Chefgehälter bei Stadttochter GSE stiegen um 50 Prozent
09.11.2012 | 18:21 Uhr 2012-11-09T18:21:00+0100
Essen. Um satte 50 Prozent stiegen zum Jahreswechsel 2010 zu 2011 die Chefgehälter der städtischen Tochter „Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen“ (GSE). Das offenbart der jüngst vorgelegte „Beteiligungsbericht 2012“.
Wer bei der Stadt arbeitet, soll deshalb nicht darben müssen, und selbst bei einer städtischen Tochter namens „Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen“ (GSE) soll angemessen verdient werden. Das vorab. Was der jüngst vorgelegte „Beteiligungsbericht 2012“ offenbart, lässt allerdings doch aufmerken: Um satte 50 Prozent stieg zum Jahreswechsel 2010 zu 2011 das Grundgehalt der beiden Geschäftsführer Günter Büsselberg und Heinz Bremenkamp, ein Sprung, der selbst in einem florierenden Privatunternehmen selten sein dürfte.
Auch die absoluten Zahlen sind beachtlich: Verdienten Büsselberg und Bremenkamp im Jahr 2010 jeweils noch 99.000 Euro, waren es ab 2011 dann stolze 150.000 Euro. Und weil auch das offenbar noch nicht reichte, stieg ab 2011 auch die „erfolgsbezogenen Tantieme“ auf jeweils 20.000 Euro - im Vorjahr betrug sie 17.000 Euro.
Sozialdezernent hält Erhöhung für berechtigt
Genehmigen muss solchen Gehaltssegen bei städtischen Gesellschaften der Aufsichtsrat. Im Fall GSE ist er besetzt mit fünf Ratsmitgliedern und dem Sozialdezernenten Peter Renzel als Vorsitzender. Der hält die Gehaltserhöhung auch im Rückblick für berechtigt.
Als Büsselberg und Bremenkamp mit dem Wunsch nach höherem Gehalt vorstellig wurden, habe sich der Aufsichtsrat beraten lassen. Ergebnis: „Bei einer Sozialgesellschaft mit rund 1200 Angestellten sind solche Geschäftsführergehälter durchaus branchenüblich“, so Renzel. Man müsse auch sehen, dass die GSE nicht von städtischen Zuschüssen abhängig sei, sondern proftitabel arbeite.
Branchenübliche Gehälter
Die Gesellschaft betreibt Seniorenheime, Pflegeeinrichtungen und Behindertenwerkstätten, hilft Benachteiligten therapeutisch und sozial. Die Finanzierung erfolgt somit über das Sozialsystem im weitesten Sinn - Renten, Sozialbeiträge, Zuschüsse aller Art und Zahlungen von Landschaftsverbanden und Wohlfahrtsverbänden sind die Grundlage.
Die im Beteiligungsbericht 2012 ausgewiesene 50-prozentige Erhöhung der Gehälter der GSE-Geschäftsführer fällt in eine Zeit, in der das Finanzgebaren der Stadttöchter zunehmend kritisch hinterfragt wird. So hatte Stadtkämmerer Lars Martin Klieve in seiner Etat-Rede bemerkt, der Spar-Eifer bleibe hinter dem zurück, was man angesichts der Gehälter von Vorständen und Geschäftsführern erwarten dürfe.
Drastisch reagierte Udo Bayer, Fraktionschef des Essener Bürgerbündnisses (EBB), auf die Gehaltsexplosion bei der GSE: „Da fällt mir wirklich die Kinnlade runter.“ Die Privilegienwirtschaft in einigen der fast 60 ausgegliederten städtischen Gesellschaften müsse „schnellstens beendet werden“, denn: „Hier werden Gehälter bezahlt, das ist abenteuerlich.“ Bayer zufolge müssen die Aufsichtsräte - in der Regel handelt es sich um Ratsmitglieder oder Verwaltungsvorstände - ihrer Verantwortung gerecht werden. Bayer forderte auch mehr Transparenz: „Aufsichtsräte sind keine Geheimräte.“
Der Beteiligungsbericht weist über den drastischen Fall GSE zumindest keine anderen exorbitanten Gehaltssteigerungen aus, zeigt aber noch einmal, dass an der Spitze der städtischen Gesellschaften teils sehr gut verdient wird.
Passen in einem solchen Umfeld solche Gehälter in die Landschaft, zumal eine finanziell darbende Stadt Träger der GSE ist? „Diese Frage haben wir uns damals auch gestellt“, räumt Renzel ein - um sie aber letztlich mit Hinweis auf die Branchenüblichkeit zu bejahen. Ob die Entscheidung des Aufsichtsrats einstimmig erfolgte, wollte Renzel mit Blick auf die gesetzlich verlangte Vertraulichkeit nicht sagen.
