Bürger fordert städtisches Eingreifen beim Kleingartenlehrpfad
15.02.2012 | 10:03 Uhr 2012-02-15T10:03:00+0100
Essen. Der Kleingartenlehrpfad des Essener Stadtverbandes am Baldeneysee wird nicht von allen Spaziergängern geliebt. Der Stadtverband der Laupenpieper will ihn nicht abräumen.
Man muss nicht lange warten, um rund um den illegal errichteten Unterstand am Baldeneysee lebhafte Bürger-Diskussionen zu erleben. Die Fronten sind dabei klar: Die einen sehen in dem vom Stadtverband der Kleingärtnervereine errichteten und „Wetterhütte Lanfermann“ getauften Bretterverschlag einen nützlichen Zweckbau in einer Gegend, in der ohnehin viele Grundstückseigentümer machen, was sie wollen. Motto: Wo ist eigentlich das Problem? Die anderen fordern, dass die Stadt wie angekündigt hier endlich ein Exempel statuiert und den Wildwuchs an Essens schönster Küste beendet.
Zu letzteren gehört der Heisinger Bürger Andreas Schmitz, der den „grobschlächtigen Unterstand“ als Höhepunkt einer Folge von Fehlentwicklung an diesem Abschnitt des Sees empfindet - und der Kleingärtner-Stadtverband unter Vorsitz von Heinz Schuster spielt dabei für ihn eine tragende Rolle.
Bauschutt und Sperrmüll
In einer sarkastisch betexteten Fotodokumentation hat Schmitz die aus seiner Sicht unhaltbaren Zustände festgehalten, die in dem „Kleingartenlehrpfad“ zu beobachten seien. Dieser verläuft entlang des viel besuchten Panoramawegs am See direkt neben dem zuletzt hinzugekommenen Unterstand und gehört ebenfalls dem Stadtverband. Von „wunderbar romantischen Gartensitzplätzen“ ist da ironisch die Rede, wo in Wahrheit die Anlage bisweilen einer Bauschuttdeponie ähnele.
Besonders angetan im negativen Sinn ist Schmitz von einer Installation aus vier ausrangierten und auf einem Hügel drapierten Kloschüsseln, die auf den schlichten Namen „farbige Blumentöpfe“ hören. Die Ansammlung von Bauschutt, Bruchsteinen und Sperrmüll sowie die sich ausbreitenden „zubetonierten Flächen“ sind für Schmitz ein Skandal. Parallel habe der Anteil von Grünflächen mit Kleingarten-typischer Bepflanzung stark abgenommen. Gefordert sei ein Eingreifen der Stadt.
"Abriss kommt nicht in Frage"
Tatsächlich ist auch der Stadt das Werkeln des Kleingärtner-Stadtverbands am Baldeneyseeufer schon lange nicht mehr geheuer, ohne dass man bisher eine Handhabe sah einzuschreiten. „Das ist schließlich Privatgrund“, sagt Thomas Franke, Leiter des Amtes für Stadtplanung und Bauordnung. In Sachen „Wetterhütte“, deren Abriss die Stadt fordert, hat Franke erleichtert registriert, dass Stadtverbands-Chef Heinz Schuster einer amtlichen Verfügung durch freiwilligen Abriss zuvorkommen will.
Diese Position ist allerdings im Vorstand offenbar nicht mehrheitsfähig - Schuster wurde inzwischen zurückgepfiffen. „Wir denken gar nicht daran, von uns aus abzureißen“, sagt sein Stellvertreter Klaus Nötzold. Der Unterstand werde von den Bürgern angenommen, die ebenfalls illegal errichtete Toilette daneben auch. Und von „elitären Ästheten“ lasse man sich am See nicht die Agenda diktieren.
Ökologisch wertvoll
Auch der Kleingartenlehrpfad sei in Ordnung, wenngleich Nötzold immerhin einräumt, die Klos seien „gewöhnungsbedürftig“ und an der einen oder anderen Stelle gebe es wohl etwas Aufräumbedarf. Aber: „Die Steinhaufen zum Beispiel sind ökologisch wertvoll , weil sie Kleintiere anziehen. Das wissen natürlich nur Leute, die Ahnung haben.“
Eine am Faktor Qualität orientierte Neuordnung plant die Stadtverwaltung am Baldeneysee. Leicht wird das schon deshalb nicht, weil die Grundstücksverhältnisse dem nicht zuträglich sind. So gehören die viel begangenen Uferwege teilweise Privaten, die Stadt ist nur Mieter. Auch Bebauungspläne, die Wildwuchs erschweren und die Ruinenlandschaften heilen, gibt es am See nicht überall.
