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Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern

17.01.2011 | 10:31 Uhr
Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern

Essen.Politiker, Bürger und Planer suchten beim Kongress „Mobilität-Werk-Statt“ gemeinsam nach Strategien für eine verbesserte Mobilität im gesamten Ruhrgebiet. Dabei kamen auch Themen wie die Untertunnelung der Ruhrallee oder ÖPNV zur Sprache.

Hintergrund
Arbeitsgruppen bilden

Aufgaben und Fragen für eine Verbesserung der Verkehrssituation Essens und des Ruhrgebiets haben die Teilnehmer der zehn Workshops bereits am Samstag zusammen getragen. Überraschend viele Teilnehmer meldeten sich für eine Weiterarbeit in den Gruppen; sie werden ab Februar in Arbeitsgruppen Lösungs-Ansätze zusammen tragen. Wer mitarbeiten möchte, kann dies in folgenden Arbeitsgruppen tun: „Lernen von Stuttgart 21 – durchlässige Demokratie“, „Umwelt und Klima“, „Stadtentwicklung durch Mobilität und Aufenthaltsqualität“, „Intelligente Städtevernetzung mit Bus und Bahn“, „Radverkehr im Ruhrgebiet“, „Psychologie der Mobilität“, „Jung und alt mobil“, „Wirtschaft und Gütertransport“, „Verkehrspolitik im Ruhrgebiet“, „Perspektive wechseln, damit es endlich voran geht. Von isolierten Großprojekten zum Systemansatz“. Kontakt zur Bürgerinitiative „Wege für Essen“ können Interessierte über das Internet aufnehmen www.wege-fuer-essen.de.

Mehr als 500 Gäste aus dem gesamten Ruhrgebiet besuchten den Kongress „Mobilität-Werk-Statt“ im Burggymnasium. „Wir waren verblüfft, wie viele Leute zugesagt haben und wie leicht wir Fachreferenten gefunden haben“, sagt Georg Nesselhauf, Sprecher der Bürgerinitiative „Wege für Essen“ (BI). Ursprünglich als BI gegen den Bau des Ruhrallee-Tunnels (A44) gegründet, verabschiedete die Gruppe sich rasch von der „Blockade-Haltung“ und beschloss, konstruktiv nach Wegen für ein neues Mobilitätskonzept zu suchen.

So lautete das Ziel des Kongresses am Samstag: Wege für eine neue Mobilität, die nicht nur Teilbereiche, sondern das ganze Ruhrgebiet verkehrlich entlasten und verschiedene Formen von Mobilität miteinander verbinden, zu suchen. „Nur wenn wir in der Fläche etwas verändern, macht es Sinn“, sagt Nesselhauf, „wenn man mit dem Bus gut bis zur Stadtgrenze kommt und dort geht es dann nicht weiter, setzen die Leute sich lieber wieder ins Auto.“

Vorweg nehmen darf man das Fazit: „Es sind erstaunlich viele realistische, konstruktive und umsetzbare Vorschläge für die Verbesserung der Verkehrsqualität zusammen gekommen“, sagt Werner Rybarski vom Gelsenkirchener Agenda-21-Büro. Spannend sei in diesem Projekt die Zusammenarbeit von Bürgern, die Probleme schilderten und Vorschläge machten und von Entscheidern aus Verkehrsbetrieben, der Verwaltung und der Politik.

Dass das Gespräch mit dem Bürger durchaus gesucht wird, zeigten die Anmeldelisten. Essens Planungsdezernent Hans-Jürgen Best war ebenso zugegen wie Umweltdezernentin Simone Raskob, Vertreter aller Parteien und auch Oberbürgermeister Reinhard Paß. Landes-Klimaschutzminister Johannes Remmel befürwortete das Vorgehen: „Es ist spannend, dass Bürger sich aktiv einbringen und gemeinsam mit der Politik nach Lösungen für verschiedene Probleme suchen.“

Und der Problemlagen gab es viele: In zehn Workshop-Gruppen arbeiteten Bürger und Spezialisten gemeinsam, formulierten Ziele und Aufgaben. In der Gruppe „Stuttgart 21“ wurde die Frage der frühzeitigen Bürgerbeteiligung diskutiert, zu der sich die Kommunalpolitik eine Selbstverpflichtung geben solle. „Das ist eins der Hauptprobleme: Das Planungsrecht ist so kompliziert, dass jemand, der nicht ständig damit zu tun hat, nicht durchblickt. Das hören wir von vielen unserer Mitglieder“, betont auch Klaus Bußmann aus der BI „Wege für Essen“. Die Gruppe „Umwelt und Klima“ thematisierte die zunehmende Dezentralisierung, „die Versorgung in den Stadtteilen bricht weg, man ist auf den ÖPNV oder das Auto angewiesen, wenn man zum Beispiel einkaufen will“, formulierte ein Teilnehmer.

