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„Das Ruhrgebiet ist weiterhin eine graue Maus“

08.10.2012 | 00:07 Uhr
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Eines will Rainer Rettinger gleich mal klarstellen: „Ich bin selbst Ruhri, und ich bin es gerne. Mein Herz hängt an dieser Region, hier sind meine Wurzeln.“ Das gesagt, zieht der Marketing-Kundige kräftig vom Leder. Ob sich das Image Essens durch die Kulturhauptstadt dauerhaft verbessert hat? „Ich kann keinen nachvollziehbaren Imagewandel festmachen. Das Ruhrgebiet ist weiterhin eine graue Maus.“

„Eine Marke muss wahrgenommen,aber auch erinnert werden“

51 Prozent der Befragten des Bürgerbarometers sind gegenteiliger Meinung. Was die Zufriedenheit der Menschen mit den Nachwirkungen des Kulturhauptstadtjahrs angeht, ist das Glas aus Rettingers Sicht halbleer – ja, eigentlich hätte er sogar einen noch niedrigeren Wert erwartet. „Mich würde interessieren, woran die Befragten die positive Außenwirkung festmachen“, sagt Rettinger, der in Essen eine Werbeagentur betreibt. Woran macht der Fachmann sie fest? „Daran, ob es gelungen ist, eine Marke zu schaffen. Eine Marke muss wahrgenommen und erinnert werden. Man hat das Ruhrgebiet wahrgenommen, aber man erinnert sich nicht. Es fehlen Bilder, die hängen bleiben.“

Hat denn die Kulturhauptstadt nicht ganz wunderbare Bilder hervorgebracht, von den Schachtzeichen etwa und vom Stillleben auf der A40, das gar dem chinesischen Fernsehen eine Übertragung wert war? „Aber wo sind diese Bilder heute?“, fragt Rettinger, „man sieht sie nicht! Die klassische touristische Werbung lebt von Emotion. Die vermittelt Essen nicht.“

Rettinger gesteht zu, dass Interessierte in Berlin oder Hamburg das Revier heute ein Stück weit eher mit Kultur assoziieren, jedenfalls stellt er das bei Reisen fest. Einen Imagewandel auf breiter Front aber sei den Kulturhauptstadt-Lenkern nicht gelungen. „Obwohl sie immer betont haben, dass sie das Neue zeigen wollten, haben die Verantwortlichen zu sehr alte Klischees bedient. Die sind ganz fest verankert und man hat es nicht geschafft, sie aus den Köpfen zu verbannen.“

Was genau ist aus Sicht des Werbers denn nun schief gelaufen? Wie könnte man es besser machen? Und war das Kulturhauptstadtjahr nicht zumindest etwas, an das man anknüpfen kann? Konkret beklagt Rettinger, das eigene Potenzial sei unterschätzt worden. „Die Kreativlandschaft wird nicht ernst genommen. Das Ruhrgebiet ist eine Region der Mit-, Quer- und Vordenker, das ist außen nicht angekommen.“ Und: „In der Kommunikation sind Sachen falsch gemacht worden, auch was die Kanäle angeht. Welche Geschichten erzählt man über das Ruhrgebiet bei Twitter und Facebook?“

Geschichten sind denn nach Rettingers Ansicht auch das, was zu einer positiveren Außenwirkung beitragen könnte – gut erzählte, gut bebilderte, bewegende Geschichten übers Ruhrgebiet und seine Bewohner müsse man in die Welt tragen. Der Zug sei noch nicht abgefahren. „Dranbleiben!“, rät der Experte.

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