Buntspecht mit Bandbegleitung

Angekündigt war er als durchaus auch mal röhrendes Stimmwunder zwischen Dada und Punk. Doch womit der Wuppertaler Lautpoet Mitch Heinrich die erste, aber hoffentlich nicht letzte Saison der Konzerte von Rü2Musik im Filmstudio Glückauf beendete, das war ein überraschend lyrisches Vergnügen. Sich in den Hüften wiegend wie ein Tanzbär, raumgreifend mit den Händen gestikulierend, hauchte und fauchte, schnabulierte und buchstabierte der backenbärtige Vokalartist poetische Inventionen, dass es nicht nur Litaraturfreunden ganz warm ums Herz wurde. Schon wie er einen „Buntspecht“ präsentierte, war ein (aus)sprach(e)technisches Wunderwerk in bester Jandl-Manier - gewitzt und zunehmend komisch. Und wenn Mitch Heinrich zungenflink sein Material dekonstruierte, dann feierte Kurt Schwitters fröhliche Wiederauferstehung. Großes Kino im Kleinen.

Die obligate Begegnung mit der Rü2Band startete gemächlich, lief dann aber rasch heiß zu frei fließenden Improvisationen unter kluger Führung des Drummers Peter Eisold, die Ralf Kaupenjohann am diesmal elektronisch aufgebohrten Akkordeon delikat anfettete. Während Frank Niehusmann bei seinem Abschied von Rü2Musik brizzelnde Computer-Samples dem vokalierenden Gast zur virtuosen Jonglage vorwarf. Begeisterndes Finale der künstlerisch hochwertigen Konzertreihe, deren Fortführung jetzt engagierter Sponsoren mit Sinn für das Außergewöhnliche bedarf.