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Dabei sein ist alles

09.01.2013 | 06:00 Uhr
Dabei sein ist alles
Anstehen fürs große Krisentreffen: Rund 18.000 Menschen arbeiten im „Konzern Stadt“, viele von ihnen kamen zur ersten übergreifenden Betriebsversammlung in die Grugahalle.Foto: André Weigel

Essen.  Bei  der  Mammut-Betriebsversammlung  der  Stadt  erfuhr die  Belegschaft wenig  Neues, aber  viel  Zusammenhalt.

Er wolle möglichst schnell wieder gehen, sagt der Mann in den Freizeitklamotten, der sich einen Sitzplatz nahe des Ausgangs gesucht hat. Eigentlich habe er Urlaub, müsse einiges am Haus tun, und überhaupt: „Ich weiß doch eh, was die da vorne erzählen.“

Als die Essener Philharmoniker zwei Stunden später das Steigerlied spielen, ist der Mann immer noch da. Ein paar Reihen weiter vorne ziehen die ersten Evag-Fahrer ihre dunkelblauen Jacken an und verlassen den Saal. Es geht zurück an die Arbeit nach einer Betriebsversammlung, bei der die Beschäftigten von Stadt und städtischen Töchtern zwar kaum neue Töne vernommen, aber immerhin – so das vorherrschende Gefühl – die nötige Präsenz gezeigt haben.

Mancher Altrocker hat hier schon vor weniger Publikum gespielt

Aus dem Rathaus und aus Bürgerämtern, aus Kindergärten und Schwimmbädern, aus Geschäftsbüros, Werkstätten und in manchem Fall eben auch von zu Hause sind sie am Vormittag in die Grugahalle gekommen, um dem ersten übergreifenden Belegschaftstreffen des „Konzerns Stadt“ beizuwohnen. Der Parkplatz der Grugahalle gleicht einem riesigen Betriebshof, Mitarbeiter von Müllabfuhr und Stadtwerken haben ihre schweren Arbeitsgefährte mitgebracht und vor der Tür geparkt. Rund 18.000 Konzernbeschäftigte waren geladen, viele von ihnen wollten dabei sein. Mancher Altrocker hat an der Norbertstraße jedenfalls schon vor deutlich weniger Publikum gespielt.

Die Kulisse soll Eindruck machen. Sie soll „ein Signal setzen, das in anderen Städten aufgegriffen wird“, heißt es zum Auftakt des Treffens, für das Verdi-Chef Frank Bsirske als Hauptakteur verpflichtet worden war. Doch wer vom Gewerkschaftsboss eine zünftige Haudrauf-Rede erwartet hatte, wird enttäuscht. Unaufgeregt und mit vielen Zahlen kommt Bsirskes Vortrag daher, in dem er den „Kolleginnen und Kollegen“ noch einmal das ganze Elend der kommunalen Unterfinanzierung darlegt. Aus eigener Kraft könnten Städte wie Essen der Misere nicht Herr werden und auch der „Stärkungspakt “ des Landes sei in seiner jetzigen Form keine Lösung.

Der Tenor der einstündigen Rede ist nachzulesen auf dem Banner, das Gewerkschafter schon zu Beginn der Versammlung ausgerollt haben: „Reichtum umverteilen.“ Letztlich, so Bsirske, helfe nur eine stärkere Besteuerung von Vermögen und hohen Einkommen, Deutschland sei heute geradezu eine Steueroase. Bei diesem Stichwort kommen auf den Rängen auch die Trillerpfeifen mal zum Einsatz, die sonst eher stumm bleiben. Am meisten Zuspruch gibt es noch für Bsirskes Seitenhieb auf die Stadt und den Stadionneubau, dessen Angemessenheit er in Frage stellt.

OB Paß fordert mehr Flexibilität – „Noch mehr?“, murmelt ein Zuhörer

Da hatte Oberbürgermeister Reinhard Paß seinen Gastauftritt vor der Riesen-Versammlung bereits absolviert. Artiges Klatschen zum Dank für die Neujahrswünsche des OB an die Mitarbeiter und ihre Familien, Kopfschütteln dagegen über seine folgende Kritik an der Terminfindung. Er verspüre „Irritation und ein leichtes Gefühl von Konfrontation“ angesichts der Tatsache, dass die Betriebsräte das Datum ohne Absprache mit seinem Büro gewählt hätten. Für leisen Unmut im Saal sorgt auch die Forderung des obersten Dienstherren nach mehr Flexibilität. „Noch mehr?“, murmelt der Mann in der hinteren Reihe, der eigentlich schon längst wieder zu Hause sein wollte.

Am Ende hebt er sogar noch die Hand für die vorbereitete Resolution. Stopp des Personalabbaus, vertretbare Arbeitsbedingungen, Reform der Gemeindefinanzierung. Das Übliche halt. Dann nimmt auch er seine Jacke und steuert Richtung Ausgang.

Resolution der Mitarbeiter im Konzern Stadt Essen

(...) Mit wenigen Ausnahmen sind alle Kommunen in NRW in der Haushaltssicherung. (...) Daraus resultiert ein Druck zur Ausgabensenkung, dem wie in unserer Stadt in der Regel durch Abbau von Arbeitsplätzen nachgegeben wird. Zeitgleich erreicht ein Drittel der Beschäftigten(...) bis 2020 die Altersgrenze. Wahrnehmung und Arbeitsbedingungen öffentlicher Dienstleistungen sind gefährdet. Wir erwarten den Stopp des Personalabbaus.

(...) In der Verwaltung und kommunalen Betrieben stehen Finanzfragen inzwischen vorrangig vor Fragen zur Aufgabenerfüllung. Umfang und Qualität öffentlicher Dienstleistung können wir, die Beschäftigten der Stadt und ihrer Gesellschaften, unter diesen Bedingungen nicht mehr leisten. (...) Wir fordern die umfassende Reform der Gemeindefinanzierung und Schaffung eines Altschuldenpools für Kommunen. Nur so können öffentliche Dienstleistungen gesichert und vertretbare Arbeitsbedingungen in den Kommunen wieder hergestellt werden. Wir fordern den Rat, die Landesregierung und alle Parteien auf, den öffentlichen Dienst für die Zukunft zu sichern.

Helen Sibum

Kommentare
09.01.2013
19:53
Bsirske das Phrasenschwein
von martinff | #11

...Herr Bsirske ist doch einfach nur noch lächerlich und ermüdent, mit seinem pauschalen "Umverteilungsgelaber". Irgendwann geht niemand mehr...
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2013-01-09 06:00
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