Das Ende der Billiglöhne am Klinikum in Essen

Foto: Dennis Straßmeier/ WAZ FotoPool
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Essen.. Auf Druck des NRW-Arbeitsministers Guntram Schneider hin hat sich die Leitung des Universitätsklinikums in Essen beim Thema billiger Leiharbeit bewegt. Ab sofort soll keine Kraft mehr zu Dumpinglöhnen arbeiten.

Wenn am heutigen Mittwoch NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) die Personalversammlung des Uniklinikums besucht, dann bringt er frohe Kunde mit: Auch auf seinen Druck hin hat sich die Leitung des Universitätsklinikums nach jahrelangem Festhalten an billiger Leiharbeit bewegt - und will ab sofort keine Kraft mehr über die eigene Leiharbeitsagentur PSG zu Dumpinglöhnen beschäftigen.

Prof. Eckhard Nagel, Vorstandschef und Ärztlicher Direktor des Uniklinikums, begründete diese Entscheidung am gestrigen Dienstag damit, dass am Ende die Leiharbeits-Maßnahme der Uniklinik mehr Probleme machte als sie an Gewinn einbrachte. „Diese Regelung war zwar legal, hat aber zu Spannungen innerhalb unseres Betriebes geführt und war auch nicht dem Image der Uniklinik als attraktiver Arbeitgeber förderlich“, sagte Nagel.

„Unanständiger Arbeitgeber“

Schneider hatte die Klinik indirekt im Wahlkampf „unanständiger Arbeitgeber“ genannt und ihr als Arbeitsminister vorgeworfen, die Absicht des Leiharbeiter-Gesetzes zu missbrauchen, indem sie Stammbelegschaften systematisch ersetze.

Nun aber endet eine fast fünf Jahre lang währende Praxis, die das Klinikum nach eigenen Angaben angesichts des hohen Wettbewerbs- und Kostendrucks im Krankenhausmarkt eingeführt hatte.

Derzeit werden 323 nicht-ärztliche Kräfte im Labor, im Schreibdienst, als Fahrer, Sekretärin, Schreiner und OP-Besteck-Sterilisationsassistenten eingesetzt. Im Schnitt erhalten sie bei gleicher Tätigkeit wie die echten Uniklinik-Beschäftigten einen um ein Drittel geringeren Lohn, keine Betriebsrente und sechs Tage weniger Urlaub. „Dadurch wurden mehr Arbeitsplätze im Klinikum geschaffen“, sieht Nagel die einzig positive Folge der Leiharbeitspraxis.

Schritte in Richtung Tarifvertrag

Im Alltag gab es aber extreme Verwerfungen am Klinikum. „Die Leute, mit denen ich arbeite, verdienen das Doppelte, obwohl ich die gleiche Arbeit mache“, erzählt ein 31-jähriger, der OP-Instrumente desinfiziert. Die meisten der Leiharbeiter sollen nach Aussagen von Nagel im nächsten halben Jahr schrittweise einen normalen Arbeitsvertrag zu tarifvertraglichen Konditionen erhalten, allerdings schloss er einen Personalabbau nicht aus.

Personalratschefin Alexandra Willer geht davon aus, dass die Leiharbeitskräfte mit einem normalen Vertrag künftig rund 300 bis 400 Euro netto mehr im Monat verdienen.

Reinhold Keil, kaufmännischer Direktor des Uniklinikums, bezifferte die Mehrkosten durch die Aufgabe der Leiharbeit auf eine Million Euro pro Jahr. Dieses Geld müsse nun durch Kürzung der Sachmittel, durch eine effizientere Arbeit und durch Mehrerlöse erwirtschaftet werden.

Verdi-Fachmann Gereon Falck nannte die Entscheidung des Uniklinikums „beispielgebend für die Betriebe über Essen hinaus“. Dies sei ein Erfolg des Personalrats, der seinen Protest über fünf Jahre durchgehalten habe.