Das aktuelle Wetter Essen 17°C
Konjunktur

Das Handwerk in Essen hadert mit der Zahlungsmoral

03.01.2013 | 18:37 Uhr
Das Handwerk in Essen hadert mit der Zahlungsmoral
Sandra Siebelhoff und Jaqueline Jahn (v.l.) zum Tag der offenen Tür im Haus des Handwerks. Nachwuchssuche wird auch 2013 ein wichtiges Thema im Handwerk sein.Foto: Sebastian Konopka

Essen.  Die Kreishandwerkerschaft Essen klagt: Zunehmend zögern Kunden die Bezahlung von Handwerkerrechnungen hinaus oder kürzen pauschal. Auch um die Konjunktur in diesem Jahr sorgen sich die Handwerksunternehmen und sehen dem Geschäftsjahr skeptischer entgegen.

Das Essener Handwerk beklagt eine Verschlechterung der Zahlungsmoral. „Das ist zwar schon seit längerem ein Problem, mit dem wir uns herumschlagen. Zuletzt haben die Klagen der Handwerksbetriebe aber wieder zugenommen“, sagte Ulrich Meier, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Gespräch mit dieser Zeitung.

Meier kritisiert, dass säumige Kunden mit „den fadenscheinigsten Argumenten und falschen Versprechungen“ Zahlungen hinauszögern oder unberechtigt Rechnungen kürzen würden. Manche Kunden würden Pauschalabzüge in enormer Höhe vornehmen. Für den Handwerker bleibe dann oft nur die Wahl, den zeit- und geldraubenden Klageweg einzuschlagen oder die Kürzung zähneknirschend zu akzeptieren. Meier: „Es ist deshalb ein Gebot der Fairness, für gute Arbeit auch zu bezahlen.“

Insgesamt sind nach Aussagen Meiers die Geschäfte des Essener Handwerk im vergangenen Jahr gut gelaufen. „Die Befragungen und Gespräche unter den Handwerksbetrieben in den Vorstands-sitzungen und Mitgliederversammlungen der Innungen im November und Dezember 2012 haben gezeigt, dass etwa 75 Prozent der Betriebe mit der geschäftlichen Entwicklung des zu Ende gehenden Jahres zufrieden sind“, so Meier. Allerdings hätten manche Handwerksbetriebe notwendige Preiserhöhungen am Markt nicht durchsetzen können. Das schmälerte den Gewinn der Betroffenen.

Appell an die öffentliche Hand

Verhaltener startet das Essener Handwerk allerdings ins Jahr 2013: „Eine konjunkturelle Eintrübung wird in diesem Jahr sicherlich stattfinden. Allerdings haben die Handwerksbetriebe im sogenannten Krisenzeitraum 2008 bis 2010 gelernt, damit umzugehen“, glaubt Meier. Er sei überzeugt, dass die Unternehmen mit zusätzlicher Vertriebskraft, offensivem Zugehen auf Kunden sowie durch die Bedienung neuer Marktnischen Einbrüche bei den Aufträgen so gering wie möglich halten können.

Des Weiteren fordert die Kreishandwerkschaft auch die öffentliche Hand auf, bei der Auftragsvergabe an die ansässigen Handwerker zu denken. „Es wird die Aufgabe der Kreishandwerkerschaft sein, in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass Kontinuität in der Auftragsvergabe dafür sorgt, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze in unserer Stadt gesichert werden und Betriebe sich am Markt halten können, um Wettbewerbssituationen weiterhin zu ermöglichen“, so Meier.

In Essen gibt es rund 5200 Handwerksbetriebe mit über 36 000 Beschäftigten. Sie erwirtschaften einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro.

Janet Lindgens

Facebook
 
Kommentare
04.01.2013
09:50
Das Handwerk in Essen hadert mit der Zahlungsmoral
von gudelia | #5

Pfiffigerweise verschweigen die Handwerker, daß nicht die privaten Auftragsgeber eine schlechte Zahlungsmoral haben, die begleichen ihre Rechnung nämlich in der vorgegebenen Zeit. Woran das Handwerk krankt sind Kollegen und öffentliche Hand.