Nachfolger muss neu verhandeln
Einer der beiden GSE-Geschäftsführer, Heinz Bremenkamp, wurde vergangene Woche in den passiven Teil der Altersteilzeit verabschiedet. Als wahrscheinlicher Nachfolger gilt GSE-Prokurist Heribert Piel, der bis vor einem Jahr die Geschäfte der CDU-Fraktion führte.
Wer immer der Nachfolger sei, die 170.000 Euro Jahresgehalt würden ihm nicht automatisch bezahlt, betonte Peter Renzel. „Das muss neu verhandelt werden.“ Renzel selbst verdiente als Sozialdezernent und mit Verantwortung für 3500 Mitarbeiter übrigens 111.000 Euro im Jahr 2011 - und damit deutlich weniger als ein GSE-Chef.

11:09
Wahrscheinlich werden Sie es nicht mögen, Herr Bremenkamp, wenn ich verhindern möchte, dass der Mantel des Schweigens über diesen empörenden Vorgang ausgebreitet wird. Wie damals bei der Nachbarin meiner Oma. Deswegen schreibe ich Ihnen einen offenen Brief. Damit Sie die Gelegenheit bekommen, die Sache mit dem Fließkomma öffentlich richtig zu stellen. Und den 49,1-Prozent-Vertrag rückgängig machen. Wie gesagt, kann ja mal passieren. Sollte aber nicht. Sie sind schließlich nicht die Nachbarin meiner Oma. Aber Sie sollten auch nicht damit rechnen, dass die Essener Öffentlichkeit mentale Defizite hat wie damals altersbedingt meine Oma.
Mit empörten Grüßen
Rolf Schwermer
(Der offene Brief ging mit weiteren Ausführungen auch an alle Essener Ratsparteien.)
11:05
... der Steuerzahler finanziert wird. In einer Kommune, die fast pleite ist. Nein, Herr Bremenkamp, für das, was Sie da geschickt zu Ihrem Vorteil „verhandelt haben“, wie in der NRZ stand, dafür fallen mir nur Worte wie schamlos und empörend ein. Und demokratiefeindlich erscheint es mir obendrein, denn wie viele Mitbürger werden sich jetzt wegen Ihrer skrupellosen 49,1-Prozent-Gehaltserhöhung wieder von der Politik ver-drossen abwenden, weil sie denken: Die da oben in der Politik und beim „Konzern Stadt“ schieben sich ja doch nur die Posten und das Geld zu – warum soll ich da noch wählen gehen? – Im Leitbild der GSE lese ich: „Wir Führungskräfte sind uns unserer Vorbildwirkung bewusst und handeln danach.“ (http://www.gse-essen.com/12.0.html) Merken Sie nicht, Herr Bremenkamp, dass Sie mit Ihrem Vorbild den rechten Rattenfängern eine Steilvorlage liefern für deren Hetzparolen „Kampf der Bonzenwirtschaft“? (weiter: #4)
11:02
Warum fällt mir nur die Geschichte mit meiner Oma ein? Ach ja, wegen des Fließkommas. 49,1 Prozent statt 4,91 Prozent. Man darf aber nicht nur die Schlagzeile überfliegen, man sollte besser auch den Artikel lesen. Und als ich las und verstand, was Sache ist, wie soll ich es Ihnen sagen, Herr Bremenkamp: Da ist mir dann der „Draht aus der Mütze geflogen“, wie es so treffend bei uns Ruhris heißt.
Was las ich da? Nicht die Beschäftigten bekommen 4,91 Prozent mehr, nein, die beiden Her-ren Geschäftsführer! Nicht 4,91 Prozent, nein, sagenhafte 49,1 Prozent! Da wäre selbst Herr Ackermann von der Deutschen Bank neidisch geworden. Sie, Herr Bremenkamp, und Ihr Kollege Herr Büsselberg leiten als Geschäftsführer jedoch nicht ein hochprofitables Only-for-Profit-Unternehmen, das dank Ihres unermüdlichen Einsatzes riesige Gewinne macht, sondern eine städtische Sozialgesellschaft, deren durchaus ehrenwerte und gesellschaftlich wichtige Arbeit überwiegend aus Transferleistungen (weiter: #3)
10:44
Sehr geehrter Herr Bremenkamp, sehr geehrter Herr Büsselberg,
als ich den ersten Blick auf die Schlagzeile in der Zeitung warf, wollte ich Ihnen spontan gratulieren: 4,91 Prozent Lohnerhöhung erreicht für die hart arbeitenden GSE-Mitarbei-terinnen und -Mitarbeiter, das ist was. Und meinen Beifall: die haben es verdient. Als lang-jähriger zufriedener Kunde der GSE-Fahrradwerkstatt kann ich die Qualität der Arbeit Ihrer Mitarbeiter dort beurteilen: kompetent, freundlich, einfach gut!
