schneller am Ende seiner Kräfte", warnt Sebastian Bellgardt. Zudem bestehe das Risiko, dass dem Schwimmer übel wird und er sich übergeben muss. Deswegen gilt: Nach dem Essen etwa eine Stunde Pause einlegen.

3. Im und rund um das Wasser fängt man sich schneller einen Sonnenbrand ein. Hintergrund ist, dass die UV-Strahlen vom Wasser reflektiert werden und damit an Intensität zunehmen. Deswegen am besten regelmäßig nachcremen. Ist der Sonnenbrand schon da, heißt es: Die Haut bedecken und raus aus der Sonne.

4. Oft werden Distanzen auf Flüssen und Seen unter- und die eigene Ausdauer überschätzt. Vor allem weil eine mögliche Strömung nicht einkalkuliert wird. "Im Rhein etwa ist die Strömung dermaßen stark, dass es Schwimmer oft alleine nicht mehr ans Ufer schaffen, wenn sie einmal von ihr erfasst wurden", weiß Sebastian Bellgardt.

5. Zieht ein Unwetter auf, sollten Schwimmer so schnell wie möglich raus aus dem Wasser. Es gilt dann, einen festen Unterstand zu finden oder noch besser: den Heimweg anzutreten.

6. Trinken, trinken, trinken. Gerade bei extrem hohen Temperaturen gilt: Ist der Körper ausgetrocknet, verlassen ihn schnell die Kräfte.