Das aktuelle Wetter Essen 18°C
Leiharbeit

Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen

16.11.2010 | 20:17 Uhr
Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen
Foto: Dennis Straßmeier/ WAZ FotoPool

Essen.Auf Druck des NRW-Arbeitsministers Guntram Schneider hin hat sich die Leitung des Universitätsklinikums in Essen beim Thema billiger Leiharbeit bewegt. Ab sofort soll keine Kraft mehr zu Dumpinglöhnen arbeiten.

Wenn am heutigen Mittwoch NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) die Personalversammlung des Uniklinikums besucht, dann bringt er frohe Kunde mit: Auch auf seinen Druck hin hat sich die Leitung des Universitätsklinikums nach jahrelangem Festhalten an billiger Leiharbeit bewegt - und will ab sofort keine Kraft mehr über die eigene Leiharbeitsagentur PSG zu Dumpinglöhnen beschäftigen.

Prof. Eckhard Nagel, Vorstandschef und Ärztlicher Direktor des Uniklinikums, begründete diese Entscheidung am gestrigen Dienstag damit, dass am Ende die Leiharbeits-Maßnahme der Uniklinik mehr Probleme machte als sie an Gewinn einbrachte. „Diese Regelung war zwar legal, hat aber zu Spannungen innerhalb unseres Betriebes geführt und war auch nicht dem Image der Uniklinik als attraktiver Arbeitgeber förderlich“, sagte Nagel.

„Unanständiger Arbeitgeber“

Schneider hatte die Klinik indirekt im Wahlkampf „unanständiger Arbeitgeber“ genannt und ihr als Arbeitsminister vorgeworfen, die Absicht des Leiharbeiter-Gesetzes zu missbrauchen, indem sie Stammbelegschaften systematisch ersetze.

Nun aber endet eine fast fünf Jahre lang währende Praxis, die das Klinikum nach eigenen Angaben angesichts des hohen Wettbewerbs- und Kostendrucks im Krankenhausmarkt eingeführt hatte.

Derzeit werden 323 nicht-ärztliche Kräfte im Labor, im Schreibdienst, als Fahrer, Sekretärin, Schreiner und OP-Besteck-Sterilisationsassistenten eingesetzt. Im Schnitt erhalten sie bei gleicher Tätigkeit wie die echten Uniklinik-Beschäftigten einen um ein Drittel geringeren Lohn, keine Betriebsrente und sechs Tage weniger Urlaub. „Dadurch wurden mehr Arbeitsplätze im Klinikum geschaffen“, sieht Nagel die einzig positive Folge der Leiharbeitspraxis.

Schritte in Richtung Tarifvertrag

Im Alltag gab es aber extreme Verwerfungen am Klinikum. „Die Leute, mit denen ich arbeite, verdienen das Doppelte, obwohl ich die gleiche Arbeit mache“, erzählt ein 31-jähriger, der OP-Instrumente desinfiziert. Die meisten der Leiharbeiter sollen nach Aussagen von Nagel im nächsten halben Jahr schrittweise einen normalen Arbeitsvertrag zu tarifvertraglichen Konditionen erhalten, allerdings schloss er einen Personalabbau nicht aus.

Personalratschefin Alexandra Willer geht davon aus, dass die Leiharbeitskräfte mit einem normalen Vertrag künftig rund 300 bis 400 Euro netto mehr im Monat verdienen.

Reinhold Keil, kaufmännischer Direktor des Uniklinikums, bezifferte die Mehrkosten durch die Aufgabe der Leiharbeit auf eine Million Euro pro Jahr. Dieses Geld müsse nun durch Kürzung der Sachmittel, durch eine effizientere Arbeit und durch Mehrerlöse erwirtschaftet werden.

Verdi-Fachmann Gereon Falck nannte die Entscheidung des Uniklinikums „beispielgebend für die Betriebe über Essen hinaus“. Dies sei ein Erfolg des Personalrats, der seinen Protest über fünf Jahre durchgehalten habe.

Peter Szymaniak

Facebook
 
Kommentare
17.11.2010
13:25
Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen
von Essener69 | #32

Als Nächstes dann bitte mal bei den Kliniken Essen-Mitte ansetzen.
Die machen mit ihrer debit GmbH genau dasgleiche, nämlich weniger Lohn für gleiche Arbeit.

17.11.2010
13:18
Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen
von fliegepuk | #31

#19
du hast den knall wohl auch nicht gehört. mit deiner hier präsentierten ausdrucksweise hast du dich ja selbst geoutet. du gehörst auch zu denen, die nix tun und denken, ohne die leiharbeit würdest du auch nen super job bekommen.
mich braucht keine firma bezahlen um meinen kommentar oben abzugeben. ich hab bei allbecon in neuss gearbeitet, wurde verliehen und hab nen jobangebot dadurch bekommen und das selbe auch bei der mano in duisburg. wer leistung bringt, für den lohnt sich auch ein presonaldienstleister. aber so wie du dich gibst (zitat: Hasse in Essen noch nich genug von deine Kollegen auf die Fresse bekommen?) wundert mich gar nichts. abgesehen davon, arbeite ich nicht im uniklinikum.

und das allheilmittel? gibts wohl nicht zu 100%, aber arbeitseinsatz und vernünftiges benehmen helfen auf alle fälle dabei.