Nur – der Zeitung schien ein Fehler unterlaufen zu sein: das Komma war wohl verrutscht. 49,1 Prozent statt 4,91 Prozent. Das kann ja gar nicht sein, dachte ich. Kann aber passieren. Kenn ich von meiner Oma, damals. Irgendwann, da war sie über 90, bekam sie ein Fließkomma im Kopf: Ihre nette Nachbarin ging für sie einkaufen – für 5 Mark. Oma bezahlte mit einem 50-Mark-Schein. Und die Nachbarin hat sich über die 45 Mark „Trinkgeld“ gefreut. Und geschwiegen. (weiter: #2)
07:56
Die beste Lösung wäre ohnehin im Allgemeinen eine reine Technokratenverwaltung bestehend aus ausgewiesenen und nach "Markt" gut bezahlten und neutralen Experten OHNE Parteibuch und Verbindungen zur Politik.
Erst dann ließen sich viele Strukturen aufbrechen und mit einer wirklichen Politik für die Bürger Verbesserungen durchsetzen.
Bei dieser Vetternwirtschaft bleibt jedoch alles beim Alten.
07:51
Der Politiker Filz unter sich. Was sich über die Jahre in der Politik an Seilschaften entwickelt hat ist offensichtlich Vetternwirtschaft.
Von effizienten Organisationsstrukturen bei Stadt wie Töchtern, ist man hier Lichtjahre entfernt. In den Gremien sitzen meist nur die besten "Kumpels" aus der Verwaltung. Einen Lachanfall bekommt man, wenn man sieht, dass alleine der scheidene GF Bremenkamp als zweiter Geschäftsführer ersetzt wird. Die Gelegenheit wird genutzt und die Stelle schnell wieder nachzubesetzen, ansatt einzusparen. Hier wäre ein ansehnlicher Einspareffekt vorhanden gewesen und das hohe Gehalt eher angemessen. Übrigens ist für die Geschäftsführer Verantwortung lachhaft, da im Falle es Vesagens ohnehin die Stadt einspringt. Man müsste im Zuge eines Bürgerbegehrens den gesamten Klüngel der Stadt unter Zwangsverwaltung stellen!!!
Da eröffneten sich Sparpotenziale ungeahnten Ausmaßes, gerade auf den bestensdotierten Chef- und Führungsetagen.
Reine Selbstbedienungsmentalität!
17:59
ich lese immer u.a als Rechtfertigung für diese unverschämten Gehaltszahlungen das Wort "Verantwortung". Welche Verantwortung tragen diese Herren für Ihre 1200 Mitarbeiter, in anderen Fällen sind es 3500 Mitarbeiter. In der Vergangenheit sind doch solche Leute (Geschäftführer) bei Fehlentscheidungen oder Fehlverhalten noch mit einem goldenen Handschlag verabschiedet worden. Nie musste jemand mit seinem Vermögen haften im Gegensatz zu einem freien Mittelständler (GF oder Inhaber) der dann pleite wäre.
13:50
:-) Endlich mal gerechte Löhne.
21:49
Von Rhein bis Ruhr dasselbe Bild. Überwiegend die SPD hat sich die städtischen Betriebe zur Beute gemacht und verdienten Genossen die hochdotierten Versorgungsposten zugeschanzt. Der kleine Bürger zahlt die Zeche. Von den überzogenen Gehältern, Luxuskarrossen und Pensionen kann der Normalbürger nur träumen. Die Kluft von den Sozen zum "Kleinen Mann", dessen Interessen man geblich vertritt, wird immer größer. In NRW werden trotz höchster Steuereinnahmen in der Geschichte von NRW weiterhin zu Lasten der jungen Generation masslos Schulden gemacht. Frau Kraft lächelt als weg und düst uns mit ihrer Luxuskarrosse in den Schuldensumpf.
21:42
Das ganze riecht nicht nach Vetternwirtschaft und Begünstigung. Nein, man kann es förmlich fühlen.
Die Verantwortlichen handeln hier so, wie sie es an Griechenland kritisieren. In der Pleite übermäßige Bezüge einstreichen und dann auch noch als "branchenüblich" rechtfertigen lassen; das ist nicht alleine maßlos, sondern unmoralisch.
Kommt mir jetzt nicht mit dem Vorwurf der sogenannten Neiddebatte. Es geht nicht um Neid, sondern um Gerechtigkeit und um die Frage: Wer nimmt Euch noch ernst, wenn Ihr 100.000,00 € und mehr einstreicht und gleichzeitig von "Sparzwang" sprecht und bei den Bibliotheken die Mittel kürzt, die Ihr Euch dann wiederum einsteckt.