„Das ist ein Geschenk für alle Essener“

So sehen Sieger aus. Die Essener Delegation in Bristol jubelte, als die Jury bekannt gab, dass die Ruhr-Metropole den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ für das Jahr 2017 gewann. LinksThomas Siepman (TAS Emotional Marketings), in der Mitte OB Reinhard Paß, rechts neben ihm Dezernentin Simone Raskob.
So sehen Sieger aus. Die Essener Delegation in Bristol jubelte, als die Jury bekannt gab, dass die Ruhr-Metropole den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ für das Jahr 2017 gewann. LinksThomas Siepman (TAS Emotional Marketings), in der Mitte OB Reinhard Paß, rechts neben ihm Dezernentin Simone Raskob.
Foto: Siepman
Was wir bereits wissen
Reaktionen nach dem Sieg der Ruhr-Metropole in Bristol. Sie ist 2017 „Grüne Hauptstadt Europas“. Politik lobt das Engagement des Teams.

Essen.. „I’m happy“ – mit diesen Worten trat OB- Reinhard Paß gestern Mittag ans Mikrofon, als in Bristol die Jury ihre Entscheidung bekannt gegeben hatte. Essen wird 2017 die „Grüne Hauptstadt Europas“. Die Ruhr-Metropole setzte sich gegen die Mitbewerber Nijmegen, Umea und ‘s-Hertogenbusch durch. Die Essener Delegation jubelte, der OB und die Umweltdezernentin Simone Raskob, die vehement für diesen Titel kämpfte, lagen sich in den Armen. „Wir sind total glücklich“, sagte sie der NRZ. „Das ist ein Geschenk für alle Essener Bürger.“

Mit entscheidend für den Sieg sei der „ganzheitliche Aspekt“ unter Einbeziehung des Ruhrgebietes („Wir alle sind Grüne Hauptstadt...) gewesen, etwa beim Emscher-Umbau und dem Radschnellweg, so Raskob. „Und wir waren überzeugend.“

Ein enromer Imagegewinn für Essen

Nur wenige Minuten nach dem Sieg knallten auch in Essen die Sektkorken. „Das ist der totale Wahnsinn“, strahlte der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, Rolf Fliß. „Ich freue mich für das Essener Team, das jahrelang darauf hingearbeitet hatte.“ Und das nach der ersten Niederlage um den Titel 2016 nicht den Kopf in den Sand gesteckt hatte, sondern wenig später erneut angetreten war. „Der Sieg ist das Ergebnis harter Arbeit.“ Der Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ werde Essen einen „enormen Imagegewinn“ bringen, prognostizierte der grüne Ratsherr. „Das ist eine Aufwertung für die ganze Region – und wir werden Rückenwind für die Umweltprojekte bekommen.“

Auch für den Tourismus werde Essen noch interessanter. Fliß: „Viele Delegationen werden herkommen, um vor Ort zu sehen, wie der Umbau einer großen Industriestadt gelingt.“ Er erinnerte aber auch angesichts befürchteter Millionen-Einsparungen bei der Evag daran, dass Essen den Anteil des öffentlichen Nahverkehrs auf 25 Prozent steigern will „Mit diesem Versprechen haben wir in Bristol gepunktet. Das müssen wir jetzt einhalten“, forderte er.

"Beleg für die Wandlungsfähigkeit"

In diese Kerbe schlägt auch Hans-Peter Huch (CDU), Vorsitzender des Umweltausschusses, und lehnt trotz der finanziellen Probleme Einschnitte im Nahverkehr ab: „Das Angebot für die Fahrgäste muss erhalten bleiben“, meinte er. Überhaupt sei beim Thema Mobilität noch mehr Engagement nötig. „Essen hat wie die anderen Städte auch große Probleme mit dem Elektroauto.“ Bisher seien viel zu wenige E-Fahrzeuge unterwegs. Die Elektromobilität sei aber wichtig, um den klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß weiter zu senken.

Das „tolle Ergebnis“ in Bristol hatte der Christdemokrat erwartet. „Ich war zuversichtlich. Ich wusste aber auch, dass es gute Mitbewerber gab.“ Überzeugend waren für Huch etwa das Projekt „Neue Wege zum Wasser“ und „wie hervorragend die Stadt nach der Naturkatastrophe Ela vorgegangen ist.“

Für den OB-Kandidat der CDU, Thomas Kufen, ist die Auszeichnung „ Ehre und Beleg für die Wandlungsfähigkeit unserer Stadt“. Vor 40 Jahren noch „größte Bergbaustadt“ und 2017 „Grüne Hauptstadt“. „Damit zeigen wir Europa, dass in unserer Stadt mehr zu finden ist als rauchende Schornsteine und Kohlehalden.“,

"Wir haben durch den Orkan Ela sehr viele Bäume verloren"

An die in der Vergangenheit erreichten Umweltstandards erinnert auch SPD-Fraktionschef Rainer Marschan. Die Ruhr-Metropole nehme nun mit der Auszeichnung „eine Vorbildunktion in Europa“ ein. In diesem Punkt hofft Julia Kahle-Hausmann, umweltpolitische Sprecherin der SPD, dass die Stadt mit dem neuen Titel noch mehr Sponsoren gewinnen wird. „Wir haben durch den Orkan Ela sehr viele Bäume verloren. Wir müssen das Grün in Essen jetzt umbauen, um es klimatauglich zu machen.“ Man dürfe sich daher „auf dem Erreichten nicht ausruhen“, so Kahle-Hausmann.

Für den umweltpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Thomas Grünewald, ist es nun wichtig, die „erarbeiteten Themen umzusetzen“ und mit Hilfe der Fördergelder der EU, die nun beantragt werden können, ökologische Projekte „in unserer Stadt voran zu treiben.“ Umweltdezernentin Raskob listete erst vor kurzem an, dass die Stadt Essen in den nächsten Jahren insgesamt eine Milliarde Euro in den Umweltbereich investieren werde.

Lob vom Unternehmerverband

Über den gewonnenen Titel freut sich insbesondere auch die Emscher-Genossenschaft. Denn mit ihrem Jahrhundertprojekt Emscher-Umbau hatte die Essener Delegation in Bristol geworben. „Wir konnten einen Beitrag zu diesem Erfolg leisten“, erklärte Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Lob kam auch vom Essener Unternehmerverband (EUV). Essen „spielt auch im internationalen Vergleich der grünen Städte in der oberen Liga mit“, so EUV-Vorsitzender Henner Puppel.

Der „RundeUmweltTisch (Rute), ein Zusammenschluss von Umweltinitiativen, will aber auch Taten sehen. Die Mobilität in Essen sei ein „Schwachpunkt in der Bewerbung“ gewesen, so Rute-Sprecher Dieter Küpper. Und: Das Ergebnis der jetzigen Kontroverse um den Flächenverbrauch in Essen werde zeigen, „wie verantwortungsvoll und ernsthaft die kommunale Politik mit den Verpflichtungen, die sich aus dieser Auszeichnung ergeben, umgehen werde“.