Bunt und selbstgemacht

Foto: Essen

Heisingen..  Sieben Kinder springen zwischen Kerstin Küppers und Farina Salili herum. „Guck mal, wie schnell ich nähen kann“, sagt eines der Mädchen und tritt auf das Fußpedal der Nähmaschine, die den Faden ratternd durch den Stoff jagt. Heute nähen die beiden Besitzerinnen des Lädchens an der Schangstraße zusammen mit ihren Schützlingen Spenden für die Kinderkrebshilfe. „Deshalb sind die Mädels heute besonders aufgeregt“, erklärt Küppers.

Kerstin Küppers war eigentlich mal Krankenschwester, nun ist die selbstständig und gibt Nähkurse für Groß und Klein. Ihr Lädchen erinnert an eine schwedische Hütte – weiße Holzwände, bunte Stoffe in den Regalen, Kissen mit Pünktchen- und Rosenmuster. „Ich bin keine Schneiderin“, sagt Küppers. „Aber ich habe bei einer gelernt.“ Seit Dezember vergangenen Jahres geben die zugezogenen Heisingerinnen regelmäßig Workshops mit maximal acht Kindern oder fünf Erwachsenen und verkaufen Stoffe und Kurzwaren.

Dabei stellen sich die Kinder oftmals geschickter an als die erwachsenen Anfänger, berichtet Küppers. „Kinder denken nicht so viel, deshalb sind sie viel schneller. Da tun sich die Erwachsenen schwerer.“ Die jüngste Teilnehmerin sei erst fünf, die älteste 87. Aber Handarbeit sei nicht nur Frauensache. „Wir hatten letztens eine reine Jungengruppe hier. Die haben Monster genäht – und haben das astrein gemacht.“

Auch Emma näht heute mit. Sie bereitet den grünen Stoff auf dem Boden aus, darauf ist eine Wiese mit Kühen, Schafen und Eseln zu sehen. Einen Loopschal will die Zehnährige daraus schneidern, also einen zusammengenähten Schlauchschal. „Ich finde genähte Sachen so schön“, sagt sie, während sie den Stoff glatt streicht. Ihr liebstes Werk war bisher eine Stofftier-Eule. „Und ich mach generell gerne Handarbeit. Ich häkele und stricke auch.“

„Handarbeit ist total modern“, erklärt Küppers. „Und die Leute wissen Selbstgemachtes zu schätzen. Sie geben gern mehr Geld dafür aus.“ Für sie selbst sei Handarbeit vor allem entspannend. Kerstin Küppers schaut sich um: „Auch wenn es gerade ziemlich chaotisch wirkt.“

Den Aufwand, sein Hobby zum Beruf zu machen, hat sie allerdings ein wenig unterschätzt. „Wir haben ehrlich gedacht, wir könnten das als Nebenjob machen. Aber es ist eine Vollzeittätigkeit geworden.“ Dabei haben sich die unerfahrenen Unternehmerinnen auch Unterstützung geholt. Ein Bekannter macht für sie die Buchhaltung. „Und wir sind für das Kreative zuständig.“ Dabei war der Anfang nicht immer leicht. „Heisingen ist ein schwieriges Pflaster“, sagt Küppers. „Es dauert, bis ein Laden wirklich angenommen wird. Aber es wird.“