Das Stadtbad Werden im Essener Hallenbad-Test

Hier können sich Schwimmer (links) wie Kursteilnehmer (rechts) entfalten.
Hier können sich Schwimmer (links) wie Kursteilnehmer (rechts) entfalten.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Das Stadtbad Werden stand schon vor dem Aus, als sich im Turnerbund ein Retter fand. Heute sieht mancher Gast das Schwimmbad als zweites Wohnzimmer.

Essen.. Für die einen ist es ein Kostenfaktor, für die anderen ein Zuhause: Das 1971 eingeweihte Stadtbad Werden stand schon auf der städtischen Streichliste, wurde zeitweilig nur noch im Wechsel mit seinem Pendant in Kupferdreh geöffnet und fand 1997 seinen Retter. Seither ist hier der Werdener Turnerbund 1886 e.V. Betriebsführer und hegt das Bad. Die Stadt ist zwar weiter Eigentümer des Hauses und steuert erhebliche Mittel bei. „Aber wir als Verein haben hier viel Geld reingesteckt“, betont der WTB-Vorsitzende Ulrich Legel. „Seit 20 Jahren steht dieses Bad auf der Kippe, dabei hängen die Werdener so daran!“

Der erste Eindruck

Das Bad liegt im Herzen des Stadtteils, gleich neben dem Gymnasium Werden und mit Blick auf die Brehm­insel. Die bevorzugte Lage hat allerdings den Nachteil, dass es schwierig sein kann, hier einen Parkplatz zu finden. Größere Hürden muss überwinden, wer alt, gebrechlich oder anderweitig körperlich eingeschränkt ist: Das Bad ist nicht barrierefrei. Wer das Drehkreuz im Erdgeschoss passiert hat, gelangt über eine Treppe zu Umkleiden und Becken im ersten Stock.

Umkleiden und Duschen

Der Umkleidebereich ist recht überschaubar; es gibt eine Handvoll Einzelkabinen sowie Sammelkabinen für Männer und Frauen. Die Anmutung ist nicht gerade topmodern, aber alles ist sehr sauber und ordentlich. Das gilt auch für das halbe Dutzend Duschen, darunter eine Einzelkabine. Eine Dusche ist am Testtag defekt, die anderen laufen gut. Die Föhne sind flexibel zu handhaben – keine dieser völlig unverrückbar installierten Modelle.

Die Schwimmhalle

Hallenbad-Test Die Halle ist klein – die Fensterfront riesig. Trotzdem ist es keine Selbstverständlichkeit, dass sich das Sonnenlicht heute so schön im Wasser spiegelt. „Die Scheiben waren komplett blind“, sagt Schwimmmeister Michael Niehaus. Zeitweilig habe man sie unten abgeklebt, wodurch sich der Raumeindruck vollends verengte. „Die neuen Scheiben sind eine der vielen Investitionen des Werdener Turnerbundes.“ Gemeinsam gestemmt mit den Sport- und Bäderbetrieben, bei denen auch Niehaus angestellt ist.

Das Becken

Es gibt nur ein Becken von 10 mal 25 Metern Größe, doch aus diesem Kleinformat wird alles ‘rausgeholt. So spannt Niehaus keine Querleine, die sportliche Schwimmer behindern würde, sondern teilt das Bad der Länge nach. Die Hälfte der Bahnen gehört den Schwimmern, die andere den Wassergymnastikkursen, die für den Verein eine wichtige Einnahmequelle darstellen. Carola Stoebke aus Kupferdreh nutzt beide Welten: „Ich komme einmal wöchentlich zur Gymnastik, danach schwimme ich eine halbe Stunde.“ Mit ihren beiden kleinen Kindern gehe sie eher in andere Bäder: „Für eine Fünfjährige ist es hier zu tief, und ein Kinderbecken fehlt leider.“ Ältere Kinder dürften sich aber über 1- und 3-Meter-Brett freuen. Außerdem ist samstags von 10 bis 13 Uhr Spieltag (ab sechs Jahren), an dem es oft Väter mit Nachwuchs ins Becken zieht. Am Wochenende kann man das Bad für Kindergeburtstage oder andere Feiern mieten.

Die Badegäste

Besonders ältere Badegäste schätzen die zwei Warmbadetage mit 30 Grad Wassertemperatur, die sich Werden Dienstag und Mittwoch leistet. An allen anderen Tagen ist das Wasser 28 Grad warm. Fast zu voll werde es an den Warmbadetagen, findet Stammgast Manfred Blase. Für ihn ist der größte Vorteil des Bades, „dass es vor der Haustür liegt“. Tatsächlich kommen wohl die meisten Badegäste aus der unmittelbaren Umgebung, umso beachtlicher ist die Besucherzahl von 97 163 im vergangenen Jahr (2013: 95 449). Und: Schulen und Vereine zusammen machen davon nur ein Drittel aus.

Das Team

Den Werdener Turnerbund und die Mitarbeiter der Sport- und Bäderbetriebe eint offenbar eine große Leidenschaft für das Bad. Der WTB hat ein Sport- und Gesundheitszentrum mit Sauna eingebaut, bietet zahlreiche Kurse an und arbeitet regelmäßig an der Verbesserung des Angebotes; so wurde kürzlich der Kraftraum neu bestückt. „Für manchen ist das der Mittelpunkt von Werden“, sagt der WTB-Vorsitzende Ulrich Legel. Für Schwimmmeister Michael Niehaus ist es noch viel mehr: „Ich hab’ schon als Kind Schlange gestanden, um hier eine Stunde schwimmen zu dürfen.“ Die Planstelle im Bad bezeichnet der gebürtige Werdener als Glücksfall; die Atmosphäre sei familiär, die meisten Gäste kenne er mit Namen, für manche sei er auch mal Tröster.

Mit seinem Kollegen hat Niehaus die vielen kleinen Bodenfliesen neu verfugt, so dass sie nun bombenfest sitzen – während sie zum Beispiel in den Bädern in Altenessen und Borbeck regelmäßig herausspringen. Neben der Zweckmäßigkeit hat Niehaus noch einen ganz persönlichen Grund für den aufwendigen Arbeitseinsatz: „Dieses Bad ist mein Wohnzimmer, mein Zuhause.“