Stadtteil-Spaziergänge
Das Südostviertel - der ungefähre Stadtteil
02.08.2010 | 18:08 Uhr 2010-08-02T18:08:00+0200
Essen.Das Südostviertel leidet unter einem bürokratischen Namen, der wenig Identität stiftet. Wer sich einlässt, findet überraschende Vielfalt. Markanter Punkt ist der Wasserturm - den Stadtteil danach bennennen wollte die Bezirksvertretung aber nicht.
Wenn man die A 40 in Huttrop abfährt, dann ist man gar nicht in Huttrop. Sondern im Südostviertel. Das ärgert die Leute im Südostviertel. Man beantragte korrekte Autobahn-Ausfahrtsschilder im vergangenen Jahr. Doch die Landesbehörde „Straßen NRW“ lehnte ab: „Südost“ sei bloß eine Windrichtung.
Willkommen im Südostviertel, dem Nicht-Stadtteil. Von dem die meisten nur so ungefähr wissen, wo der überhaupt liegt. Der rote Wasserturm an der Steeler Straße zählt zu den markantesten Orientierungspunkten. Deshalb drängt die örtliche CDU vehement darauf, den ziemlich blutleeren, irgendwann in der Stadtverwaltung erdachten Namen abzulegen und den Stadtteil in „Essen Wasserturm“ umzubenennen. Tatsächlich sagen zumindest die älteren Leute im Viertel durchaus, man wohne „am Wasserturm“. Schon im zunächst zuständigen Stadtteil-Parlament, der Bezirksvertretung, gab es dafür aber keine Mehrheit.
Karla Brennecke-Roos (64) ist zum Beispiel dagegen. „Wir leben schon so lange mit dem Namen Südostviertel“, sagt die SPD-Politikerin. „Wasserturm, das wäre ja nur ein Teil des Stadtteils.“ Wir stehen im Schatten des Wasserturms, dahinter liegt eine Grünfläche. Der „Ostpark“. „Park“ ist ein bisschen übertrieben. Aber überraschend ruhig ist es hier schon, trotz der Nähe der A 40. „Einen Biergarten“ wünscht sich Karla Brennecke-Roos hier, „und im Winter vielleicht einen Weihnachtsmarkt“.
Probleme hat das Südostviertel noch immer
Die Ratspolitikerin kam 1965 von Bremen nach Essen, „der Liebe wegen“, sagt sie. Sie wollte eigentlich nur ein Jahr bleiben, „doch dann bin ich hier hängengeblieben“. Seit vielen Jahren wohnt sie in der Vollmerstraße, gehörte 1995 zu den Gründern der „Bürgerinitiative Südostviertel“. Sie schätzt das Quartier, „weil es lebendig ist und weil es viele, schöne Altbauten gibt“. Stimmt: Die Wörthstraße, die Blumenthalstraße – dicht durchsetzt mit Gründerzeitfassaden. Das ist urbanes Pflaster hier, großstädtisch irgendwie, aber ohne das Gelackte aus Rüttenscheid. Und das Programmkino „Eulenspiegel“ auf der Steeler Straße ist ein Angebot für Intellektuelle.
Die Bürgerinitiative wurde 1995 nötig, weil Probleme mit Libanesen übergroß wurden. In einem Wohnblock an der von-der-Tann-Straße nördlich der A40 wohnten 120 Libanesen, „80 davon Kinder“, erinnert sich Karla Brennecke-Roos. Es gab Probleme mit Lärm und Müll. Die Initiative schritt ein, sammelte Geld für einen vernünftigen Kinderspielplatz, führte regelmäßige Treffen ein, „da hat sich sehr viel entwickelt“. Der Wohnblock strahlt heute in frischem Grün, er wurde saniert, die Wohnungen zu Eigentum umgewandelt. Libanesische Familien wohnen heute nicht mehr konzentriert an einem Platz, sondern in vielen Stadtteilen.
Probleme hat das Südostviertel heute nach wie vor. Aber andere. „Die Steeler Straße war mal eine attraktive Einkaufsstraße“, sagt Karin Grott, die stellv. SPD-Ortsvereinsvorsitzende. Aber jetzt: Zu viele leere Läden, zu viele Billig-Anbieter. Zuletzt machte das Haushaltswarengeschäft „Junius“ Schluss, nach 112 Jahren. Und gegenüber zog die Öko-Bäckerei „Backbord“ aus. „Dabei“, sagt Karin Grott, „haben hier immer viele Kaufleute gewohnt im Viertel.“
Problemquartier, unbekannte Schönheit und feine Adresse
Zu den unwirtlichsten Orten des Südostviertels zählt, leider muss man es so sagen, der Storpplatz. „Hier ist donnerstags immer Markt, aber der wird nicht angenommen“, sagt Karla Brennecke-Roos. Einfach nur schönes Naturpflaster zu verlegen, was irgendwann mal geschehen ist, das hilft nicht. Zu schnell und zu laut donnern die Autos über die Oberschlesienstraße, der Lärm hallt von den Häuserwänden zurück. Die Sonne brennt, Bäume, Bänke? Gibt es nicht. Stattdessen rasen Laster in Richtung Frillendorf. Und das, obwohl hier, am Storpplatz, das „Storp 9“ liegt, ein bedeutender Stadtteil-Treffpunkt. Für Jugendliche, für Alte, für Ausländer, für Deutsche, für alle eigentlich. Dies hier ist: Südostviertel, das Problemquartier.
