Das aktuelle Wetter Essen 14°C
Essener Stadtteile (29)

Burgaltendorf – Dorf ohne Kern, aber mit Burgruine

16.01.2016 | 14:00 Uhr
Blick von der Herz-Jesu-Kirche Richtung Oberdorf.Foto: Michael Gohl / FUNKE Foto Services

Essen.  Trotz seiner mittelalterlichen Wurzeln besitzt Essen-Burgaltendorf kein klassisches Zentrum. Dafür viel schöne Landschaft, eine wuchtige Burgruine und eines der größten Gotteshäuser des Bistums. Folge 29 unserer Stadtteil-Serie „60 Minuten in...“.

Dieter Bonnekamp war ein echter „Buschklöpper“. So jedenfalls nannten sich die Burgaltendorfer Jungs, die im Oberdorf groß geworden sind und eine traditionelle Feindschaft mit den gleichaltrigen „Burgklöppern“ im Unterdorf pflegten. „Da traute man sich nicht alleine runter zur Burg“, erinnert sich der 73-jährige Vorsitzende des Heimat- und Burgvereins, „dabei haben wir uns, wenn ich mich recht erinnere, nie gekloppt. Aber die Angst war irgendwie immer da.“

Ganz so schlimm ist es heute nicht mehr, trotzdem wird die Teilung des südöstlich gelegenen Essener Stadtteils, der an Hattingen und Bochum grenzt, wahrgenommen. Das liegt vor allen an der Geografie: Ober- und Unterdorf sind baulich nicht verbunden und bilden somit keine geschlossene Einheit. Aber nicht nur das fällt demjenigen auf, der über die Überruhrstraße und die Alte Hauptstraße nach Burgaltendorf fährt. Es fehlt ein Marktplatz, ein zentraler Ort, der für ein Dorf, das auf eine Geschichte bis ins Mittelalter zurückblicken kann, eigentlich typisch ist. Stattdessen wirkt Burgaltendorf (zur Bildergalerie ) willkürlich zusammengewürfelt – hier ein paar gesichtslose Bausünden aus den 1970er Jahren, dort eine kleine schicke Neubausiedlung, dazwischen schlichte Einfamilienhäuser, alte Gehöfte und jede Menge schöne Landschaft.

Das ist Essen-Burgaltendorf

Wohnburg wurde 1760 aufgegeben

Fast ein bisschen versteckt sich die eigentliche Attraktion des Stadtteils: die Burg. In der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts als Sitz eines Vogtes des Grafen von Altendorf erbaut, tauchte sie allerdings erst nach der 1970 erfolgten Eingemeindung im Namen auf – und machte aus Altendorf/Ruhr schließlich Burgaltendorf, um Verwechslungen mit dem Altendorf im Essener Westen zu vermeiden.

Besuch in der Burg
Heimatverein ermöglicht Besichtigung

Einmal im Jahr dreht sich alles um die Burg: Dann bevölkern beim Ritterfest Burgfräulein und Knappen das Grün um die Ruine oder bieten beim Burgfest mittelalterlich gewandete Händler ihre Waren feil. Beide Feste finden im jährlichen Wechsel statt. Wer die Burgruine auch außerhalb der Feste besichtigen will, kann das von Mitte April bis Mitte Oktober tun: An jedem Samstag, Sonntag und Feiertag von 15 - 17 Uhr ermöglicht der Heimat- und Burgverein einen Blick von den Zinnen.

Als die Wohnburg um 1760 aufgegeben wurde, diente sie den umliegenden Bauern als Steinbruch. „Als ich Kind war, war die Burgruine mit Efeu überwuchert und nicht zugänglich“, erinnert sich Dieter Bonnekamp. Erst das Engagement der Burgaltendorfer, allen voran des Heimat- und Burgvereins, stoppten den Verfall. Inzwischen ist die Ruine jedes Jahr Mittelpunkt eines großen Festes, an dem sich viele Vereine und Gemeinden beteiligen.

