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Clinch um Vermarktung der Pott-Größe „Onkel Reinhold“

05.03.2012 | 12:00 Uhr
Clinch um Vermarktung der Pott-Größe „Onkel Reinhold“
Waren mal ein Team: Jürgen Kleinert, „Onkel Reinhold“ und Gundolf Senne (v.l.n.r.) vor der „Onkel Reinhold Konsumwerkstatt“. Foto: Torsten Leukert

Essener Südwesten.   Seit fünf Jahren tritt der Essener Schauspieler Kai Schiwy als „Onkel Reinhold“ auf. Die Erfinderin der Kunstfigur, Susanne Demmer, missfällt, wie Schiwy die Figur nun vermarktet. Ursprünglich als reviertypische Comedyfigur erdacht, steigt Onkel Reinhold jetzt gar ins Kreditgeschäft ein.

Schluss mit lustig: Seit knapp fünf Jahren tritt der Essener Schauspieler und Marketing-Experte Kai Schiwy als „Onkel Reinhold“ auf. Was anfangs als ruhrgebiets-prototypische Comedyfigur gedacht war, entwickelte sich immer mehr zum Verkaufsvehikel – zuletzt stieg die „Onkel Reinhold Konsumwerkstatt“ gar ins Kreditvermittlungsgeschäft ein. „Onkel Reinhold“-Autorin Susanne Demmer zieht jetzt die Reißleine: Sie will Schiwy die Verwendung des Namens „Onkel Reinhold“ verbieten.

„Die Figur hat nichts mehr mit dem zu tun, wie ich sie mir einmal vorgestellt hatte“, bedauert Susanne Demmer. Ursprünglich sollte „Onkel Reinhold“ ihre Liebe zum Ruhrgebiet widerspiegeln – mit dem etwas kleinbürgerlichen Hang zu Kneipe, Kleingarten und Taubenzüchterverein. 2006 habe sie die ersten Geschichten mit ihm niedergeschrieben. Ein Gesicht gibt dieser Figur Schiwy seit 2008 vor allem als Gastgeber der „Onkel Reinhold-Thekenshow“ im Theater Courage .

Nur der T-Killa hat überlebt

Ruhrgebietsoriginale
Bei der nächsten Show: „Allet neu!“

Bei „Onkel Reinholds Thekenshow“ treffen sich Monat für Monat Ruhrgebietsoriginale, um zusammen zu musizieren und zu blödeln. Neben Kai Schiwy, alias „Onkel Reinhold“, gehört auch der Musiker Max Rheinländer zur Stammbesetzung. Die nächste Show ist für den 21. März, 20 Uhr, im Theater Courage, Goethestraße 67, geplant. Dieses Mal hat die Show den viel versprechenden Untertitel „Allet neu!“. Als Gäste werden Peter-Maria Anselstetter, Ollywood, Dr. Welf Haeger und Käpitain Pitt erwartet. Karten: 79 14 66.

Doch seine dortige Aufgabe als „Botschafter für Kultur, Botschafter und Pipapo“ genügte nicht mehr: Mit immer neuen Produktideen versuchte Schiwy über die „Onkel Reinhold Konsumwerkstatt GmbH“, die er mit Susanne Demmer und Gundolf Senne ins Leben rief, mit der Figur auch Geld zu verdienen: Doch von Gütern wie dem „Ruhrpott T-Killa“, der „Onkel Reinhold Fleischwurst“, dem durchsichtigen Kulturbeutel oder der „Stangenknifte“ hat eigentlich nur das an Tequila erinnernde Getränk überlebt. Wohl ein Grund, warum die „GmbH“ eine Strategieänderung vornahm und sich dem Finanzmarkt zuwandte: Mit dem als „Finanzkanzler“ vorgestellten Bankier Jürgen Peter Kleinert eröffnete man im Herbst 2011 an der Goldschmidtraße die Filiale der Konsumwerkstatt, in der man auf Bierbänken Kredite und Immobilien an den Mann bringen will. „Spätestens da war mir klar, dass ich in der Figur, wie sie Kai Schiwy verkörpert, nicht mehr meinen Onkel Reinhold sehe“, so Demmer.