17.11.2010
12:23
Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen
von wissenhilft | #30

@Freiheit-die-sie-glauben-zu-meinen
Was wollen Sie uns sagen? Dass wir lieber Pflegekräfte für Dumpinglöhne beschäftigen sollten, Ärzten ihr Einkommen (auf hohem Niveau) sichern sollen, damit die Beiträge stabil bleiben und insgesamt die Kosten nicht steigen?
Derartige Kurzsichtigkeit hat doch erst in die Misere geführt, gut bezahlte Arbeitskräfte zahlen auch mehr in die Sozialkassen, abgesehen davon wäre der Geldmangel im Gesundheitssystem viel weniger eklatant, wenn nicht gerade die Wohlhabenden sich immer weiter aus dem Solidarsystem herausziehen würden...

17.11.2010
11:13
Blockierter Kommentar.
von www.wissen-ist-gold.de | #29

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.11.2010
10:26
Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen
von Freiheit-die-ich-meine | #28

Ach ich vergaß! Die Ärzte verdienen zu viel, diese Säue! Also runter mit deren Mega-Gehalt! Klar! Dann können wir die Schreiner zum Tariflohn bezahlen.
.
.
.
Och, keine Ärzte mehr da? Alle in England oder Schweden oder Schweiz? Wieso das denn? Ach die kriegen dort mehr Geld? Mauer bauen!

17.11.2010
10:24
Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen
von Freiheit-die-ich-meine | #27

Juhu! Jubel! Alles in Butter! Guntram, Du hast es geschafft! Die pösen öffentlichen (!) Arbeitgeber machen keine Dumpinglöhne mehr! Toll!
.
.
.
Blöd nur, dass der Tagessatz des Klinikums nun um ca. 20-30% steigen wird und die Krankenkassen das nicht bezahlen werden. Tschüss Klinikum! Bist eh zu fett und schwerfällig!
.
Acho so! Der Professor gründet vielleicht gerade seine Privatklinik, wo er dann die Privatpatienten behandelt. Der Rest kann ja auch wegen Guntram Schneider auf den Fluren vergammeln!
.
Ja, Ja, jede Medaille hat zwei Seiten.

17.11.2010
09:35
Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen
von Etlam | #26

Na endlich mal eine gute Nachricht. Auch die Personalabteilung darf sich freuen - auf die anstehenden Bewerberwellen... :-D ;-)

17.11.2010
09:34
Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen
von Vanagas | #25

Damit alles correct läuft ist den Leiharbeitern am Klinikum der ersparte Millionenbetrag der vergangenen Jahre zurück zuzahlen .

Bei Mangstern und Bankstern geht es doch auch ganz geschmeidig !

17.11.2010
09:34
Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen
von hmm | #24

man muß leiharbeit nicht verbieten sondern nur angemessen bezahlen...was will man verlangen wenn man nur 7,50€ bezahlt, brutto versteht sich...für solches geld bekommt man kein vernünftiges personal....9,50€ wäre ein angemessener lohn für den anfang und für jeden...je nach quali gibt es dann mehr.....dazu weihnachtsgeld und urlaubsgeld und mindestens 25 tage urlaub.....aber nein die gewerkschaften sind stolz darauf das sie verträge aushandeln wo man nach abzug aller steuern noch zum amt muß damit man nicht in die tischkante beißen muß....schämt euch

17.11.2010
09:29
Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen
von nur mal so | #23

...sag ich doch ...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3953492/create

Aktuelle Fotos und Videos
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
30. Pfingst Open Air
Bildgalerie
Festivals
Aus dem Ressort
Jäger und Landwirte retten Rehkitze in Essen vor Heuernte
Rehkitz-Rettung
Für Kitze wird die Heuernte zur Lebensgefahr, wenn die Ricke sie im Gras abgelegt hat. Die tierschutzgerechte Frühmahd, wie Jäger die Kitz-Rettung nennen, ist im Laufe der Jahre mit ständig größer werdenden Landmaschinen und schneller fahrenden Traktoren immer wichtiger geworden.
Ruhrmuseum und Kinemathek zeigen alte Krupp-Filme
Krupp
Im Rahmen der Ausstellung „200 Jahre Krupp“ haben Ruhrmuseum und Kinemathek im Ruhrgebiet sieben Kinoabende auf Zollverein und in der Lichtburg mit Filmen von und über Krupp zusammen gestellt. „In dieser Fülle hat es das bisher nicht mal im Ansatz gegeben“, sagt Museumschef Heinrich Theodor Grütter.
Foto Text