Cocktail-Taxi - der Trend zum Caipirinha aus dem Kofferraum

Online bestellt, und nur wenig später werden die Cocktails von Enyonam Sefouh und seinen Mitarbeitern zubereitet.
Online bestellt, und nur wenig später werden die Cocktails von Enyonam Sefouh und seinen Mitarbeitern zubereitet.
Foto: Volker Hartmann / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Cocktails in der Bar bestellen war gestern. In vielen Städten liefern Taxis die Erfrischung nach einer Online-Bestellung. Geshaked wird dann vor Ort.

Essen.. Das neue Partyoutfit: online bestellt. Die Pizza für den Abend: online bestellt. Eine Vinyl für die Stimmung: online bestellt. Fehlt nur noch ein erfrischender Cocktail. Und auch das lässt sich mittlerweile im Netz bestellen. Das Stichwort ist: Cocktail-Taxi. „Wir kommen mit unserer mobilen Bar vorbei und shaken den Cocktail frisch vor Ort“, erklärt Enyonam Sefouh das Konzept des Start-Ups „My Cocktail-Taxi“.

2011 gründete der 32-Jährige das Unternehmen in Wuppertal mit zwei VW-Caddys und einem Angestellten. Mittlerweile hat Sefouh 25 Mitarbeiter, die mit 17 Fahrzeugen durch die Innenstädte von Wuppertal, Essen, Düsseldorf, Remscheid und Ronsdorf fahren. „Ambiente können wir zwar nicht liefern, aber dafür Cocktails direkt ins Wohnzimmer. Und zwar für einen besseren Preis als in den meisten Bars“, sagt der Jungunternehmer.

Verschiedene Anbieter im Ruhrgebiet unterwegs

Die Idee für dieses Projekt kam Enyonam eines Nachts, als er im Bett lag. Er war Angestellter in einer Bar und ärgerte sich über die dortigen Strukturen. „Wir mussten 15.000 Euro Miete zahlen, und die Vermieterin beschwerte sich zudem noch über lächerliche Kleinigkeiten. Da dachte ich mir: Ich packe einfach eine Bar ins Auto und erspare mir solche Probleme.“

Gesagt getan. Mit 6000 Euro Startkapital gründete er sein eigenes Cocktail-Taxi: Er kaufte zwei Autos und baute eigenhändig stabile Holzbars in die Ladefläche. Dieses Konzept existierte in anderen deutschen Städten zwar schon eher, „My Cocktail Taxi“ war aber in seinem Verbreitungsgebiet „der erste Anbieter, der ab zwei Cocktails zum Kunden rausfuhr“, sagt Sefouh. Viele andere Firmen lieferten in der Vergangenheit erst ab einem bestimmten Mindestbestellwert, der weit über dem Preis von zwei Cocktails lag. Doch das änderte sich in den letzten Jahren. Im Ruhrgebiet etwa fahren nunmehr noch andere Lieferanten ab zwei Cocktails zum Kunden. Beispielsweise „Cocktail Safari“ in Bochum, „Sundance Cocktail“ in Holzwickede oder Christian Altenhof’s Essener „Bar in Motion“.

Kochen Der Cocktail-Gastronomie sind keine Grenzen gesetzt. Ein noch älteres Konzept ist die mobile Bar samt Barkeeper bei Großveranstaltungen. Gastgeber können das Getränkecatering inklusive einer begrenzten Cocktail- und Stundenzahl von unzähligen Anbietern in Anspruch nehmen. Hierbei kostet ein Service von etwa drei Stunden und 30 Cocktails je nach Unternehmen um die 300 Euro. So hat sich auch das Essener Unternehmen „Mades me“ auf größere Veranstaltungen wie Geburtstage oder Betriebsfeiern spezialisiert, liefert aber trotzdem auch an Einzelpersonen ab vier oder fünf Cocktails.

Online eine Vorauswahl treffen

Enyonam Sefouh konzentriert sich hingegen auf das Taxi-Prinzip. Eine Spüle, eine Kühlbox, Getränkevorräte, Limetten, Strohhalme und Becher – alles im Kofferraum verstaut. Trotzdem muss der Kunde vorher online seine Wahl treffen, 30 bis 45 Minuten später kommt das Taxi dann vorgefahren. „Sonst würde Chaos entstehen“, weiß Sefouh. Und Zeit ist bekannterweise Geld. „Es ist ein hartes Geschäft, denn das Ganze ist saisonbedingt. Im Winter läuft es schleppend unter der Woche.“ Doch auch das würde sich lohnen und sei trotzdem noch bezahlte Werbung: „Kleinvieh macht auch Mist“, lacht der Geschäftsführer.

Damit es sich aber über das ganze Jahr verteilt rentiere, müsse das Team im Schnitt wochentags 150 Euro einnehmen. Bisher habe es immer funktioniert. Die Sommertage und vor allem die Wochenenden würden ein paar weniger lukrative Tage schon mal wettmachen. In Spitzenzeiten nimmt das Unternehmen nach eigenen Angaben zwischen 900 und 1100 Euro pro Tag ein – bei Cocktailpreisen von 5,50 Euro beziehungsweise 6,50 oder 7,50 Euro für die XXL-Version im 0,5-l-Becher.