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Denkmalschutz

Darf man das abreißen?

12.02.2010 | 10:58 Uhr
Darf man das abreißen?

Essen. Zwei aktuelle Abriss-Pläne im Norden und Süden der Stadt, die kontrovers diskutiert werden, weisen derzeit deutlich die Grenzen des Denkmalschutzes auf. So wird zum Beispiel eine Villa in Bredeney aus dem Jahr 1923/24 abgerissen, um Platz für ein viergeschossiges Wohngebäude zu machen.

Zwei aktuelle Abriss-Pläne im  Norden und Süden der Stadt, die kontrovers diskutiert werden, weisen derzeit deutlich die Grenzen des Denkmalschutzes auf. Beispiel Bredeney: Nachbarn und Stadtteil-Politiker sind aufgebracht - in der Straße „Hohe Buchen“, in bester Lage, soll eine alte Villa, Baujahr 1923/24, dem Erdboden gleichgemacht werden.

Auf dem 2300 Quadratmeter großen Grundstück stehen außerdem alte Buchen und Platanen. Auch ihre Tage sind gezählt, denn der Essener Bauträger „Adams und Partner“ hat das Gelände gekauft. Im Frühjahr soll mit der Errichtung eines viergeschossigen Wohnhauses begonnen werden - mit 17 Einheiten, die als hochwertige Eigentumswohnungen veräußert werden sollen. Preisbeispiel: 150 Quadratmeter im ersten Geschoss kosten 460 000 Euro.

"Viele Wohnungen vorreserviert"

„Die Vertriebsphase hat noch gar nicht begonnen, und trotzdem sind schon viele Wohnungen vorreserviert“, berichtet Wolfgang Morgenroth, Geschäftsführer von „Adams und Partner“. Er will Bedenken der Nachbarn zerstreuen: „Die bauliche Höhe des Objekts orientiert sich direkt an den Nachbarhäusern. Wir benötigen in Essen hochwertigen, großzügigen Wohnraum, der Bedarf ist da.“

Makler Detlef van der Meulen pflichtet Morgenroth bei: „Um ein stimmiges Ergebnis zu erzielen, wird mit viel Know-How das richtige Gebäude an der richtigen Stelle errichtet.“ Die Dame, die noch in der Villa wohnt, soll ebenfalls in den neuen Komplex umziehen. Nachbarn befürchten: Wenn das komplette Grundstück wie geplant bebaut wird, kommt es zu Enge und Verkehrsnot.

Die Villa steht nicht unter Denkmalschutz. Vertreter des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege und der städtischen Denkmalbehörde haben das Objekt genau untersucht.

„Im Innern sind starke Veränderungen vorgenommen worden. Außerdem gibt es genügend andere Objekte in Essen, die den Baustil jener Zeit repräsentieren und unter Denkmalschutz stehen“, erklärt die Leiterin des Denkmalamts, Petra Beckers. Die Kritik von Anwohnern, ein Neubau würde den Charme des Villenviertel beeinträchtigen, will Petra Beckers nicht gelten lassen: „Direkt gegenüber dem Neubau-Vorhaben gibt es bereits einen Neubau, der auch aus Eigentumswohnungen besteht.“

Steinerner Zeuge der Kohlenzeit

Beispiel Altenessen: Jahrelang versuchten Architektur-Fans, eine Industriehalle zu retten - auf dem Gelände der Zeche „Fritz Heinrich“ (stillgelegt 1972) gehört sie zu den letzten steinernen Zeugen der Kohlenzeit. Eine gigantische Elektrowerkstatt, 93 Meter lang, errichtet von berühmten Männern: Fritz Schupp und Martin Kremmer hatten die Halle 1938 gebaut - es sind die Architekten, die zwischen 1928 und 1932 auch Schacht 12 auf Zollverein bauen ließen, das heutige Wahrzeichen von Industriekultur, Ruhrgebiet und Kulturhauptstadt.

Pläne, die Halle in Ateliers und Wohnräume umzubauen, gab es längst. Ob die mehreren Millionen Euro, die nötig waren für die Pläne, jeweils zusammengekommen wären, blieb aber offen - jetzt steht fest: Die Halle wird abgerissen. Ein Finanzdienstleister will Büros errichten. Somit wird es auf der ehemaligen Brache „Fritz Heinrich“ bald so aussehen wie überall.

Jedoch: Ernsthafte Absichten, die Halle unter Denkmalschutz zu stellen, hat es wohl nie gegeben - der zuständigen Behörden liegt kein Antrag vor.

Martin Spletter

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