Colosseum-Mitarbeiter kämpfen für ihre Zukunft
10.03.2010 | 19:19 Uhr 2010-03-10T19:19:00+0100
Essen. Einen Monat nach Verkündung des Aus für den Musicalstandort Colosseum in Essen ist bei den Mitarbeitern der Schock dem Kampfgeist gewichen. Sie haben schon 5000 Unterschriften gesammelt, für eine Fortführung des Musicalbetriebes.
Die Mitarbeiter des Colosseums in Essen kämpfen für ihre Zukunft. Sie haben 5000 Unterschriften gesammelt, für eine Fortführung des Musicalbetriebes. Doch am 31. Juli wird damit Schluss sein. Das hat Stage-Chef Johannes Mock-O’Hara inzwischen nochmals bekräftigt.
Stage will aber am Colosseum festhalten und arbeitet nach eigenen Angaben an neuen Nutzungskonzepten. „Wir führen Gespräche mit verschiedensten potenziellen Ideengebern und prüfen alle realistisch machbaren Optionen“, sagt Stage-Sprecher Stephan Jäkel. Aber man sei noch in der Findungsphase: „Dies wird aller Voraussicht nach noch einige Zeit in Anspruch nehmen - das Thema ist ja überaus komplex.“ Wie vielen Mitarbeitern neue Nutzungen auch Arbeit sichern wird, ist deshalb ungewiss. Immerhin: Noch ist keine Kündigung verschickt.
Fans und Mitarbeiter suchen trotz der Absage aus Hamburg nach Möglichkeiten, Essen als Musicalstadt zu halten. Auf der Webseite von Facebook wurde die Gruppe „Für den Erhalt des Colosseums - Ort der Kunst, Kultur und Musik“ gegründet. Wenige Stunden später hatten sich 400 Mitglieder angemeldet.
Falsche Produktionen und überteuerte Kartenpreise
Die Mitarbeiter planen außerdem einen Tag der offenen Tür. „Wir möchten hiermit der Bevölkerung nochmal das Theater zeigen und ein bisschen Werbung machen“, so Stage-Managerin Stefanie Simons. Werbung, die die Mitarbeiter für die Essener Produktionen in den letzten Jahren vermisst haben.
Das Ergebnis haben die Mitarbeiter mit eigenen Augen verfolgen können. „Man merkt ja, was hier los ist beziehungsweise nicht los ist. Die Zeiten, an denen das Haus jeden Abend rappelvoll ist, wie damals zu Elisabeth, sind schon lange vorbei“, so Bühnentechniker Carsten Wollscheidt, der seit Anfang an dabei ist. Falsche Produktionen, die nicht zum Standort passen, und überteuerte Kartenpreise - das sehen Wollscheidt, Simons, Vollmert und die anderen rund 120 Kollegen als Grund für das Ende.
Ein Solidaritäts-Andrang der Musicalfans ist an den Kassen des Colosseums bisher ausgeblieben.Die Auslastung der „Buddy“-Shows bleibt bescheiden bis auf Ausnahmen wie etwa die Show am Sonntagabend. Konzern und Mitarbeiter hoffen auf einen Abschieds-Boom unter dem Motto: Besucht das Colosseum, so lange es noch geht.
„Mit unseren Aktionen wollen wir jedenfalls nochmal alles versuchen. Wir geben uns nicht einfach so geschlagen. Ich möchte hier nicht an meinem letzten Arbeitsplatz mein Büro räumen, ohne nicht alles versucht zu haben“, erklärt Stefanie Simons und appelliert damit an die Bürger, auf dessen Unterstützung sie zum Erhalt des Colosseums hofft.
18:37
@ 23
Da können ja einige höheren Herrschaften einfach mal auf Teile ihres Gehaltes verzichten, dann klappt das schon......
18:28
Von einer Schließung des Aalto-Theaters ist keine Rede. Die TuP soll nur eine Menge Geld sparen (wie jeder andere Zweig der Stadt Essen auch). allerdings ist die Summe so hoch, daß (Zitat Intendant) dies nur zu bewerkstelligen ist, wenn man das Aalto-Theater komplett schließt.
Das heisst aber noch lange nicht, daß dies geschieht.
16:07
@Dirtyoldman, ich befürchte, es bleibt bald nur noch das Auswandern. Nicht nur weil jetzt auch noch das Aalto-Theater geschlossen werden soll. Wenn ich mich jetzt hier in Essen so umgucke, seit der Eröffnung des Einkaufszentrums ist die Innenstadt auch gerade nicht mehr wirklich atraktiv, von den ganzen anderen Einrichtungen in Essen wie Schwimmbädern etc. zu schweigen.
