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„Das Haus hat jetzt einfach Weltniveau“

05.06.2014 | 20:37 Uhr
„Das Haus hat jetzt einfach Weltniveau“
Komponist Wolfgang Rihm (2. v. li) war beglückt von der Uraufführung seines Werks durch die Essener Philharmoniker mit ihrem GMD Tomáš Netopil.Foto:Volker Wiciok

Zehn Jahre Essener Philharmonie mit großem Festkonzert und vielen persönlichen Erinnerungen. Manche Stammgäste haben in den vergangenen Jahren schon mehr als 500 Konzerte im neuen Saal erlebt

Am Ende des Abends werden manchem Ehrengast vielleicht ein wenig die Ohren geklingelt haben. Und das lag wohl nicht nur an den feierlichen, aber auch mahnenden Worten, die zum 10-jährigen Jubiläum der Philharmonie zu hören waren. Auch Richard Strauss’ donnerndes „Präludium für Orgel und großes Orchester“ war dazu angetan, jede Ermattungsserscheinung im Parkett sogleich fortzureißen. Die Essener Philharmoniker und ihr neuer Generalmusikdirektor Tomáš Netopil hatten sich programmatisch zwischen historischer Reminiszenz (mit Richard Strauss’ 1904 in Essen aufgeführter Sinfonia domestica“) und einem Auftragswerk von Wolfgang Rihm positioniert.

Der freute sich nach gefeierter Uraufführung, umringt von vielen Gratulanten, über die hochkonzentrierte Umsetzung. Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die mit Sohn Jan gekommen war, zeigte sich höchst angetan von der Mischung des Abends: Offenheit für Neues werde immer wieder belohnt, sagt Kraft. Das Neue erfreut Zuschauer wie Paul und Eva-Marie Girardet seit Jahrzehnten, die mit einigem Stolz darauf verweisen können, dass ihre Familie seit sage und schreibe 110 Jahren im Besitz eines Philharmonie-Abonnements ist. Paul Girardet kann sich noch an die Zeit erinnern, als das Wohnhaus in unmittelbarer Nähe zum Konzerthaus stand. „Beim zweiten Klingeln ist mein Vater schnell rüber.“ Die Mutter, eine Pianistin, hat in den 1950ern im Nachkriegs-Saalbau mit „Bilder einer Ausstellung“ reüssiert. Bis heute haben die Girardets kaum ein philharmonisches Highlight verpasst. „Einmal in der Woche sind wir immer hier“, erzählt Eva-Marie Girardet. „Man muss nicht mehr nach Düsseldorf fahren“, freut sich ihr Mann, „mit der neuen Philharmonie haben wir in Essen Weltklasseniveau erreicht.“

„Wir haben wohl alles richtig gemacht“

Die, die für dieses Niveau auf den Fundamenten des alten Saalbaus gekämpft haben, zeigten sich glücklich und auch ein bisschen stolz. „Das Konzerthaus ist von der Bürgerschaft gebaut und von der Bürgerschaft gerettet worden“, betont Kulturdezernent Andreas Bomheuer, damals Mitglied des Bürgerbündnisses. „Heute kann man sagen: Wir haben wohl alles richtig gemacht“, freut sich auch Wolfgang Reiniger (CDU). der dem geplanten Konzerthaus-Neubau am Berliner Platz damals wie zigtausende andere Essener eine Absage erteilte und ein Jahr später Oberbürgermeister wurde.

Ein Beispiel für jenen „Druck der Öffentlichkeit“, den Festredner Claus Leggewie in diesen Tagen wieder für dringend geboten hält. Die Philharmonie sei dabei ein „herausragendes Beispiel für einen solchen Ort bürgerlichen Gemeinsinns, der kulturelle Höhepunkte, soziale Geselligkeit und demokratischen Diskurs“, sagt der Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts, der daran erinnerte, dass schon der erste Konzertsaal im Stadtgarten durch die Bürgerschaft finanziert worden war, denn von Beginn an seien die öffentlichen Kassen klamm und die Prioritäten umstritten gewesen,„ob man statt pompöser Kunsttempel nicht lieber Sozialwohnungen bauen sollte“. Eine „heute wieder aufgewärmte populistische Milchmädchenrechnung“, so Leggewie, „man lässt die Kunst, aber die Armen haben nichts davon“.

Dass die Fronten in Zeiten steigenden Spardrucks wieder aufbrechen könnten, die Furcht war auch an diesem feierlichen Abend zu spüren, an dem sich Hans Schippmann, langjähriger Vorsitzender des Aufsichtsrats der Theater und Phiharmonie, mit einer Bitte verabschiedete: „Sorgen Sie dafür, dass diese Institution TuP lebensfähig bleibt und nicht jedes Jahr aufs Neue sehen muss, wie man über die Runden kommt“, mahnte er seine Nachfolger. Denn nach den Fest- kommen demnächst die Haushaltsreden.

martina Schürmann

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2014-06-05 20:37
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