Hat einen Anwalt eingeschaltet: Susanne Demmer. Foto: Thomas Goedde

Hinzu seien Unstimmigkeiten während der Thekenshow gekommen: „War es anfangs üblich, im Team über den Ablauf zu beraten, hat Kai mich und die anderen immer mehr ausgeschlossen“, kritisiert Susanne Demmer. Später sei die Frau, die „Onkel Reinhold“ auf der Bühne anfangs stets als „meine Mama“ vorgestellt hatte, gar nicht mehr zu den Proben eingeladen worden. „Aber Kritik hat er sowieso nicht angenommen.“

Nun hat Susanne Demmer per Anwalt eine Unterlassungserklärung an Schiwy geschickt, die ihm verbieten soll, weiter als „Onkel Reinhold“ aufzutreten. Eine Erklärung, die Schiwy zurückgewiesen hat. Doch er scheint zunehmend isoliert: Auch Gundolf Senne, bisheriger Geschäftsführer und Mitgesellschafter der „Onkel Reinhold Konsumwerkstatt“, hat die Brocken Anfang des Jahres wegen Unstimmigkeiten hingeworfen.

Texte stets umgearbeitet

„Alles Kokolores“, schimpft Schiwy. „Ich habe die Figur zum Leben erweckt und sie so entwickelt, wie sie jetzt ist.“ Die Texte habe er ohnehin immer umarbeiten müssen, um sie „bühnenreif“ zu machen. Susanne Demmer habe sich wegen eines Burn-Outs ihres Lebensgefährten freiwillig aus der Show zurückgezogen, behauptet er. „Ich habe sie stets motiviert, wieder miteinzusteigen und Texte zu schreiben, aber da kam nichts.“ Auch Gesprächsangebote habe sie abgelehnt. Die letzten zwei Jahre habe er gezwungenermaßen die ganze Show allein auf die Beine gestellt. Einen Mangel an Teamwork und Kritikfähigkeit könne er ebenfalls nicht ausmachen, habe er doch nun mit Theater-Courage-Mitglied Peter Maria Anselstetter endlich einen fähigen Regisseur für seine Show gefunden, mit dem er gut zusammenarbeite.

Demmer winkt ab: „Völliger Blödsinn. Mein Lebensgefährte war zwar tatsächlich wegen einer Blutvergiftung eine Zeit lang geschwächt, aber das hatte nichts mit meiner Entscheidung zu tun.“ Vielmehr habe Schiwy sie zunehmend ausgeklammert. „Ich habe nichts dagegen, wenn er die Show, die ihm und den Leuten Spaß macht, weiter betreibt“, sagt sie. „Aber nicht mehr als Onkel Reinhold. Von mir aus als ,Kais Thekenshow‘.“

Beide wollen nicht aufgeben: „Ich werde Onkel Reinholds Thekenshow auf jeden Fall so weitermachen und die Figur weiterentwickeln wie bisher“, schließt Schiwy. Dem drohenden Gerichtsverfahren um den Namen sehe er gelassen entgegen: „So etwas lässt sich nicht schützen.“

Auch Demmer will ihren „Onkel Reinhold“ auf ihre Weise weiterleben lassen und veröffentlicht neue Geschichten auf ihrer Homepage „www.onkel-reinhold.com“, die nun parallel neben Schiwys „www.onkel-reinhold.de“ existiert. Zwei Onkel Reinholds im Clinch – wäre es nicht so ernst, wäre dies ein guter Stoff für eine neue Geschichte.

Gordon K. Strahl

Kommentare
06.03.2012
19:10
Clinch um Vermarktung der Pott-Größe „Onkel Reinhold“
von Ellas | #5

Ich war oft zu Gast in "Onkel Reinholds Thekenshow" seit 2008. Seit Mitte 2011 hatte die Show jedoch ihren "Ruhrpott-Charme" verloren. Ich kann mich...
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/clinch-um-vermarktung-der-pott-groesse-onkel-reinhold-id6428296.html
2012-03-05 12:00
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