Busfahrer ließ Kinder offenbar am Straßenrand zurück

An dieser Haltestelle begann die Busfahrt, die Peter (8) und seine Schwester Julia (10) wohl nicht vergessen werden: Die Fahrt endete wegen Glatteis auf halber Strecke, sie blieben am Straßenrand zurück.
An dieser Haltestelle begann die Busfahrt, die Peter (8) und seine Schwester Julia (10) wohl nicht vergessen werden: Die Fahrt endete wegen Glatteis auf halber Strecke, sie blieben am Straßenrand zurück.
Foto: Alexandra Roth
Auf halber Strecke endete für Peter (8) und Julia (10) aus Essen ihre erste Busfahrt ohne Eltern. Der Bus blieb wegen Glatteis liegen. Der Fahrer soll sich nicht um die Kinder gekümmert haben.

Essen.. Ihre erste Busfahrt werden Peter (8) und Julia (10) wohl nicht so schnell vergessen: Der Bus blieb am Freitagfrüh wegen Glatteis liegen, und der Fahrer ließ die Geschwister offenbar aussteigen, ohne ihnen auch nur zu sagen, wo sie gelandet waren.

„Dabei hatte ich dem Busfahrer noch gesagt, dass sie zum ersten Mal alleine Bus fahren“, erzählt Katharina Buchholz, die Mutter der beiden. Die Familie ist kürzlich nach Borbeck gezogen, im Moment besuchen die Kinder noch die Regenbogenschule in Frillendorf. Normalerweise werden sie dorthin gebracht, doch Freitag hatte die Mutter kein Auto und blieb mit dem zweijährigen Geschwisterkind zu Hause.

Bus musste stoppen, weil die Fahrbahn spiegelglatt war

Ihre Großen stattete sie mit einem Handy aus, begleitete sie zur Haltestelle Kesselstraße, stieg kurz mit in die Linie 160, die dort wenige Minuten nach sieben hielt. Sie habe den Fahrer gebeten, darauf zu achten, dass die Kinder an der Hubertstraße aussteigen. „Da sagte er bloß: ,Jede Haltestelle wird laut ausgerufen.’“

Doch der Bus sollte es an dem verschneiten Morgen gar nicht bis Frillendorf schaffen: An der Windmühlenstraße in Holsterhausen stoppte der Fahrer, weil die Fahrbahn spiegelglatt war. Er habe alle Passagiere aussteigen lassen, auch die Kinder, die keine Ahnung hatten, wo sie sich befanden, zumal der Bus ein Stück von einer Haltestelle entfernt stand. Peter und Julia griffen zum Handy und riefen ihre Mutter an, die ihnen riet, den Busfahrer zu fragen. Doch der habe die Tür nicht geöffnet, als sie klopften. „Da fing meine Tochter an zu weinen.“ Übers Telefon tröstete die Mutter ihre Kinder, lotste sie zum nächsten öffentlichen Gebäude: Hier sollten sie um Hilfe bitten.

Kita St. Stephanus nahm die Kinder auf

Zum Glück liegt an der Windmühlenstraße die katholische Kita St. Stephanus, an der die Kinder landeten. Nach der unschönen Erfahrung mit dem Busfahrer hätten sie lieber draußen gewartet. Also suchte die Mutter die Nummer ‘raus und rief die Kita an, die sich sofort der Kinder erbarmte. „Die beiden waren völlig verschüchtert, aber in der Gruppe meiner Kollegin sind sie aufgetaut“, erzählt Erzieherin Tina Boczkowski. Später holte der Vater die Kinder ab und brachte sie nach Hause – zur Schule mochten sie nach ihrem Abenteuer nicht mehr.

Trotz des glimpflichen Ausgangs räumt Evag-Sprecher Olaf Frei ein, dass hier offenbar einiges schief gelaufen ist. „Kinder unter 14 Jahren sind Schutzbefohlene, die darf man nicht einfach auf die Straße setzen. Der Kollege hätte unsere Leitstelle anrufen sollen, damit die Kinder abgeholt werden, oder er hätte sie im Bus warten lassen sollen.“ Weil der Fahrplan am Freitag schneefallbedingt durcheinander geraten sei, müsse der Fahrer erst ermittelt und dann zu dem Vorfall befragt werden.

„Ich fahre nie mehr alleine Bus“

Sollte der sich tatsächlich so zugetragen haben, liege zweifellos ein Fehlverhalten vor, das die Evag bedauere. „Sogar wenn Kinder unter 14 schwarzfahren oder im Bus randalieren, darf man sie nur ‘raussetzen, wenn sie von Polizei, Ordnungsamt oder Evag-Mitarbeitern in Empfang genommen werden.“

Dass Julia und Peter brav und mit Ticket unterwegs waren, hat ihnen nichts genutzt. Dabei hätte der Busfahrer sie leicht im Warmen warten lassen können, meint Erzieherin Tina Boczkowski: „Der Bus stand lange an der Windmühlenstraße, und der Fahrer saß allein drinnen.“

Die kleine Julia hat die Geschichte so mitgenommen, dass sie ihrer Mutter bei der Heimkehr schwor: „Ich fahre nie mehr alleine Bus.“

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