Bürger und Politik erleichtert über Schredder-Aus in Kray

Die Schredderberge bei der Firma Richter in Essen-Kray werden bald verschwinden. Das Unternehmen muss sich den Umweltauflagen beugen.
Die Schredderberge bei der Firma Richter in Essen-Kray werden bald verschwinden. Das Unternehmen muss sich den Umweltauflagen beugen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
  • Recyclingfirma Richter reagiert auf öffentlichen Druck und strengere Auflagen zum Umweltschutz
  • Betrieb wird sich bis Ende 2016 deutlich verkleinern und Schredderanlagen komplett schließen
  • Bürgerinitiative gegen „Gift“-Schredder in Kray und Politik sprechen von Erfolg für Gesundheitsschutz

Essen.. Die Menschen in Kray atmen auf: Bürger und Politik haben mit Erleichterung auf die Ankündigung der Recyclingfirma Richter reagiert. Das Unternehmen wird bis Ende des Jahres beide Schredderanlagen stilllegen, die als maßgebliche Quelle für die starke Belastung durch hochgiftige polychlorierte Biphenyle (PCB) im Stadtteil ausgemacht wurden. Vor allem für die Bürgerinitiative (BI) gegen „Gift-Schredder“ bedeutet dies eine Bestätigung ihres jahrzehntelang währenden Protests.

Bürgerinitiative feiert Erfolg: Schreddern wird eingestellt

Umwelt „Der Druck wurde am Ende zu groß“, bewertet BI-Sprecher Dietrich Keil den Schritt des Unternehmens, den Standort Rotthauser Straße komplett aufzugeben und, wie die Bezirksregierung mitteilt, alle übrigen genehmigten Aufbereitungsanlagen an der Joachimstraße auf einer um die Hälfte reduzierten Fläche zu konzentrieren.

Bis zur Stilllegung werden die Schredder eingeschränkt betrieben. Für Keil, der die Bürgerinitiative vor 20 Jahren gründete, ist dies jedoch kein Sieg über das Unternehmen, sondern ein Erfolg für den Umweltschutz in Kray. „Es ist egal, ob die Firma Richter oder Müller heißt. Wir haben vorrangig für die komplette Einhausung der Anlage und die Einhaltung der Umweltstandards plädiert, was nun zur Entscheidung geführt hat.“ Man wolle dennoch weiterverfolgen, was dort künftig passiert.

Recyclingfirma sieht sich ihrer Geschäftsgrundlage beraubt

Richter-Geschäftsführer Hans Brekelmans sieht das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 40 Millionen Euro der Basis für eine „zukunftsorientierte Weiterführung der Recyclinganlagen“ beraubt. Schuld daran seien die strengeren Auflagen durch die Behörden, die Senkung der PCB-Grenzwerte sowie verstärkte, kostspielige Betriebskontrollen. „Die oftmals unklar formulierten Maßnahmen zur Emissionsbegrenzung sind nicht nachvollziehbar“, sieht sich Brekelmans in der Opferrolle. Künftig wolle man sich in Kray auf Materialveredelung und Materialhandel beschränken.

Die Stadt Essen, die nach eigenen Aussagen eng mit der Überwachungsbehörde, dem NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), kooperiert, hatte die Firma als Hauptquelle für die PCB-Emissionen schon seit Ende der 1990er Jahre im Verdacht, hatte nach Messungen des LANUV eine Nichtverzehrempfehlung für Gemüse ausgesprochen und diese im Jahr 2015 noch ausgedehnt.

Stadt Essen will mehr Lebensqualität für Bürger erreichen

Brand Noch im selben Jahr erging eine Ordnungsverfügung an die Firma Richter zur Umsetzung einer Beregnungsanlage, die die Staubbildung im Schredderprozess eindämmen sollte. Dagegen klagte das Unternehmen. OB Thomas Kufen hatte die Bezirksregierung daher aufgefordert, „alle rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen“.

Ein externer Gutachter analysierte die Situation neu, was offenbar weitere Auflagen nach sich zog. Umweltdezernentin Simone Raskob erwartet eine „Riesenportion mehr Lebensqualität für die Bürger, die lange für den Stadtteil gekämpft haben“. Hiltrud Schmutzler-Jäger, Fraktionschefin der Grünen, sieht einen „großen Erfolg der Umweltverwaltung, die sich für den Nachweis der hohen Belastungswerte eingesetzt hat“. Die Firma kündigte an, bis zu 30 Mitarbeiter entlassen zu müssen. Die Stadt Essen hat Hilfe zugesagt.