Das Grugabad ist überall

Es bestehe aktuell „wahrlich kein Grund zur Aufregung“ hat Oberbürgermeister Reinhard Paß jetzt gesagt und damit für Verblüffung gesorgt. Viele Bürger empfinden das nämlich ganz anders: Die Franken-Kredite erweisen sich als Flop, die Stadionkosten explodieren, die Zulassungsstelle leidet unter chronischer Unterbesetzung und nicht mal der gewohnte Betrieb von Bus und Bahn kann gewährleistet werden. Aus solchen Nachrichten speist sich eine tiefe Verunsicherung der Bürger: Was kann sich diese Stadt noch leisten? Haben die Verantwortlichen die (Kassen-)lage noch im Griff?

In dieser Situation hat der Sparvorschlag, das beliebte Grugabad zu schließen, zwangsläufig für Aufregung gesorgt. Zumal er nicht von irgendeinem Phantasten geäußert worden ist, sondern von einer Beratungsfirma, die für die Gemeindeprüfungsanstalt tätig geworden ist. Also mit offiziellem Auftrag.

Selbstredend wird nicht alles eins zu eins umgesetzt, was einmal von amtlich bestellten Sparkommissaren notiert wurde. Am Ende entscheidet die Politik, wo gespart wird. Die Tatsache, dass hart gespart werden muss, kann freilich niemand mehr ignorieren.

Und wenn konkrete Vorschläge einmal in der Welt sind, kann man eine Debatte darüber nicht einfach vertagen. Zumal bereits fast alle Ratsfraktionen mit einem Bekenntnis zum Grugabad an die Öffentlichkeit gegangen sind. Allein die SPD laviert: Man müsse erst über die Bäderlandschaft im ganzen reden und ein neues Bäderkonzept erarbeiten.

Wie anders war das 2009: Da versprach die SPD im Wahlkampf vollmundig die Rettung des Freibads Hesse und scherte sich nicht darum, dass sie so den Masterplan Sport zerschlug. Der Slogan „Hesse ist überall“ verhalf auch SPD-Kandidat Reinhard Paß mit zum OB-Posten.

Als die Hesse-Rettung dann zum Kraftakt geriet, mag mancher das Wahlversprechen noch verteufelt haben. Und so ist es gut möglich, dass Paß in seinem jetzigen Amt nicht noch mal leichtfertige Versprechen geben mag. Aber die Spardebatte mit dem Hinweis stoppen zu wollen, dass erst alle Fakten auf den Tisch müssen, wird ihm nicht gelingen: Zum einen ist das Gutachten nicht mehr geheim, so dass man über die Fakten sofort reden könnte. Zum anderen erwarten die Bürger Antworten, nicht nur zum Grugabad und nicht erst nach der OB-Wahl.