Call Center wollen ihr Image aufbessern

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Schlechte Bezahlung, undurchsichtige Bonusmodelle und vor allem enormer Leistungsdruck – die Call-Center-Branche hat kein gutes Image. Die Folge: Sie tut sich immer schwerer, geeignetes Personal zu finden – auch in Essen.

Das streitet auch der Verein Call Center Essen nicht ab; betont aber, dass es sich dabei nur um einige schwarze Schafe handle, die aber das Ansehen der gesamten Branche herunterziehen. Gewerkschafter dagegen meinen, dass die schwarzen Schafe eher die Regel statt die Ausnahme sind.

Ungeachtet dessen gehört die Branche mit fast 5000 Jobs aber zu den großen Arbeitgebern in Essen. Anfang des Monats erst gab es eine neue Ansiedlung, die weitere hundert Arbeitsplätze verspricht.

Doch wie die weißen von den schwarzen Schafen unterscheiden? Der Verein Call Center Essen hat sich dafür ein Qualitätssiegel einfallen lassen, das Beschäftigungsstandards festschreibt und um das sich Essener Unternehmen bewerben können. Gestern wurden die ersten beiden Siegel verliehen: an Telegate und die A. Sutter Dialog Services. Drei Jahre dürfen sie die Auszeichnung tragen, dann müssen sie sich dem Prüfverfahren neu stellen.

Die Kriterien für die Zertifizierung klingen teils nach Selbstverständlichkeiten. So verpflichten sich die Firmen unter anderem, Mitarbeiter fachgerecht einzuarbeiten und zu schulen. „Wir wissen aber, dass das nicht bei allen Unternehmen existiert“, sagt der Sprecher des Vereins, Gordon Barrey.

Eine weitere Voraussetzung für das Siegel: Die Träger müssen ihren Mitarbeitern ungeachtet der Erfolgsboni einen Mindeststundenlohn von 8,50 Euro zahlen. Ausgenommen sind Minijobber, studentische Aushilfen und Berufseinsteiger in den ersten sechs Wochen. Die Quote der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten muss bei mindestens 50 Prozent liegen.

Der Verein, der sich 2007 gegründet hat, zählt derzeit 17 Mitglieder, die etwa 2300 Arbeitnehmer in der Branche vertreten. Zumindest weitere Anfragen für das Siegel gebe es, betont Sprecher Barrey.