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Bildung

„Das passt nicht in die Zeit“

16.11.2012 | 08:00 Uhr
„Das passt nicht in die Zeit“
Foto: Dirk Bauer

Essen. Bildung als Schlüssel im Kampf gegen Rechtsextremismus – wie sieht es da eigentlich mit den Aktivitäten der Stadt aus? Nicht gut, findet mancher. Die Stelle für „politische Bildung“ gehört zu jenen, die eingespart werden sollen. „Das passt nicht in die Zeit“, sagt Hans Peter Leymann-Kurtz, Fraktionsvorsitzender der Linken im Rat. Und es passe erst recht nicht in eine Stadt, in der die NPD-Landeszentrale ihren Sitz hat.

Schon jetzt ist die 80 Prozent-Stelle, die seinerzeit am Jugendzentrum Papestraße angesiedelt war, aus Altersteilzeitgründen unbesetzt. „Mit der Schließung des JZE ist der Standort für politische Jugendbildung weggefallen“, so Leymann-Kurtz. „Bis heute ist unklar, wo nun politische Bildung angesiedelt sein soll, die wir weiterhin brauchen. Es gibt einen eklatanten Bildungsmangel in diesem Bereich, das ist hochgefährlich.“

Die Stadt hat die Aufgabe, das Thema aufzubereiten

Kritik kommt auch von den Essener Jugendverbänden. Sie vermissen bereits jetzt einen Ansprechpartner bei der Stadt. „Früher wusste man immer, an wen man sich wenden kann“, so Philipp Hennen, Geschäftsführer des Arbeitskreises Jugend (AKJ), in dem kirchliche, politische und gewerkschaftliche Gruppen wie die DGB-Jugend, die Falken oder der Bund der Deutschen Katholischen Jugend organisiert sind. „Wir als Verbände arbeiten daran, dass dieses Feld weiter bearbeitet wird“, so Hennen, „da muss man am Puls der Zeit bleiben. Es ändert sich ja ständig, wie die Rechten unterwegs sind.“

Der nun im Raum stehende Vorschlag der Linken, die Mittel für die Stelle in Projektmittel umzuwandeln und den Trägern zukommen zu lassen, kann für alle Seiten allenfalls ein Kompromiss sein. In erster Linie brauche es eine konkrete Adresse bei der Stadt, eine wertneutrale Instanz, die die Aktivitäten in dem Bereich koordiniert und die Beteiligten vernetzt, so AKJ-Geschäftsführer Hennen. „Die Stadt hat die Aufgabe, das Thema aufzubereiten, beschäftigt sich derzeit aber nur punktuell damit.“

Helen Sibum


Kommentare
16.11.2012
12:00
„Das passt nicht in die Zeit“
von ALB1985m2 | #5

Es ist nicht die (verkorkste) Bildungspolitik bzw. die geringen Investionen hierin, die Jugendliche offen für den Rechts_radikalismus_ macht (Übrigens: Rechts ist wie Links im gemäßigten Maße ist im Grunde genommen nichts Schlimmes; im Gegenteil: ein Gleichgewicht zwischen beiden ist essentiell für eine gut funktionierende Demokratie; aber hier in Deutschland ist das ja so ein Thema...), sondern die an Deutschenfeindlichkeit grenzende Politik. Politiker jeglicher Coleur überbieten sich gegenseitig in Toleranzgebaren, und radikale linke Gruppierungen wie Antifa, Jusos etc. setzen alles daran, dass die deutsche Kultur in der Vielfalt der Kulturen untergeht, um nicht zu sagen rausgezüchtet wird. Jeder Ruck ins eine Extrem (zur Zeit nach Links) wird eine extreme Reaktion nach Rechts nach sich ziehen, und umgekehrt. Man sollte daran arbeiten, dass die Politik zu einer objektiven (und nicht sozialromantischen) Mitte findet, dadurch würde man sich viel Ärger ersparen.

5 Antworten
hups - das ist mal gut formuliert
von eimerweise | #5-1

volle Zustimmung! Leider ist eine Objektivität im politischen Parteienkampf heute nicht mehr möglich - jede Partei kämpft ausschließlich für den eigenen Machterhalt, niemand interessiert sich für eine politische Mitte.

„Das passt nicht in die Zeit“
von swiola2 | #5-2

Zitat: "Man sollte daran arbeiten, dass die Politik zu einer objektiven (und nicht sozialromantischen) Mitte findet" ...

Ein Widerspruch dazu:

Was heißt denn in diesem Zusammenhang "objektiv"! Rechts ist nicht gleich Links. Rechts steht für die Verachtung von Schwäche, Elitedenken, Leistungprinzip, ... Links steht für sozialen Ausgleich, solidarischer Unterstützung der Schwächeren in unserer Gesellschaft, Überwindung der Kluft zwischen Arm und Reich. Links steht für Sozialismus. Meine Meinung: "Man sollte daran arbeiten, dass die Politik zu einer sozialistischen Gesellschaft führt".

