Das aktuelle Wetter Essen 4°C
Kunst-Ausstellung

Comic-Ausstellung an Uni Duisburg-Essen sorgt für Eklat

28.06.2013 | 06:00 Uhr
Comic-Ausstellung an Uni Duisburg-Essen sorgt für Eklat
"What Comics can do!" – so hieß die Schau, an der viele Wochen niemand Anstoß nahm. Jetzt ist die Ausstellung abgebaut, zu sehen ist nur noch das Plakat, das auf die Veranstaltung hinweist. lFoto: Klaus Micke

Essen.  Plakat-Eklat an der Uni Duisburg-Essen: Weil in einer Comic-Ausstellung Sex-Szenen und das Wort "Allah" nebeneinander zu sehen waren, fühlte sich eine muslimische Studentin in ihrer Ehre verletzt. Sie beschwerte sich, zerstörte ein Plakat. Dann wurde die Ausstellung früher als geplant beendet.

An der Uni ist eine Debatte über den Umgang mit religiösen Gefühlen von muslimischen Studierenden entbrannt. Mehr als jeder dritte Student der Uni Duisburg-Essen kommt aus einer Familie mit Einwanderungsgeschichte .

Anlass für die Kontroverse ist eine Kunst-Ausstellung im Foyer der Bibliothek. Sie war bereits am 23. Mai eröffnet worden. Anglistik-Studenten hatten sich mit der literarischen Gattung „Graphic Novel“ beschäftigt. Als „Graphic Novels“ werden künstlerisch hochwertige Comics bezeichnet, die vor allem gesellschaftliche Probleme thematisieren. Die Studenten hatten Collagen entworfen. Dabei waren auch Bilder aus dem populären Orient-Comic „Habibi“ verwendet worden.

Anstößige Teile herausgeschnitten

Das Buch des US-Künstlers Craig Thompson, erschienen 2011, steht weder bei Experten noch bei Laien im Verdacht, orientfeindlich zu sein. Es ist überall zu kaufen. Doch in der Ausstellung wurden auch Bilder verarbeitet, die Sex-Szenen zeigen. Daneben war als Collage das Wort „Allah“ in kalligraphischen Schriftzeichen gesetzt worden. Das alles war mit einem englischsprachigen, erklärenden Text versehen worden.

Die Darstellung hat jedoch eine muslimische Studentin so erzürnt, dass sie sich beim Bibliothekspersonal mehrfach beschwerte – und dann, Anfang der Woche, das Bild eigenhändig abnahm und Teile, die sie als anstößig empfand, mit einem Messer herausschnitt.

Keine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema

Man beschloss an der Uni, die Ausstellung, die ohnehin an diesem Wochenende enden sollte, vorzeitig abzubauen. „Als Schutz für die Angestellten der Bibliothek, es war zwischenzeitlich eine sehr erhitzte Stimmung“, heißt es. Von einer möglichen Anzeige wegen Sachbeschädigung habe man abgesehen.

Die aktuelle Ausgabe der AStA -Zeitung „akduell“ zitiert Ali Nuhi, den Vorsitzenden des Islamischen Studierendenbundes: Es sei nicht um den Inhalt des Buches gegangen, sondern lediglich um die „beleidigende Darstellung“. Den AStA hingegen erfüllt das vorzeitige Ende der Schau „mit Sorge und Erstaunen“, heißt es in einer Mitteilung: „Wir bedauern das Abhängen der Bilder ohne weitere Auseinandersetzung mit dem Thema“, sagt die designierte, neue AStA-Chefin Julia Wenzel.

Rektor Ulrich Radtke betont derweil, dass „selbstverständlich auf religiöse Gefühle Rücksicht genommen werden“ müsse. Aber: „Es entspricht dem Wesen des wissenschaftlichen Diskurses, auch gegensätzliche Standpunkte auszuhalten.“ Anglistik-Professor Frank Pointner, dessen Seminar die Schau erstellt hatte, beklagt, dass Kritiker „nie“ mit ihm die Diskussion gesucht hätten: „Ich wäre offen für jedes Gespräch gewesen.“

Martin Spletter



Aus dem Ressort
Hooligan würgt Polizisten - Haft wegen versuchten Totschlags
Gewalt
Die Bundespolizei spricht von einer "neuen Qualität der Gewalt": Ein Hooligan aus der Fanszene von Fortuna Düsseldorf hatte einen Beamten am Essener Hauptbahnhof bewusstlos gewürgt. Eine Mordkommission ermittelt. Am Freitag schickte ein Richter den 22 Jahre alten Beschuldigten hinter Gitter.
Auf nach Essen! Aktionsbündnis Pro 105 gegründet
Aktionsbündnis
In Oberhausen gründeten Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Vereinen eine Werbekampagne für den Ausbau der Linie 105 nach Essen.
Nach drohendem Tagesbruch – Westfalenstraße wieder frei
Bergbauschäden
Am vergangenen Freitag wurde die Westfalenstraße in Essen-Steele gesperrt, weil ein Tagesbruch drohte. Am Samstag wird Vollsperrung wieder aufgehoben – zunächst sind nur zwei der vier Spuren für den Verkehr frei. Ab Dienstag gibt es weitere Bodenuntersuchungen.
Die Polizei erwischte im Essener Nordviertel Autoknacker
Autoknacker
Ein Autoknacker hatte Freitagnacht im Essener Nordviertel gerade eine Fahrzeugscheibe mit dem Hammer eingeschlagen, als zwei Polizisten ihn ertappten. Der Täter hatte es auf das Navi abgesehen, stattdessen klickten für ihn die Handschellen. Er ist der Polizei bereits zuvor bei Delikten aufgefallen.
Der Enkeltrick – Gerichtsverhandlung macht Struktur deutlich
Prozess
Niederträchtig, gemein: Der Enkeltrick, dem hoch betagte Senioren zum Opfer fallen, empört immer wieder die Menschen. Am Freitag begann vor dem Landgericht Essen ein Prozess gegen drei Angeklagte, die an den Betrügereien mitgewirkt haben. Freundlich geben sie sich.
Umfrage
Die Bezirksregierung hat einen Baustopp für Teile Rüttenscheids, Bredeney und Stadtwald erlassen, weil die Entwässerung dieser Gebiete laut Behörde unzureichend ist. Wie beurteilen Sie die Situation?

Die Bezirksregierung hat einen Baustopp für Teile Rüttenscheids, Bredeney und Stadtwald erlassen, weil die Entwässerung dieser Gebiete laut Behörde unzureichend ist. Wie beurteilen Sie die Situation?