Das Recht auf Jammern

Eigentlich wollte ich 2015 ja nicht mehr so viel jammern. Aber manchmal kommt einfach alles geballt: Nicht nur, dass einem mit Blick auf die weltpolitische Lage morgens das Brötchen im Halse steckenbleiben könnte, spätestens ein Fuß vor die Haustür gibt einem in diesen Tagen endgültig den Rest. Früher hatte der Winter wenigstens so viel Ehrgefühl und ästhetischen Anspruch, die Stadt in ein zauberhaftes Weiß zu tauchen. Und heute? Speist er uns ab mit einem gräulichen Gemisch aus Sprühregen und Sturmböen – ein frisurenfeindlicher Garant für Kopfschmerzen und umgestülpte Regenschirme. Letzteres machte mir kürzlich auf dem Weg zur Arbeit zu schaffen, als ich beim Kampf „Mensch gegen Schirm“ haushoch unterlag. Das klapprige Ding flog mir um die Ohren und wurde zur Bedrohung für meine Mitmenschen. Ich selbst wurde es angesichts meines sinkenden Stimmungsbarometers auch.

Jaja, ich weiß: Viele Menschen würden eine Menge dafür geben, meine Probleme zu haben. Aber ich betrachte Jammern auch als Ausdruck von Meinungsfreiheit. Und die sollten wir uns bewahren – auch wenn’s wehtut.

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