04.01.2013
08:57
Das Handwerk in Essen hadert mit der Zahlungsmoral
von Teferi | #4

Hat die Kreishandwerkerschaft noch keine Liste unter dem Tresen, welche Kunden die Zahlung unrechtmäßig verweigern? Dann können die Betriebe gewerkeübergreifend nachfragen und entweder die Kostenvoranschläge anpassen oder den Auftrag ablehnen.


Wieso eigentlich geldraubender Klageweg? Zum einen machen KH soweit ich weiss auch Inkasso und zum anderen bekommt man das Geld doch erstattet, wenn man Recht bekommt. (Letzteres ist wohl das Problem - wenn der Kunde berechtigt kürzt, hat man vom Klagen in der Zeitung mehr als vom Klagen vor Gericht ;) )


Mal als Tipp für die armen Handwerker:
- Abschlagszahlungen vereinbaren. Wenn man nicht die gesamte Summe am Ende bekommt, ist das Risiko niedriger und man kann schon vorab die Zahlungsmoral feststellen. Am Besten gleich mit Teilabnahme.
- Kommt die Abschlagszahlung nicht pünktlich (oder erfährt man schon vorher von schlechter Zahlungsmoral): Bauhandwerkersicherung (§ 648a BGB). Will der Kunde nicht: Kündigung und trotzdem noch Geld fordern.

1 Antwort
Das Handwerk in Essen hadert mit der Zahlungsmoral
von alex111 | #4-1

Mal als Tipp für die armen Handwerker:
- Abschlagszahlungen vereinbaren.
Genauso mache ich das auch.

04.01.2013
05:35
Handwerk hadert mit Zahlungsmoral
von alex111 | #3

Zu #2 und #1...mal nicht die Polnischen Hammerwerfer mit guten Handwerkern vergleichen, und Geiz ist nicht Geil.

03.01.2013
19:21
Handwerk hadert mit Zahlungsmoral
von KritischeBuergerin | #2

Ich beklage eher die Arbeitsmoral der Handwerker...

03.01.2013
19:08
Handwerk hadert mit Zahlungsmoral
von mc3hammer | #1

Vorschlag: Die fällige Rechnung genau so zügig überweisen, wie Kostenvoranschlag, Arbeitsaufnahme, Handwerkerarbeiten und ggf. Nachbesserungen erledigt wurden. Würde mich mal interessieren, was die Lobby der armen Handwerksbetriebe dazu sagt.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7445080/create

Umfrage
Die Stadt Essen geht konsequent gegen Schwänzer vor. Fehlen Schüler unentschuldigt, werden die Eltern oder die Schule selbst zur Kasse gebeten - mit beachtlichem Erfolg. Was halten Sie davon?

Die Stadt Essen geht konsequent gegen Schwänzer vor. Fehlen Schüler unentschuldigt, werden die Eltern oder die Schule selbst zur Kasse gebeten - mit beachtlichem Erfolg. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Star-Wars-Convention
Bildgalerie
Celebration Day
Pfingst Open Air
Bildgalerie
Festival
Abstiegskampf im Westen
Bildgalerie
Fußballl
5:1: Höchster Saisonsieg
Bildgalerie
Fußball
Aus dem Ressort
Feuer am Westendhof in Essen - niemand verletzt
Großeinsatz
Großeinsatz der Feuerwehr bei einem Brand in Essen: In einem metallverarbeitenden Betrieb im Westviertel ist heute Morgen ein Feuer ausbrochen. Der Einsatz dauert noch an. Verletzt wurde niemand. Über Ursache und Schaden gibt es noch keine Erkenntnisse.
Evag-Busfahrer beschimpft 74-Jährige die ganze Fahrt über
Nahverkehr
Schlechte Stimmung in Bus und Bahn: Christa Nobis (74) berichtet von einem Fahrer, der sie während der Fahrt beschimpft habe. „Ich hätte nicht alle Tassen im Schrank“, erinnert sich die Seniorin an eine seiner Aussagen. Der Ton sei ruppiger geworden, bestätigt die Evag – auch den Fahrern gegenüber.