„Das Ansehen der Arbeitsagentur in der Stadt ist gut“

Torsten Withake wechselt vom Chefsessel der Arbeitsagentur Essen in die Regionaldirektion Düsseldorf.
Torsten Withake wechselt vom Chefsessel der Arbeitsagentur Essen in die Regionaldirektion Düsseldorf.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Torsten Withake war drei Jahre Chef der Arbeitsagentur und wechselt nun nach Düsseldorf. Im Interview zieht er Bilanz.

Essen.. Karrieresprung für Torsten Withake, Chef der Arbeitsagentur Essen. Mitte April wird er bei der Regionaldirektion in Düsseldorf als Geschäftsführer die Arbeitslosenversicherung übernehmen. Vor seinem Abschied sprach unsere Redakteurin Janet Lindgens mit dem 48-Jährigen über seine Essener Zeit.

Ihr Vorvorgänger war zehn Monate im Amt, Ihre Vorgängerin 18 Monate. Sie waren auch nur dreieinhalb Jahre Chef der Arbeitsagentur. Ist Essen ein Durchlauferhitzer für Karrieren in der Bundesarbeitsagentur?

Torsten Withake: Essen ist als Stadt natürlich interessant, sowohl als Arbeitsort für Kollegen als auch für die Arbeitsagentur selbst. Es entspricht aber in der Regel nicht der Geschäftspolitik der Bundesagentur für Arbeit, dass wir so kurz hintereinander die Geschäftsführung wechseln. Wenngleich es natürlich die Erwartung des Arbeitgebers gibt, dass Führungskräfte in mehreren Häusern tätig waren. Von außen kann das dann so wirken, dass Mitarbeiter schnell ausgetauscht werden. Aber dahinter steht immer ein Zweck.

Der in Ihrem Fall welcher ist?

Withake: Für mich ergibt sich die Chance, mich beruflich weiterzuentwickeln. Und mit Klaus Peters kommt ein Nachfolger, der Essen kennt und gute Möglichkeiten hat, bestehende Ansätze und Projekte weiter zu gestalten.

In welchem Zustand hinterlassen Sie die Arbeitsagentur Essen?

Withake: Das Ansehen der Arbeitsagentur in der Stadt ist gut. Auch die Zusammenarbeit mit Unternehmen und der Kommune. Das war damals im August 2011, als ich sie übernommen habe, etwas anders.

Sie spielen auf die Zeit an, als sich die Stadt entschloss, das Jobcenter selbst zu übernehmen und somit die Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsagentur aufkündigte.

Withake: Damals waren die Fronten verhärtet, die Zusammenarbeit eher schwierig. Das hat sich spürbar entspannt.

Ihnen wird die Vermittlerleistung zugeschrieben. Wie schwierig war das?

Withake: Mir ist es sicher leichter gefallen, da ich vorher ja Geschäftsführer im Jobcenter war und somit die Belange und die Akteure kannte. Vertrauen kann immer nur dann wachsen, wenn man eine gemeinsame Basis hat, auf der man zusammenarbeiten möchte und vielleicht auch eine gemeinsame Vergangenheit.

Wo arbeiten Agentur und Jobcenter heute zusammen, was vor drei Jahren so noch nicht denkbar war?

Withake: Wir haben sehr schnell die Zusammenarbeit im Bereich der Jugendlichen optimiert. Der Abbau der Jugendarbeitslosigkeit ist schließlich unser beider Ziel. Ein weiteres wichtiges Feld ist die Betreuung von Arbeitgebern. Denn da sollte es nicht zu einem ruinösen Wettbewerb kommen, sondern es muss beiden Behörden darum gehen, die Arbeitsplätze, die es in der Stadt gibt, möglichst gut zu besetzen.

In Ihrem ersten Jahr als Agenturchef gab es in Ihrem Verantwortungsbereich im Schnitt rund 6500 Arbeitslose, 2014 sind es sogar etwas mehr gewesen. Da sind Sie nicht vorangekommen.

Withake: Anhand der reinen Zahlen mag es nach wenig Bewegung aussehen. Doch das täuscht. Die Herausforderung besteht ja darin, Menschen so schnell wie möglich in Arbeit zu bringen. Wir haben deshalb viel stärker auf die Prävention Wert gelegt. Etwa 15 bis 20 Prozent derjenigen, die frühzeitig ihre drohende Arbeitslosigkeit bei uns anzeigen, werden erst gar nicht arbeitslos, weil sie unmittelbar eine Folgebeschäftigung finden. Auch danach sind wir schneller geworden. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit beträgt zirka 150 Tage. Allerdings, das will ich zugeben, waren wir hier auch schon besser. Wir hatten es zwischenzeitlich geschafft, 40 Prozent der Arbeitslosen in diesen 150 Tagen wieder in Beschäftigung zu bringen. Da kommen wir im Moment nur auf 38 Prozent. Das hat aber etwas mit dem wirtschaftlichen Umfeld zu tun. In den vergangenen Jahren gab es einen Einbruch bei den gemeldeten freien Stellen.

Unternehmen sagen, sie finden immer schwerer geeignete Mitarbeiter. Wie erleben Sie das?

Withake: Schwierig wird es immer dann, wenn die Unternehmen Mitarbeiter mit einer bestimmten Qualifikation suchen, dann aber immer noch etwas oben drauf packen. Ich werbe dafür, dass es nicht immer um Maximalforderungen und die ideale Topbesetzung gehen darf, vielmehr ist entscheidend, dass der Stellenbewerber zum Unternehmen passt und einfach nur einen guten Job macht.

Die Essener Wirtschaftsförderung hat ausgerechnet, dass Essen dynamischer wächst als viele andere Großstädte, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs erreichte 2014 einen neuen Rekord und trotzdem sinken die Arbeitslosenzahlen nicht, woran liegt das?

Withake: Das liegt an der Struktur der Arbeitsstellen, die hier angeboten werden. Es werden Hochqualifizierte gesucht, auch und gerade in den Konzernen. Das lockt natürlich auch viele Bewerber aus dem Umland. Das sieht man an der hohen Einpendlerquote.

Was bleibt also für Ihren Nachfolger zu tun?

Withake: Einmal geht es um das Thema demografischer Wandel. In den kommenden zehn bis 15 Jahren werden 20 Prozent der Belegschaft in den Essener Unternehmen ausscheiden. Und da stellt sich die Frage: Wie gelingt es, diese Lücke mit genügend Fachpersonal zu schließen? Das andere Thema ist die Frage, wie wir Schüler künftig auf die Berufsausbildung vorbereiten und wie wir für jeden einen Ausbildungsplatz finden.

Was werden Sie an Essen vermissen?

Withake: Ich habe es als große Stärke empfunden, dass hier gemeinsam an Themen gearbeitet wird. Bezeichnend ist eine gute Vernetzung. Manchmal sind wir jedoch nicht konkret geworden, wenn es um die zentralen Fragen ging: Wer kümmert sich um welches Projekt bis wann? Das könnte sich in Essen in Zukunft bestimmt noch verbessern.