Das aktuelle Wetter Essen 18°C
Rot-Weiss Essen

Das letzte Bier in der Vereinsgaststätte von RWE

26.07.2011 | 19:02 Uhr

Essen.Das kultige, aber veraltete Georg-Melches-Stadion von Rot-Weiss Essen ist bald Geschichte. Genau so wird es auch der Vereinsgaststätte ergehen. Nach 55 Jahren ist es Zeit für das letzte Bier. RWE-Fans kämpfen um einen Ersatz.

Rot-Weiss Essen ist Kult, „schützenswertes Kulturgut seit 1907“, so prangt es auf der Webseite des Vereins. Zu jenem Kult gehörte mit der Erbauung der Haupttribüne des Georg-Melches Stadion im Jahr 1957 seit je her die „Vereinsgaststätte Rot Weiss Essen“. So schlicht wie der Name, so rustikal ist auch die Kneipe selbst, beherbergt direkt unter der alten Tribüne, zwischen der Geschäftsstelle und dem Fanprojekt.

Fans kämpfen um Ersatz

Doch genau wie das kultige, aber längst veraltete und marode Stadion, soll bald auch mit der Vereinsgaststätte Schluss sein. Sobald sich die Bagger 2012 von der Nordtribüne Richtung Süden fressen und die Sitzplatztribüne abreißen, wird es nach 55 Jahren schließlich Zeit für das letzte Bier sein. Äußerst traurig ist man darüber bei Pächterfamilie Konieczny – seit dem Jahr 2000 ist das Lokal in ihrer Hand. Was passiert, wenn der Abriss vollzogen ist? „Dann stehen wir auf der Straße, so ist das halt“, sagt eine betrübte Christina Konieczny.

Ganz so einfach gehen lassen möchten viele Rot-Weiss-Fans ihre Pinte jedoch nicht. Im Internet hat sich auf Facebook eine Initiative gegründet: „PRO Vereinsgaststätte Rot-Weiss Essen“ hat bereits über 300 Unterstützer und setzt sich für einen Ersatzstandort der traditionsreichen Kneipe ein. „Es muss einen Treffpunkt für uns Fans geben“, fordert Reinhard Roland, RWE-Fan und Unterstützer der Aktion. Mit der Grundstücksverwaltung der Stadt Essen (GVE) als Bauherrn des neuen Stadions habe man Gespräche geführt, aber schnell sei klar geworden: „Bei den Planungen vor drei Jahren hat Ex-Manager Thomas Strunz die Gaststätte und uns Fans völlig vergessen, jetzt ist es zu spät, das Budget ist aufgebraucht“, gibt Roland wieder, was Markus Kunze, Pressesprecher der GVE ihm mitteilen musste.

"Relikt alter Zeiten"

Video
Ein Tag zum Feiern für die RWE-Fans. Ihr Verein ist schuldenfrei.

Ob und wie die Vereinsgaststätte weiter existiert, scheint daher ungewisser denn je. Fläche im Stadion sei nicht mehr vorhanden, erklärt Kunze. „Der Verein hat damals bei den Planungen ganz auf Logen und Sponsoren-Plätze gesetzt, Vereinsgaststätten gelten als Relikt alter Zeiten.“ Zudem hat man bei anderen Klubs, beispielsweise in Aachen, schlechte Erfahrungen mit dem Erhalt der urigen Kneipen in Vereinsregie gemacht: Sie bringen nur an Spieltagen Gewinn ein, müssen an den übrigen Wochentagen aber dennoch betrieben und finanziert werden.

Gründe, die auch Reinhard Roland einsieht, aber Wehmut lässt ihn um einen Ersatz für die alte Gaststätte kämpfen. „Der jetzige Geschäftsführer Michael Welling hat Verständnis für unsere Forderungen gezeigt, aber nach der Insolvenz hat der Verein natürlich erstmal kein Geld für solche Projekte“, sagt er. Deshalb planen Roland und Initiatoren-Gründer Markus Weegels jetzt eine Sponsorensuche für einen neuen Fan-Treffpunkt. Zur Not sollen die Fans selbst anpacken: „Das Umfeld des neuen Stadions ist bislang völlig brachliegend, da sind auch wir Fans gefragt mitzugestalten“, so Roland.

Jammern gilt nicht

RWE-Legenden

Ein bisschen Schwund ist bei einem Umzug in eine modernere Heimat bekanntlich immer – dass es bei Rot-Weiss ausgerechnet ein Stück Vereinstradition trifft, emotionalisiert die Fans. Beim Essener Pokalgegner Union Berlin trieb der drohende Verfall des Stadions die Fans an, selbst aktiv zu werden. Eine Aktion, die für Roland und seine Mitstreiter Vorbildfunktion hat, denn: „Nur jammern hilft nicht.“

Clemens Boisseree

Facebook
 
Kommentare
27.07.2011
19:59
Das letzte Bier in der Vereinsgaststätte von RWE
von reisejuergen1 | #11

#9 und jetzt meinen sie, sie hätten was ganz intelligentes als solches vom stapel gelassen?

hauahauaha, 8 jahre volksschule, was?

no recomment please

27.07.2011
14:24
Das letzte Bier in der Vereinsgaststätte von RWE
von schwalbenalfred | #10

Eine Vereinsgaststätte bei der Planung vergessen? Dass ich nicht lache. Für mich ist das die pure Ignoranz, wenn nicht sogar eine arrogant geplante Absicht, in der Hoffnung, die Pilsken, Fanta und Frika-Front durch eine Prosecco, Bionade und Büffelmozzarella-Riege zu ersetzen, die im rot-güldenen VIP-Bereich schick und adrett ihren Repräsentations- und Networkinggedanken fröhnen, anstatt das traditionelle, bodenständige, bunte, oft auch verhaltensoriginelle Vereinskneipenleben zu geniessen.