Wenige Schritte entfernt, nur einmal über die Steeler Straße, liegt die Saarbrücker Straße. Gepflegte Fassaden, viel Grün, Ruhe; Kinder, die Fahrrad fahren. Dies ist: Südostviertel, die unbekannte Schönheit. Und dann gibt es natürlich noch den Moltkeplatz, das Moltkeviertel, Teile von Schinkel- und Semper- straße gehören zum Stadtteil. Dies ist: Südostviertel, die feine Adresse. Auch wenn das kaum jemand weiß. Autobahnschilder mit „Südostviertel“ gibt’s nicht. dafür soll ein falsches Ortseingangsschild an der Heilermannstraße ausgetauscht werden. Darauf steht „Huttrop“ statt „Südostviertel“. Immerhin.

21:59
@21: Super, mehr Bonner Hundehalter nach Essen. Ist glaube ich flächendeckend in allen Stadtteilen ein Problem. Meinte doch letztens jemand, der partout nicht Kot aufheben wollte: Wieso - das ist doch öffentlicher Raum!
So weit ist es schon gekommen.
01:33
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14:16
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22:35
ch bin kürzlich neu zugezogen in Essen und lebe jetzt im Südostviertel. Und fühle mich hier wohl. Allerdings wohne ich im guten Viertel rund um die Saarbrücker Straße. Sehr ruhig, gute Einkaufsmöhlichkeiten, auch die Naherholungsmöglichkeiten wie das Siepental sind nicht weit. Mit dem Rad bin ich in 5 Minuten zur Arbeit, zurück ist es ein wenig länger. Alles wunderbar? Leider nicht! Ich habe einen Hund, den ich in Slamomlinien durch die Kotabfälle von andern Hunden führen muss. Es ist wirklich ekelhaft! Überall und wirklich an jeder noch so kleinen Grünfläche liegt Hundekot. Auch auf der Straße. Letztens wurde das bis in unseren Hausflur reingetragen! Heute habe ich Hundekot auf dem Ostfriedhof gesehen. Widerlich! In Bonn, woher ich komme, sind überall Kotbeutelspender und kein Hundebesitzer würde sich trauen, das Häufchen dazulassen. Nirgendwo Kacke. Warum ist das in Essen nicht möglich??
22:33
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17:08
Ich bin im Südviertel aufgewachsen, wir sagten allerdings Essen-Süd. Mein Schulweg zur Viktoriaschule führte mich durch den Moltkepark ins Südostviertel. Der Park war gefühlte Grenze zwischen Essen-Süd mit dem Bahnhhof Süd und dem Wasserturm (so nannten wir das gesamte Viertel) mit demselben als markantem Bauwerk. Mit dem Eintritt in die Semperstraße oder wahlweise über die Ruhrallee in Richtung Neue Synagoge hatte man das Südviertel definitiv verlassen. Huttrop war das für uns nie. Die Steelerstraße war in etwa das, was für den Kölner der Rhein ist. Jenseits des Wasserturms war schäl sick, da ging man nie hin. Das war für uns Essen-Ost und ein bisschen iih. Den Ostpark kannten wir schon nicht mehr. So war das damals.
20:02
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15:46
@#15 henriette (falls Du noch mal hier reinliest): Eine gute Anlaufstelle für das von Dir angesprochene Engagement ist sicher das Stadtteilhaus Storp 9, www.storp9.de. Das Thema (fehlende) Stadtteilidentität wird auch bei der örtlichen Espede kontinuierlich bearbeitet: www.spd-osthuttrop. Und tatsächlich scheint sich derzeit so etwas wie eine Stadtteilgemeinschaft anzubahnen, die dem Südostviertel mit vereinten Kräften kreativ ein bisschen auf die Beine helfen möchte...
14:55
Der Stadtplan von www.essen.de zeigt die echten Stadtteilgrenzen - für die, die es interessiert.
Ansonsten ist es durchaus korrekt, das Südostviertel nicht einfach Huttrop zuzuschlagen. Die 5 Himmelsrichtungsviertel bilden mit dem Stadtkern (innerhalb des Innenstadtrings) die Stadtmitte (nicht identisch mit Stadtbezirk I), die größte Ausdehnung, die die Stadt Essen vor den großen Eingemeindungen erreicht hat.
Allerdings wirken Bahnstrecke und oberirdische A40 natürlich extrem trennend.
Neue Stadtteilnamen, die jeweils weiterhin auf -viertel enden, wären aber durchaus sinnvoll.
@14 Ansonsten hab ich leider aktuellen Zahlen über die Verteilung von Asylbewerbern auf die Essener Stadtteile gehört - aber insgesamt sollen die Zahlen doch eher rückläufig sein.
14:05
Wir leben als neu nach Essen gezogene Bürger seit Ende letzten Jahres im Südostviertel. Es ist toll!
Zum Wohnen wirklich schön, allerdings muss man wirklich Acht geben, wo man wohnt. Schade ist wirklich die Entwicklung an der Steeler Str. und der Umstand, dass es keine vernünftige Gastronomie in fußläufiger Entfernung gibt. Sowas sollte zur Großstadt doch dazu gehören...
Gibt es denn bspw. eine Stadtteilgemeinschaft, die sich regelmäßig trifft? Gerne würde ich mich in diesem Bereich engagieren und vielleicht einen kleinen Beitrag leisten, um dem Südostviertel wieder ein freundlicheres Gesicht zu verpassen!
Und erstaunlich ist wirklich, dass ich bspw. von dem Markt noch nie etwas mitbekommen habe und eigentlich auch nicht wirklich verstanden habe wo das Süostviertel genau anfängt und wo es aufhört.
Liebe Grüße,
Henriette