Bürger zeigen Menschlichkeit statt Abwehr

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Keine drei Sätze braucht Sozialdezernent Peter Renzel am Mittwochabend, um einen Bogen von den Krisenherden der Welt nach Werden zu schlagen. Hier sitzen in der Aula des gleichnamigen Gymnasiums zahlreiche Anwohner, die sich über das Groß-Asyl des Landes informieren wollen, das ab Anfang Dezember bis zu 800 Flüchtlinge aufnehmen soll.

Wie das aussehen soll, schildert Andreas Hillebrand, Geschäftsführer der Grundstücksverwaltung Essen (GVE), die das Heim bauen und für 25 Jahre ans Land vermieten wird. Die Flüchtlinge selbst sollen maximal sechs Wochen in der Erst-aufnahmeinrichtung bleiben, bevor sie in Dauerunterkünfte vermittelt werden. Im Großasyl werden sie in sechs Häusern mit je 100 und vier Häusern mit je 50 Plätzen untergebracht. Zudem sollen ein medizinischer Bereich, eine Mensa mit 400 Plätzen, Frauencafé, Spielhaus, Wäschehaus mit Kleiderkammer, Mucki-Bude, Aufenthalts- und Fernsehräume, sowie Räume zur Religionsausübung entstehen. Die Zentrale Ausländerbehörde wird ebenso vor Ort sein wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. So sollen alle asyl- wie ausländerrechtlichen Formalitäten rasch erledigt werden: Von einer „Asyl-Straße“ spricht Andreas Rudolph, Hauptdezernent bei der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg, angelehnt an die Waschstraße.

Viele Zuhörer treibt um, wo bei solcher Effizienz die Menschlichkeit bleibt. Während bei anderen Bürgerversammlungen Abwehr und Vorurteil greifbar waren, wird hier gefragt, ob im Asylheim genug Platz ist, damit Ehrenamtliche Deutschkurse und Kinderbetreuung anbieten können. Die so dichte wie gradlinige Anordnung der Container ruft bei manchem böse Lager-Assoziationen hervor: „Dürfen die Flüchtlinge das Gelände verlassen?“ oder „Gibt es Flutlicht und Stacheldraht?“, wird gefragt. Weder noch, sagt Hillebrand, der hervorhebt, dass man etwa mit der Fußbodenheizung einen gewissen Komfort herstelle. Und Renzel stellt klar: „Natürlich dürfen die Leute raus – das ist ja kein Gefängnis.“

Vielmehr solle hier eine Einrichtung neuen Typs entstehen, die besonders strengen Standards gehorche. Wie die genau aussehen, bleibt indes unklar. Und dass stets 25 bis 30 Mitarbeiter vor Ort sein sollen, erscheint den engagierten Bürgern eher wenig – auch wenn Rudolph beschwichtigt, dass in der Regel nur 500 Flüchtlinge in der Einrichtung sein sollen. Dass es denen gut geht, werden die Leute aus Werden, Fischlaken, Heidhausen und Schuir gewiss im Auge behalten.

Behelfseinrichtungen    
Standort Erweiterung um Plätze gesamt
Tiegelstraße 138 Plätze 258
Dilldorf 48 Plätze 128
Frintrop 14 Plätze 144
Hatzper Straße 98 Plätze 168
Kapitelwiese 65 Plätze 205
Geplante Dauerheime  
Standort Plätze
Hubertstraße (Frillendorf) 150
Lerchenstraße (Stadtwald) 100
Papestraße (Holsterhausen) 150
Pläßweidenweg (Horst) 100
Prosperstraße/Rauchstraße (Dellwig) 100
Ruhrtalstraße/Bahnhof Kewttig 150
Stauseebogen (Heisingen) 100