Das neue Außenministerium der Stadt Essen

Finden internationale Gäste toll: Die Eisbahn an der Kokerei Zollverein.
Finden internationale Gäste toll: Die Eisbahn an der Kokerei Zollverein.
Foto: Jochen Tack Jochen Tack/Stiftung Zollverein
Was wir bereits wissen
Neue Stabsstelle für das Europabüro und die Städtepartnerschaften: Internationale Aktivitäten sollen intensiviert werden.

Essen.. Petra Thetard hat eines der Filet-Büros im Rathaus. Schön auf Eck mit großer doppelter Fensterfront. An schönen Tagen wandert ihr Blick weit über die Stadtgrenzen hinaus. Ein Bild mit Symbolkraft: Petra Thetard leitet das Europabüro und die neue Stabsstelle „Internationale Beziehungen“ - das Außenministerium der Stadt. Da ist viel Weitsicht gefordert.

Petra Thetard hat ein weites Feld zu bearbeiten: Europa und die Welt. Ein Königin mit viel Land, aber ohne Steuern. Denn der Jahresetat für ihre Stabsstelle, in der das Europabüro und die Städtepartnerschaften zusammengeführt werden, beträgt neben den Personalkosten für vier Mitarbeiter gerade mal 3000 Euro. „Damit kommt man nicht weit“, sagt sie, lächelt, und verrät ihre Strategie: „Wir müssen sehr kreativ agieren.“ Und deshalb hat die Essener Außenministerin in den letzten Jahren in die Aktenberge und Aufsätze zum Thema EU-Fördermittel studiert. Sie ist gut vernetzt, weiß, wo es Unterstützung gibt. Derzeit fließen jährlich 10,5 Millionen Euro von der EU nach Essen.

Ein Vorteil für ihre Arbeit und damit für Essen: Die Stadt ist international ein bekannter wie begehrter Partner. Bei Themen wie Strukturwandel oder Migration und Integration schaut das Ausland auf Lösungen, die die Großstadt Essen gefunden hat. „Wir sind da viel weiter als andere, denen das noch bevorsteht. Deshalb wird geschaut, wie wir was gemacht haben“, erklärt Petra Thetard.

Internationale Beziehungen wirtschaftlich stärker nutzen

Die internationalen Gäste haben dabei längst auch Geschmack an der Stadt gefunden: „Im Ausland sind wir Konzernstadt und Energiestadt. Seit der Kulturhauptstadt sind aber auch Folkwang-Museum und Zeche Zollverein ein Begriff. Wenn ich Fotos der Eisbahn zeige, sind die Menschen angetan“, sagt Petra Thetard.

Zudem interessant für potenzielle Partner: Die kommunale Selbstverwaltung der Stadt, die, im Vergleich zu Frankreich beispielsweise, kurze Entscheidungswege ermöglicht. Da die EU vermehrt Projekt fördert, bei denen internationale Partner zusammenarbeiten, ist Essen begehrter Ansprechpartner.

Das haben auch Politik und Verwaltung erkannt. Sie wollen die internationalen Beziehungen, die sich lange auf den kulturellen Austausch über Städte-Partnerschaften beschränkten, wirtschaftlich stärker nutzen. Wie in Beruf und Arbeit, wo die EU Sprachkurse und Weiterbildungen finanziert. Wie bei infrastrukturelle Investitionen, die in Radwegenetze oder in den neuen Niederfeldsee in Altendorf geflossen sind. Deshalb auch die neue Städtepartnerschaft mit der chinesischen Millionen-Metropole Changzhou. „Da gibt es noch viel Potenzial“, sagt Petra Thetard.