Wenig verbliebene historische Gebäude

Artikel und Bildergalerie zu Burgaltendorf

Denn so zerrissen Burgaltendorf baulich auch wirken mag, die Burgaltendorfer halten zusammen und pflegen ihre dörfliche Gemeinschaft und ihre Geschichte. Deutlich wird das an den vielen Gedenktafeln, die an den wenigen verbliebenen historischen Gebäuden angebracht sind. Es sind meist alte Fachwerkgehöfte wie der Alte Schlütershof oder der Brinkmannshof, die rund um die Burg liegen und daran erinnern, dass die Landwirtschaft lange die Region prägte.

Genauso wie der Bergbau: „Rund 300 Tagesöffnungen, dazu zählen Stollenmünder, Schächte, Wetter- und Luftschächte, gab es aus dem oberflächennahen Bergbau in Burgaltendorf“, sagt Bonnekamp, „schon die Burgherren heizten vor 500 Jahren mit Kohle.“ Ab 1832 begann man mit dem Abteufen von Tiefbauschächten und mit der Zeche Theodor entstand hier der tiefste Schacht aller Ruhrzechen. Heute ist, außer wiederkehrenden Tagesbrüchen, nichts vom Bergbau übrig.

Essener Stadtteilwappen und ihre...

Das Stadtteilwappen
Die Droste der Fürstäbtissin

Vor 849 Jahren wurde die „Villa Aldendorpe“ zum ersten Mal schriftlich erwähnt, in einer Urkunde des damaligen Kölner Erzbischofs Rainald von Dassel. Damals herrschten die Herren von Altendorf, die als Droste für die Küche der Essener Fürstäbtissin und den Essener Markt zuständig waren, über die Höfe rings um die Burg. Das heutige Wappen, das Kurt Schweder entwarf, wurde vom Wappen der Burgherren abgeleitet, die allerdings drei silberne Pferdeprammen (Nasenbremsen) im roten Schild führten. Schweder wählte die Farben Silber und Schwarz.

Auch die Bergleute und Bauern setzten sich ein Denkmal: Zehn Jahre lang sammelten sie Geld, um sich endlich ein eigenes Gotteshaus in ihrem Dorf zu leisten. Heute ist die 1900 erbaute Herz-Jesu-Kirche, die zwischen Ober- und Unterdorf auf einem Hügel thront, der alles überragende Bau in Burgaltendorf und eine der größten Kirchen im Bistum. Sie wird auch ein Mittelpunkt der 850-Jahr-Feier sein, die in diesem Jahr in Burgaltendorf begangen wird. Dann werden einen Nachmittag lang Ober- und Unterdorf zumindest symbolisch vereint: mit einer 850 Meter langen Stillleben-Tafel, die auf der Alten Hauptstraße aufgebaut wird.

Burgaltendorf in Zahlen

Kommentare
17.01.2016
01:06
Burgaltendorf – Dorf ohne Kern, aber mit Burgruine
von lapofgods | #1

Wenn man sich anguckt wie manch wirklich nichtssagender Stadtteil hier zum schönsten Ort der Welt hochgejubelt wird, kommt Burgaltendorf da wirklich...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Therapie auf dem Pferderücken
Video
Carolinenhof
Schlagerfreunde feiern bunt
Bildgalerie
Schlager
Kinder feiern sich
Bildgalerie
Weltkindertag
Herbstlicher Markt
Bildgalerie
Werden
article
11402285
Burgaltendorf – Dorf ohne Kern, aber mit Burgruine
Burgaltendorf – Dorf ohne Kern, aber mit Burgruine
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/essen/burgaltendorf-dorf-ohne-kern-aber-mit-burgruine-id11402285.html
2016-01-16 14:00
Burgaltendorf,Essen-Burgaltendorf,Buschklöpper,Oberdorf,Burgklöpper,Unterdorf,Überruhrstraße,Graf von Altendorf,Alter Schlütershof,Brinkmannshof,Zeche Theodor,Heinrich Kämpchen,
Essen