„Chinesische Musik muss man mit der Seele hören“

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Das neue Jahr beginnt in China zwar erst am 19. Februar. Aber musikalisch wird das Jahr des Schafes schon am 6. Februar, 20 Uhr, in der Philharmonie mit dem „Großen Chinesischen Neujahrskonzert“ eingeläutet. Das Konzert mit dem Shanghai Chinese Orchestra und Solisten hat schon Tradition. Moderator Gerhard Schmitt-Thiel sagt im Gespräch mit Martina Schürmann, worauf man sich freuen darf.

Herr Schmitt-Thiel, Sie sind gebürtiger Westfale, leben in München. Wie sind Sie zur traditionellen chinesischen Musik gekommen?

Aus Neugier! Ich bin kein Musikwissenschaftler, sondern einfach jemand, der die Musik liebt. Irgendwann habe ich die Organisatoren dieser Konzertreihe kennen gelernt und die Moderation übernommen. Beim Einlesen in die Materie habe ich festgestellt, welchen ungeheuren Stellenwert die Musik für Chinesen hat. Schon Konfuzius hat die Musik ja ins Zentrum seiner Lehre gestellt.

Zu hören sind auch einige für westeuropäische Ohren fremden Instrumente wie Dizi oder Pipa.

Die Pipa ist ein Zupfinstrument, der Laute nicht unähnlich. Die Dizi ist eine Bambusflöte und kommt der Querflöte recht nah. Im Konzert ist die Pipa auch im Zusammenspiel mit dem Cello zu hören. Celli und Bässe haben die Chinesen inzwischen aus westlichen Orchestern übernommen, weil sie von ihrer Klangfarbe sehr gut zu den chinesischen Instrumenten passen und den vollen Klang geben.

Wie nähert man sich dieser Musik?

Chinesische Musik sollte man nicht über den Kopf, sondern durch die Seele hören, dann bekommt man auch als Westeuropäer ganz schnell einen emotionalen Zugang. Die Chinesen beschreiben mit ihrer Musik ja Geschichten, Emotionen, Gefühle. Wenn man sich dafür öffnet, dann geht einem das Herz auf und man hört den Ton der Freude in sich. Und wenn das Orchester am Ende Schubert oder einen Wiener Walzer als Zugabe spielt, dann jubelt das Publikum mehr als bei den Berliner Philharmonikern gejubelt würde.

Das Jahr 2015 ist in China das Jahr des Schafes. Ein gutes Jahr?

Das ist in China kein besonders beliebtes Jahr. Viele Paare, die Nachwuchs planen, versuchen noch, im Jahr des Pferdes ein Baby zu bekommen. Das Schaf ist aus irgendwelchen Gründen nicht so hoch angesehen, obwohl es die Inkarnation für Musik und für Kunst ist.