15:37
Ich kann mich DirtyOldMan (Eintrag #15) nur anschließen.
Die hohen Herren in den Nadelstreifen-Anzügen in Hamburg bekommen warscheinlich auch noch eine Prämie dafür, daß nun 120 Mitarbeiter entlassen werden und das Haus zu (schätzen wir mal) 75% des Jahres leerstehen wird.
Auch ich sehe den Grund des Untergangs des Colosseums in den falschen Stücken und den teuren Ticket-Preisen.
15:18
@ 17 & 18
ICH habe keine Probleme mit Musicalkünstlern die nicht jeder kennt, dafür bin ich zu sehr mit der Musikszene verbunden. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Masse der gelegentlichen Musicalbesucher, insbesondere bei eher unbekannten oder speziellen Inszenierungen durch bekannte Namen angelockt werden.
Warum war Biolek der Erzähler in Spamelot, oder sind Ochsenfrosch und die unsägliche Meite Kelly im Ensemble von Hairspray?
Gildo Horn war beim Geist der Weihnacht und Ingolf Lück bei Die Schöne und das Biest Lockvogel.
Selbstverständlich gibt es brillante Künstler die eigentlich nur Insider kennen, aber für stolze Preise, erwarten die Meisten auch bekannte Stars.
Schließlich kann man im Aalto zu den Preisen vom Colosseum, zweimal „ganz großes Kino“ hören und sehen.
15:03
Das Gesetzt der Marktwirtschaft. Kein gutes Produkt, keine Kunden. Zweitklassige Musicals für Premium Preise erklären den Erfolg des Colloseums von selbst.
14:03
@15, das die Nachfrage nach Musicals sehr groß ist, beweisen auch die Stadttheater bundesweit beispielsweise mit South Pacific in Kassel, Evita in Dortmund und Magdeburg. Die meisten Darsteller sind keine No Names, nur halt außer bei Musicalfans nicht so bekannt. Ich meine das nicht abwerten,den meisten ist vielleicht nur der Name Uwe Kröger ein Begriff, der in Elisabeth und als Phantom im Colosseum zu sehen war. Es sind auch aber sehr viele Folkwang-Absolventen dabei, die an den Stadttheatern verpflichtet werden, wie Serkan Kaya etc. oder auch international bekannte Musicalstars wie Drew Sarich (Evita Magdeburg) oder auch Andreas Bieber, bekannt geworden durch Joseph in Essen und war auch am Aalto-Theater zu sehen. Nur kennen die meisten außerhalb der Musicalszene wirklich guter Darsteller den Namen leider nicht und deshalb sind es für No Name Darsteller
13:31
@15 Soweit alles zustimmend, ausser:
>Buddy:
eine langweilige Inszenierung<
Langweilig war wenn die Rathaus-Theater Aufführung...in Hamburg war die Stimmung super, aber die Deko langweilig...in Essen stimmt die Deko, jedoch mag nicht soooooo viel Stimmung aufkommen (wenn dann eher bei La Bamba oder beim Big Bopper).
>Wieder einmal No Name Darsteller<
ist kein Kriterium für ein gelungenes Musical.
No Name Darsteller legen sich viel eher ins Zeug und reissen den Besucher viel mehr mit, Musical-Stars (wenn es sowas ernsthaft betrachtet überhaupt gibt) denken sich bei ihren Auftritten eh nicht viel, seiern ihre Parts runter, getreu dem Motto: Ich bin ja so toll, warum soll ich mich anstrengen?
12:48
#15:
Ich schließe mich Ihnen hat, Sie haben es treffend formuliert!
Dass das Personal natürlich alles tun will, um den Theaterbetrieb zu retten, kann ich verstehen, wird aber erfolglos bleiben. Aber die Eigentümer des Collosseums wollen lieber mit einmaligen großen Abend-Events (wie zum Beispiel Betriebsfesten für DAX-Konzernmitarbeiter) und entsprechend einmal eingestellten Mitarbeitern vieeel Geld einsammeln.
Das klappt auch, hat aber keine Signalwirkung für die Kultur. Geld ist halt wichtiger.
12:33
Absolute Solidarität mit den Mitarbeitern des Colosseums. Schon wieder werden fleißige Menschen Opfer der „Nieten in Nadelstreifen“.
Ein Management, das im günstigsten Fall geeignet ist, einen Kinderchor in einem Seniorenheim zu promoten, fährt einen beispiellosen Musicalstandort vor die Wand und die Mitarbeiter müssen den Kopf dafür hinhalten.
