Das Freibad-Soll ist halb erfüllt

Es hätte eines dieser Wochenenden werden können, die Schwimmmeistern das ungechlorte Wasser in die Augen treiben: 8.898 Besucher tummelten sich allein am Samstag im Grugabad, 10.000, so schätzt Kurt Uhlendahl von den Sport- und Bäderbetrieben, hätten es am Sonntag werden können – man weiß ja um die sommerlichen Anlaufschwierigkeiten am Beckenrand.

Aber dann kam der Sonntagvormittag, es kam das Wasser kübelweise von oben, und nichts war’s mit rekordverdächtigen Zahlen.

Dennoch zieht Uhlendahl nach der ersten sonnenverwöhnten Ferienwoche zufrieden Zwischenbilanz: Bis einschließlich gestern fanden knapp 150.000 Besucher den Weg in eines der fünf Essener Freibäder, das ist die Hälfte dessen, was sich die städtischen Sport- und Bäderbetriebe zunächst als Ziel gesetzt haben: „Ab 300.000 Besuchern ist das für uns ein guter Sommer.“

Halb gut also, und noch fünfeinhalb Ferienwochen Zeit, was Gutes draus zu machen. Die Chancen stehen nicht schlecht, auch wenn die subtropischen Temperaturen die Grugabad-Belegschaft an ihre Grenze bringen: Drei Kassen stehen dort zur Verfügung, aber bei dem Andrang „reicht die Warteschlange dennoch manchmal bis zur U-Bahn“, bedauert Uhlendahl.

Der Zulauf mag auch darin begründet sein, dass nach manchem Ärger in, an den und abseits der Schwimmbecken im Grugabad wieder Ruhe eingekehrt ist: Der neue Wachdienst, mit bis zu zwölf Kräften im Einsatz, hat die Lage im Griff, die Kameraüberwachung an den Kassen und auf dem Gelände scheint ihr Ziel nicht zu verfehlen.

Der Boom im Traditionsbad mag aber auch mit dem Umstand zusammenhängen, dass just zum Sommerstart im Kettwiger Mehrzweckbecken der Stöpsel gezogen werden musste: Das vorgefundene Leitungs-Leck wird nun nicht notdürftig gestopft, sondern im Zuge einer aufwendigen, eine Million Euro teuren Sanierung saniert. Gleichwohl fanden in der vergangenen Woche rund 13.700 Besucher den Weg ins südlichste Freibad. Manchem, so scheint’s, ist es derzeit selbst zum Schwimmen zu heiß.

So gibt’s auch keine Klagen im Freibad Dellwig („Hesse“), das trotz spürbar geschrumpfter Wasserfläche beinahe so gute Zahlen vorweisen kann wie das Freibad in der Oststadt: 12.600 gegenüber 13.600.

Kein Wunder, dass bei den Sport- und Bäderbetrieben ein leiser Optimismus aufkommt, man könne nach den desaströsen Zahlen des vergangenen Jahres mal wieder bessere Schlagzeilen produzieren. Bei den Besuchern liegt man derzeit um 64.700 über den Zahlen des gleichen Vorjahres-Zeitraums, bei den Einnahmen bedeutet dies ein Plus von immerhin fast 108.000 Euro.

Aber Uhlendahl mag lieber nicht zu große Erwartungen wecken, denn „als wir das im vergangenen Jahr getan haben, ging’s steil bergab“. Beim Wetter – und in der Folge auch bei den Besuchern. Am Ende landete man bei 195.207 Gästen.

Übrigens: Heute „erfasst im Nachmittagsverlauf von Westen her ein Tiefausläufer Nordrhein-Westfalen“, meldet der Deutsche Wetterdienst. Zum Glück sind die Freibäder früh geöffnet...