Zusammenlegung der ÖPNV-Unternehmen?

Mehr als 500 Gäste aus dem gesamten Ruhrgebiet besuchten den Kongress. Foto: Udo Milbret

Doch was bringt den Manager in Paris dazu, die Metro zu besteigen, während sein gleichgestellter Berufskollege in Essen aufs Auto setzt? Akzeptanz- und Imageprobleme besprachen die Teilnehmer und die „Psychologie“ des Verkehrs. Wie man den Gütertransport aus den Städten heraus hält - etwa mit Hilfe von Logistik-Zentren - und die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Personennahverkehrs erhöhen kann war Thema in anderen Arbeitsgruppen. „Eine Chance hat man nur, wenn es gelingt, verschiedene Formen von Mobilität - also das Auto, das Fahrrad und den ÖPNV - zu kombinieren.“ Klar und häufig betont wurde: Die Taktzeiten von Bussen und Bahnen müssten verringert werden, die Kosten gleichzeitig gesenkt. „Es gibt im Ruhrgebiet allein 16 ÖPNV-Unternehmen“, erklärte Professorin Maria Limbourg. Eine Zusammenlegung könne Synergiepotenziale fördern und darüber hinaus dazu beitragen auch städteübergreifend komfortablere Anbindungen zu schaffen.

Auf das Auto verzichten, dies betonten viele Teilnehmer, wollen sie nicht. Unabhängigkeit, Bequemlichkeit seien mit dem Pkw verknüpft. „Aber wenn ich mit Bus und Bahn problemlos ins Büro fahren könnte und dort keinen Parkplatz suchen müsste, wäre das für mich ein Gewinn und ich würde das Auto für diese Wege stehen lassen“, erklärte ein Teilnehmer.

Klingt banal – und ist doch ein Schlüsselsatz. Gelingt es nicht, den Fahrzeugdurchsatz in Essen und den angrenzenden Städten zu senken, droht der Kollaps. Aus Berlin ist, so legte jetzt die Bundesregierung in einem Sachstandsbericht vor, in den kommenden Jahren nicht mit Geld für den geplanten Bau der Millionenprojekte Ruhrallee-Tunnel und A52 im Essener Norden zu rechnen. Als Projekt gegen den A44-Tunnel gedacht, könnte die „Mobilitäts-Alternativen-Suche“ der Bürgerinitiative „Wege für Essen“ mit der Berliner Finanzklemme an Bedeutung gewinnen. Und auch Werner Rybarski gewinnt dem Umdenken Positives ab: „Es ist toll, dass hier mit den Stärken der Stadt gearbeitet wird – und das sind die Bürger.“

Claudia Pospieszny

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Kommentare
30.01.2011
12:04
Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern
von woelly | #15

Da haben die Oberbürgermeister und IHK- Präsidenten voll und ganz richtig!
Alle die Wähler, die die besagten Oberbürgermeister demokratisch gewählt haben, werden die Meinungen der Kandidaten und die Parteiprogramme doch hoffentlich gekannt haben. Was ich so bei der SPD in Essen lesen konnte, war die Sache eindeutig pro A52 und A44 Ruhralleetunnel. Da bei den Kommunalwahlen eindeutige Mehrheiten für diese Oberbürgermeister zustande gekommen sind, müsste die Sache doch klar sein! Da ich CDU gewählt habe und das CDU Wahlprogramm gut kenne, wo man sich ebenfalls für die A52 und A44 mit Ruhralleetunnel ausspricht, ist die demokratische Mehrheit pro A52 / A44 doch überwäligend groß! Die ewigen Neinsager und Gegenallesfraktion sowie Nichtwähler sind da klar unterlegen! Diese Konsenslösung muss unbedingt so schnell wie möglich umgesetzt werden, damit wir im Ruhrgebiet nicht wirtschaftlich abgehängt werden!