Nach Elisabeth hat die Stage Entertainment offenbar angenommen, das Ruhrgebiet ist eine Goldgrube, in der man mit mieser Qualität den großen Reibach machen kann.
AIDA war ein wunderbares modernes Musical, doch die Stars der ersten Spielzeit, waren bestenfalls dritte Wahl. Als Judith Leveber und Bernhard Forcher der Show in der zweiten Spielzeit zum verdienten Glanz verhalfen, war der Ruf bereits ruiniert.
Die Reaktion der „Macher“, das in Hamburg bereits völlig ausgelutschte „Phantom der Oper“ musste herhalten um mit Hauptdarstellern die Wenige kannten und Niemand brauchte, sang und klanglos unter zu gehen.
Obwohl bereits mit der Essenerin Florence Kasumba bei AIDA gescheitert, wollte man mit dem gebürtigen Essener Thomas Borchert Lokalpatriotismus schüren. Aber, obwohl Borchert der wahrscheinlich beste „Graf von Krolock“ im „Tanz der Vampire war, kannte ihn hier kein Mensch. Dem entsprechend war der Erfolg beim Kartenverkauf. Lediglich der deutschlandweit bekannte und beliebte Uwe Kröger brachte für ein paar Wochen frischen Wind in die Colosseumkasse.
Anstatt aus diesem Flop zu lernen, wurde nun das perfekte Chaos inszeniert.
Michael Rohde, inzwischen PR Manager der Stage Entertainment, hat hautnah miterlebt, wie in den im Schatten des Colosseums stehenden Weststadthallen, die „Stars in Concert“, in die Pleite rasten.
Eines der wirklichen Highlights dieser erfolglosen Shows war die ABBA Story. Aber trotz einer gelungenen Inszenierung und begeisternden Darstellern, waren den Ruhries offenbar rund 50 € für eine Covershow zu viel.
Ungeachtet dieser Pleite, brachte die Stage Entertainment „Mama Mia“, ABBA auf Deutsch.
Dass nur wenige bereit waren für diese Show das Doppelte zu zahlen wie für das gescheiterte „Stars in Concert“ Projekt, hätte selbst dem größten Deppen einleuchten müssen, zumal „Mama Mia“ wie das Phantom, bereits in Hamburg bis zu Erbrechen abgedudelt war.
Dann der Brüller: „Ich will Spaß“ die Weltpremiere!
Nüchtern betrachtet eine Show mit einer einfallslosen Story, absolut unbekannten, völlig durchschnittlichen Künstlern und 08/15 Lalla aus den frühen 80er Jahren.
Das für so einen Kokelorus, den kaum Jemand und garantiert Niemand zum zweiten Mal brauchte, Geld ausgeben würde, war eigentlich logisch.
Last but not Least der Türschließer „Buddy“. Erneut eine Covershow, die jahrelang in Hamburg und sogar wiederholt im Rathaustheater in Essen gastiert hat.
Wieder einmal No Name Darsteller und eine langweilige Inszenierung.
Wen soll diese Show eigentlich ansprechen? Menschen die zu Buddys Zeiten gerockt haben sind inzwischen über 70. Jüngere finden vielleicht „Peggy Sue“ ganz pfiffig, aber sonst?
Für so etwas Banales bis zu 90 € für 2 Stunden ausgeben?
Dafür gibt es Tokio Hotel, Rammstein oder Kevin Kostner Live.
Die Stage Entertainment glaubt offenbar, wir Menschen im Ruhrgebiet leben in dunklen, kalten, verstaubten Flözen und sind gern bereit, für jeden Mist den man ihnen vorsetzt viel Geld auszugeben.
Offenbar haben die Macher noch nicht begriffen, dass im Aalto und der Philharmonie, für vergleichsweise kleines Geld, Musik auf höchstem Weltniveau geboten wird.
Hiergegen zu konkurrieren war eine Herausforderung, bei der die Verantwortlichen kläglich versagt haben.
„Starligt Express“ beweist seit Jahrzehnten, dass Musicals im Ruhrgebiet funktionieren wenn auf der Bühne ein optimales Preis- Leistungsverhältnis geboten wird. Aber um Geld für langweilige Tingeltangelshows auszugeben, muss ein echter Ruhrie viel zu hart arbeiten.
Nur ist es entsetzlich, dass Unfähig und Arroganz der Stage Entertainment gegenüber dem Standort Essen, viele, sicher nicht wirklich hoch bezahlte aber engagierte Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit treibt.