Ja, dieses Thema emotionalisiert mich sehr. Ich halte eine Vereinsgaststätte für einen enorm wichtigen Ort für das Vereinsleben, so dass ich hoffe, dass die Planer und Entscheider zeitnah alles dafür tun, diesen Planungsfehler zügig zu beheben. Wie sagt man auf dem Bau? Was nicht passt, wird passend gemacht!

Was ich mir wünsche? Eine Gastronomie, die an 7 Tagen in der Woche durch die Vielfalt der RWE-Fans belebt wird.

Was ich mich frage? Ob die Planer manchmal ihre Uhr anhalten, um Zeit zu sparen. Mit dieser Logik würde ich den Planungsfehler wenigstens verstehen.

27.07.2011
11:14
Das letzte Bier in der Vereinsgaststätte von RWE
von oldgreywolve | #9

#8 reisejuergen1

Lieber Reisejuergen als solcher.

Mit Deinem Kommentar als solchen magst Du ja Recht haben und es tut uns ja soooo traurig. Aber auf Grund Deiner sonstigen Kommentare zum Thema RWE haelt sich das Mitleid doch schwer in Grenzen.
Ich meine das Mitleid als solches.

26.07.2011
23:14
Das letzte Bier in der Vereinsgaststätte von RWE
von reisejuergen1 | #8

liebe essener als solches! herzlichen glückwunsch zu eurer sportredaktion.in mülheim sind sie schon vor langer, langer zeit eingeschlafen. ist ja auch kein wunder wenn kaum jemand anklickt. ab und zu wacht dann mal einer auf. der weckt dann die anderen und dann schreiben sie alle über randsportarten. jetzt schlafen sie übrigens wieder. heute kein einziger aktueller artikel.

26.07.2011
21:58
Das letzte Bier in der Vereinsgaststätte von RWE
von toddy2007 | #7

@5: Sehr geehrter Herr Kober,

scheinbar ist die WAZ / der Westen Redaktion ja doch lernfähig und einsichtig!

Vielen Dank!

26.07.2011
19:59
Das letzte Bier in der Vereinsgaststätte von RWE
von dergutepott | #6

Was ist das für eine Kinderkacke hier?
Hauptsache ist doch, dass überhaupt ein neues Stadion gebaut wird.
Alles an Extras wird nach und nach ohnehin von Angebot und Nachfrage geregelt.

26.07.2011
17:00
Das letzte Bier in der Vereinsgaststätte von RWE
von EinKnaeuel | #5

Es geht nicht um eine richtige Kneipe sondern um diese Kneipe, mit ihrem eigenen Stil, der unwiderbringlich verloren geht.
Man kann ihn nicht einfach in neue Räumlichkeiten übertragen. Sowas geht schief.

26.07.2011
16:02
Das letzte Bier in der Vereinsgaststätte von RWE
von Stefan.Kober | #4

@1: Die unterschiedlichen Schreibweisen, auf die Sie sich beziehen, haben wir inzwischen vereinheitlicht.
Grüße
Stefan Kober
Redaktion DerWesten

26.07.2011
14:56
Das letzte Bier in der Vereinsgaststätte von RWE
von moin-moin | #3

Die RWE-Kneipenvermisser sollten sich Anregungen in Schalke oder am Borsigplatz holen und dann selbst initiativ werden! Eine richtige RWE-Stammkneipe in der Nähe des neuen Stadions müßte doch laufen!
Oder anders, bei soviel RWE-Fans muß einfach eine Vereinsgaststätte
erfolgreich sein.

26.07.2011
13:19
Das letzte Bier in der Vereinsgaststätte von RWE
von xdiexgedankenxsinnfreix | #2

Eine Vereinsgaststätte muß nicht mehr sein. Sollen die 300 doch eine Kneipe pachten, es stehen genug leer! Warum wohl? Jeder einen 10er im Monat und die Kiste rollt. Also nicht meckern, machen. Tun sie aber nicht, weil man dann ja nicht am Tresen stehen kann, sondern den Hintern bewegen muß.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4907122/create

Aktuelle Fotos und Videos
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
30. Pfingst Open Air
Bildgalerie
Festivals
Aus dem Ressort
Jäger und Landwirte retten Rehkitze in Essen vor Heuernte
Rehkitz-Rettung
Für Kitze wird die Heuernte zur Lebensgefahr, wenn die Ricke sie im Gras abgelegt hat. Die tierschutzgerechte Frühmahd, wie Jäger die Kitz-Rettung nennen, ist im Laufe der Jahre mit ständig größer werdenden Landmaschinen und schneller fahrenden Traktoren immer wichtiger geworden.
Ruhrmuseum und Kinemathek zeigen alte Krupp-Filme
Krupp
Im Rahmen der Ausstellung „200 Jahre Krupp“ haben Ruhrmuseum und Kinemathek im Ruhrgebiet sieben Kinoabende auf Zollverein und in der Lichtburg mit Filmen von und über Krupp zusammen gestellt. „In dieser Fülle hat es das bisher nicht mal im Ansatz gegeben“, sagt Museumschef Heinrich Theodor Grütter.
Foto Text