Das isst der Pott in Essen-Schuir: Galizische Kartoffelklöße

Die Zutaten: Rohe Kartoffeln und Pellkartoffeln, dazu Speck, Zwiebel, ein Ei, Quark für die Füllung, Pfeffer, Salz und Muskat. Ideale Ergänzung: Apfelmus.
Die Zutaten: Rohe Kartoffeln und Pellkartoffeln, dazu Speck, Zwiebel, ein Ei, Quark für die Füllung, Pfeffer, Salz und Muskat. Ideale Ergänzung: Apfelmus.
Foto: WAZ

Das isst der Pott in Essen: Galizische Kartoffelklöße

In der siebten Folge unserer Serie "Das isst der Pott" haben wir unseren Leser Jürgen Schmitz besucht.
Di, 09.06.2015, 05.00 Uhr

In der siebten Folge unserer Serie "Das isst der Pott" haben wir unseren Leser Jürgen Schmitz besucht.

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Was wir bereits wissen
Typisch Ruhrgebiet: Jürgen Schmitz’ Großmutter Juliane hat das Leibgericht der Familie einst von Lemberg via Posen mit nach Essen gebracht.

Essen.. Gute Rezepte können Gold wert sein. Etwa wenn sie ausgezeichnet schmecken oder bloß eine anrührende Familiengeschichte erzählen. Auf Jürgen Schmitz’ Kartoffelklöße trifft beides zu. „Kartoffelklöße bei Oma sind seit jeher das Leibgericht der ganzen Familie“, sagt er.

Seine Rezeptgeschichte reicht weit zurück – in jene Zeit, als sich die inzwischen untergegangene Donaumonarchie mit ihrem Vielvölkerstaat bis nach Lemberg in die heutige Ukraine erstreckte. „Dort ist meine Großmutter Juliane aufgewachsen und dort arbeitete sie in einem Gutshaus in der Küche“, erzählt der 64 Jahre alte Sozialwissenschaftler. Seine Kartoffelklöße erzählen eine ruhrgebietstypische Einwanderungsgeschichte: Von Galizien zogen seine Vorfahren zuerst nach Posen und von dort nach Essen – in die boomende Stadt der Kohle und des Stahls.

Pellkartoffel-Reste vom Vortrag eignen sich

Kochen – das sei in seiner Familie schon immer ein großes Thema gewesen. Und eine Leidenschaft, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werde. Was Omas Kartoffelklöße für Hobbykoch Schmitz so interessant macht: „Ich habe sie noch in keinem Kochbuch gefunden.“ Auch wenn sie galizischen Ursprungs sind, für ihn sind die Klöße typisch Ruhrgebiet. „Eine Arme-Leute-Essen, für das sich Pellkartoffel-Reste vom Vortag ausgezeichnet eignen.“

Schlichte Zutaten bedeutet in diesem Fall überhaupt nicht, dass die Zubereitung einfach ist. „Die Masse ist das A und O“, sagt Schmitz. „Die Fülle“ in den Kartoffelmantel zu montieren, sei „ein bisschen fummelig“. Man spürt: Auch in diesem Fall erfordert Kochen handwerkliches Geschick. Ehe die großen Kugeln ins siedende Wasser gehen, muss der „Probe-Kloß“ beweisen, ob die Masse hält.

Kochgruppe zaubert Drei-Gänge-Menüs

Aus seinem Küchenfenster im grünen Schuir schaut der Hobbykoch auf einen Pferdestall, direkt vor der Tür gedeihen Kräuter wie glatte Petersilie und Rosmarin: eine Idylle wie auf dem Land. Seit einigen Jahren trifft sich Jürgen Schmitz mit Gleichgesinnten. „Unsere Kochgruppe besteht aus zwei Männern und zwei Frauen, es geht immer reihum.“ Stets müsse der jeweilige Gastgeber die Rezepte fürs Drei-Gänge-Menü festlegen. „Gekocht wird dann zusammen – arbeitsteilig und immer relaxt.“

Die fummelige Arbeit an den Klößen hat sich gelohnt: Der weiche Mantel erweist sich als stabil. Als Jürgen Schmitz die heißen Speckgrieben mit einem lauten Zischgeräusch auf die angerichteten Klöße gießt, huscht ein zufriedenes Lächeln über sein Gesicht.

So macht man die galizische Kartoffelklöße – Zutaten und Rezept

Zutaten:

1 kg mehlige Kartoffeln
(⅔ roh – ⅓ gekocht)
200 g weißer Speck
125 g Schicht- oder Frischkäse
1 Zwiebel, 1 Eigelb
Muskat, Salz, Pfeffer

selbst gemachtes Apfelmus

Und so geht’s:

Dass ist der Pott Der Teig: Rohe Kartoffeln reiben, sehr gut mit einem Tuch auspressen und mit den durchgepressten Pellkartoffeln ( z. B. vom Vortag) mischen; dabei die Stärke, die sich beim Ausdrücken der rohen Kartoffeln absetzt, wieder zufügen; wenn nötig noch zusätzlich Kartoffelmehl untermischen.

Die Füllung: Zutaten (Schichtkäse, sehr fein geschnittene Zwiebel, Eigelb, reichlich Muskat) mischen und mit Pfeffer und Salz abschmecken. Für die Klöße ein faustgroßes Stück Teig mit 1-2 Esslöffel Quarkmasse füllen und zu einem großen Kloß formen. Klöße vorsichtig in kochendes Salzwasser geben und ca. 30 Minuten ziehen lassen, bis sie nach oben steigen. Die Klöße müssen Platz haben und sich drehen können.

Die Soße: Speck in grobe Stückchen schneiden und langsam zu knusprigen Grieben auslassen. Anrichten: Kloß auf den Teller legen, oben kreuzweise einstechen und mit den heißen Speckgrieben begießen. Dazu gibt’s selbst gemachtes Apfelmus. Zubereitung: ca. 45 Minuten.