24.01.2011
00:57
Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern
von Hallmackenreuter | #14

Heiße Luft wärmte die Seelen der Ökobewegten und gutmütigen Bürger, die sich bei der Mobilitäts-Werk-Stadt trafen. Wie üblich beklagte man dramatisch übertrieben Missstände und wie „dumm“ doch alle Entscheidungsträger in der Vergangenheit waren - und noch sind. Dass historische oder gar Sachzwänge geherrscht haben werden, kommt keinem in den Sinn; schon garnicht Selbstzweifel ob der eigenen Unfehlbarkeit. Und so wurden nach amüsanten Eingangsreden derer, die beruflich im Nachhinein immer alles besser wissen, in Workshops die üblichen rührend, naiven Wunschlisten aufgestellt. Mit Fragen der Machbar- oder Finanzierbarkeit belastete sich dabei keiner und das Feindbild ließ man sich auch nicht dadurch nehmen, dass vieles davon längst von Politik und Verwaltung angegangen ist.
So war es eine schöne Selbstvergewisserung der Ökoszene, die hier weder inhaltlich noch personell einen nennenswerten Teil der Bevölkerung repräsentierte. Schade. Mehr Realismus und weniger Ideologie hätte der Sache und der poltischen Kultur mehr gedient.

18.01.2011
00:11
Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern
von MWS Besucher | #13

Die Milliarden für den Straßenbau in den ÖPNV investiert und mehr Leute steiegen um auf Bus und Bahn, dadurch sind weniger im Auto unterwegs und die , die wirklich mit LKW oder Auto unterwegs seien müssen stehen nicht mehr im Stau.

17.01.2011
23:09
Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern
von Mehr Bahn wagen | #12

Wer am Samstag dabei war, hat es gemerkt: Ganz unterschiedliche Leute kamen dort zusammen, die sich aber ziemlich schnell einig waren, daß die klassische Verkehrsplotik (mehr Straßen) ausgedient hat. Intelligente Lösungen müssen her, dazu gehört die Vernetzung und Verfügbarkeit der verschiedensten Verkehrsträger.
Es muß eine gemeinsame Planungs- und Steuerungsinstanz für das Ruhrgebiet her, die das Kirchturmdenken überwindet. Und es muß endlich ein ÖPNV her, der einem Ballungsraum dieser Größe würdig ist. Ich hoffe, die anwesenden Politiker haben das auch mitgekriegt.

17.01.2011
20:13
Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern
von drmccoy | #11

Immer die selbe Laier. Und das seid vielen Jahren, und was machen Politiker und Verkehrsplaner? Richtig bei jedem Fahrplanwechsel der Evag wird das Angebot ausgedünnt und verschlechtert. Hier muss sich dringend etwas ändern, wie z.B. eine U 18 die täglich bis nach Mitternacht und am Wochenende bereits vor 7 bzw. 8 Uhr unterwegs ist.

17.01.2011
17:00
Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern
von amo | #10

#8
Es gibt eine U-Bahn bis an die Stadtgrenze von Gladbeck, da fährt man mit U-Bahn und Bus ca. 30 Minuten.
Mit der NordwestBahn 1mal in der Stunde direkt in 20min nach Essen, sonst mit der S9 mit Umstieg in Bottrop Bf.

Leider nutzt das kaum einer, lieber mit dem PKW fahren, sich über den Stau beklagen und eine A52 fordern.

17.01.2011
16:04
Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern
von osis | #9

Wie war das noch mit der CDU/FDP? Als erste starb damals die Taktverdichtung der S1 zwischen Dortmund und Bochum...

Nur so zur Erinnerung...

17.01.2011
15:59
Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern
von RentforterBürger | #8

Bessere Anbindung z.B. zwischen Essen und Gladbeck. Warum kann die geplante Trasse der A52 zwischen Essen und Gladbeck nicht mit einer U/Stadtbahn verbunden werden ? Grundsätzlich müsste jeder Ausbau von Autobahnen etc. mit einer Auflage zu Aufwertung und Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in diesem Bereich verbunden werden.

17.01.2011
14:47
Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern
von amo | #7

#1
Ihre Meinung ist repräsentativ für die PKW-Fahrer, sie sind aber nicht repräsentativ.
Ich meine, fast jeder PKW-Fahrer hat eine Fahrt, die er nur mit dem Auto bewältigen kann.
Es gibt aber bei den meisten viele Fahrten, die eben sehr gut mit dem ÖPNV gemacht werden können, nur fährt der Autofahrer halt nicht mit dem ÖPNV.

17.01.2011
14:46
Bürger wollen Mobilität im Ruhrgebiet verbessern
von Michael-Constantin | #6

Essen bekommt neue Strassenbahnlinien.Als erste in Altendorf.Hauptbahnhof und Hachestrasse etwas später. Frankreich macht es vor. Siehe Paris.... Strassburg usw. zb. Bochum Abenverkehr bis 01:00 Nachts Nachtexpress mit Strassenbahn und U-Bahn. Nach 23:00 Uhr ist in Essen Schlafen angeordnet.

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