LOL
von eimerweise | #5-3

Das ist das Paradebeispiel für eine sehr subjektive Meinung. Und als Begründung wird nur eine zu offensichtlich manipulativ-bewertende Sichtweise der Dinge angeführt... :D

„Das passt nicht in die Zeit“
von ALB1985m2 | #5-4

Die sozialistische Gesellschaft ist ja eine nette Idee - das Problem ist nur, dass die Menschen davon nicht genug bekommen; wo sind wir denn inzwischen angelangt: Job-Center (ehemals Arbeitsämter, die ihre Leistungsberechtigten als _Kunden_ ansehen, und die verzweifelt versuchen, ihre Leistungen an den Mann zu bringen (Bsp. Bildungspakete). Infobroschüren in sämtlichen Sprachen; Leistungen für Asylbewerber, die schon fast auf HartzIV-Niveau liegen. Härtefall-Regelungen bei zahnärztlichen Leistungen und Übernahme von Kita-Kosten für Hartz-IV-Bezieher, von denen ein Nicht-HartzIV-Bezieher nur träumen kann. Am echten Sozialismus sind wir schon verdammt nah dran, würde ich sagen. Rechts steht nicht für Verachtung von Schwäche; eine Gesellschaft kann nur gut funktionieren, wenn der Stärkere den Schwächeren etwas stützt, das wusste auch unser guter eiserner Kanzler Bismarck. Aber es sollte auch heutzutage klar sein: von Nichts kommt nicht Alles.

Lauwarm, weder heiß noch kalt ! / „Das passt nicht in die Zeit“
von swiola2 | #5-5

Was würde Jesus dazu sagen ?

Zitat aus http://www.predigten.de/predigt.php3?predigt=2115

Was hat Jesus denn an den Christen in Laodizea auszusetzen? Ihre Lauheit. Sie sind weder siedend heiß noch eiskalt. Sie sind lauwarm. Sie sind nicht extrem. Sie gehen den goldenen Mittelweg. Sie wollen nicht anecken. Sie wollen das eine tun und das andere nicht lassen. Sie wollten nicht himmelhochjauchend und zu Tode betrübt sein. Alles soll schön im Rahmen bleiben. So sind sie bei allem dabei, aber immer nur mit halbem, hin und her gerissenem Herzen. Ekelig, sagt Jesus dazu, mir wird übel, wenn ich Dich sehe. Ich werde dich aus meinem Munde ausspucken.

16.11.2012
11:11
„Das passt nicht in die Zeit“
von ralfh2 | #4

Der "Kampf gegen rechts" scheint wohl ein Steckenpferd des Innenministers Jäger zu sein. Sicherlich gibt es zu viele gewaltätige Rechtsradikale - doch was sind die Ursachen dafür? Diese Leute werden ja nicht mit rechter Gesinnung geboren. Sollte die Politik nicht besser die Ursachen bekämpfen warum junge Menschen nach rechts abdriften? Überwiegend dort wo es große Missstände gibt es auch viele Neonazis, z.B. in Dortmund.

16.11.2012
10:20
...von Böcken und Gärtnern...
von Marxururenkel | #3

Ob eine Stelle bei der Stadt sich gegen Rechtsextremismus auswirkt sei dahingestellt. Sicher ist aber, dass es Aufgabe der Stadt ist, sich des Problems anzunehmen und auch die Polizei mit ins Boot zu nehmen. Was an den "Kleinen" in heimischen, verkommenen Wohnstuben erst einmal versaut wurde, wird weder Stadt noch Schule vollständig ausbügeln können. Wen wundert es, dass der Nachwuchs konsequent auslebt, was Mama und Papa hinter vorgehaltener Hand aussprechen. Es ist sehr schwer anzukommen gegen die die Bildung durch Bild und Hartz-TV. Leider.

1 Antwort
"heimische, verkommene Wohnstuben"
von eimerweise | #3-1

Manchmal ist es bereits die Ausdrucksweise, die Hinweise auf extremistische Haltungen und Gefährdung des Soziallebens geben kann...

16.11.2012
08:40
„Das passt nicht in die Zeit“
von xxyz | #2

Bildung würde ich jetzt in den Schulen erwarten?


Gestern eine Schlagzeile, heue brauchen wir eine Stelle und natürlich gerne bei einem Träger. So wird ein Geschäft aufgebaut.

16.11.2012
08:18
„Das passt nicht in die Zeit“
von eimerweise | #1

Wenn der Bock sich um die Gärtnerstelle bemüht, ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ;-)

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