Das Tabu in der Familie belastet die Kinder

Das Angebot wendet sich an Kinder – und bezieht die Eltern ein: Wenn das Jugendpsychologische Institut (JPI) Kurse für Mädchen und Jungen anbietet, deren Eltern psychisch erkrankt oder suchtkrank sind, ist die ganze Familie im Blickfeld. „Natürlich setzen wir uns mit den Eltern zusammen; auch weil sie den Kindern erlauben sollen, über die Krankheit zu sprechen“, sagt Sozialpädagogin Ulrike Rittmann vom JPI. Fehle dem betroffenen Elternteil die Krankheitseinsicht, könne das gesunde Elternteil die Erlaubnis erteilen.

In dem Ferienkurs, den sie und ihre Kollegin Susanne Völker bereits einmal angeboten haben, können die Jungen und Mädchen dann offen über das wechselhafte oder seltsame Verhalten ihrer Eltern reden. Zudem werden sie altersgerecht über das Krankheitsbild informiert. Häufig haben die Eltern bis dahin ihr Leiden, ihre Sucht verschwiegen – ein Tabu, das Kinder mehr belastet als die Wahrheit. Es hilft also schon, wenn die Eltern anerkennen, dass sie ein Problem haben, sagen Rittmann und Völker. Sie ermutigen betroffene Mütter und Väter: „Im Kurs schauen wir mit den Kindern auch, was sie an ihren Eltern gern haben und was in der Familie gut läuft.“