Rückendeckung bekommen die Kleingärtner aus der Stadtteil-Politik. In einem gemeinsamen Antrag von CDU und SPD in der Bezirksvertretung VIII wird der Fortbestand des Unterstands gefordert, „bis eine entsprechende alternative Einrichtung von der Stadt Essen fertig gestellt ist“. Da ein solcher Bau im Landschaftsschutzgebiet, aber auch aus finanziellen Gründen kaum zu erwarten ist, wäre dies faktisch eine Bestandsgarantie.
Der Heisinger CDU-Ratsherr und frühere planungspolitische Sprecher Norbert Schick lobt den Stadtverband für seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit, wann immer es um Planungen der Stadt gehe, bei denen Kleingarten-Grundstücke tangiert sind. Das ist oft der Fall, denn der Kleingärtner-Stadtverband ist Großgrundbesitzer in Essen.
Und während es Schick zufolge am See eine Fülle nicht genehmigter Bauten und anderer baulicher Missstände gibt, würden in Sachen Unterstand durch „bürokratische Überreaktionen“ Leute verprellt, die man noch brauche.
19:03
Ja, der "Lehrpfad" ist ein Graus, was Pflegezustand und Geschmack angeht. Über den lässt sich zwar bekanntlich streiten, aber Sperrmüll und unbeholfen aufgetürmte "Kunstwerke" sind eine Peinlichkeit.
Die Erregung der Gemüter kann ich trotzdem nicht ganz nachvollziehen, auf Privatgrund darf zunächst mal gemacht werden, was der jeweilige Eigentümer für richtig hält, so es nicht mit bestehenden Gesetzen in Konflikt steht. Der "Lehrpfad" ist da eher unverdächtig, auch wenn er im Landschaftsschutzgebiet liegt.
Ein echter Lacher ist aber doch die Aussage des Herrn Nötzold, die Steinhaufen seien ökologisch wertvoll, der Kleintiere wegen. Sicher sein: In den umliegenden Gärten kreucht und fleucht mehr Getier als in den amateurhaft aufgetürmten Bruchsteinen.
Weit dramatischer finde ich den illegal errichteten Wetterunterstand "Lanfermann". Dieses Machwerk gehört entfernt,selbst wenn es angenommen wird. Wer im Schutzgebiet ohne Erlaubnis baut, muss mit Konsequenzen rechnen.Ganz einfach
09:41
Bei meiner letzten „Besichtigung des Lehrfades“ fiel mir auf das nun Nistkästen an den Unterstand angebracht wurden. Hier wollen die Kleingärtner um Herrn Schuster wohl auf Zeit spielen. Denn man darf ja keinen Unterstand abbauen und gleichzeitig Vogelbrut vernichten. Schuster, Schuster abgebrüht und mit dem Kopf durch die Wand- nicht für sondern gegen viele Bürger! So verspielt man Sympathien die mit der Schaffung des Toilettenhäuschens gewonnen wurden.
19:36
Ich verfolge diese Posse nun schon seit einigen Wochen. Jetzt hat der selbsternannte Beschützer des "Kleinen Mannes" aus dem Vorstand des Stadtverbandes ein Problem.
Zusätzlich werden durch die Berichterstattung in den Medien ("Wütende Kleingärtner reißen Hütte ab...") die ca. 9000 Essener Kleingärtner in ein schlechtes Licht gerückt. Das haben sie nicht verdient!
Sowohl bei den Bürgertoiletten als auch bei der Wetterschutzhütte hat der Vorstand nach Gutsherrenart eigenmächtig entschieden, ohne daß Votum seiner ca. 9000 Mitglieder einzuholen. Auch die ca. 104 Essener Vereinsvorstände, die diesen Verband tragen, wurden nicht gefragt.
Und die Kosten? Die klamme Kasse des Verbandes verbietet eigentlich solche Aktionen. Gleichwohl werden die Pächter der Kleingärten zur Kasse gebeten: 1) Erhöhung der Pacht um 2 Cent/qm, wobei die Mehreinnahmen zwischen Stadt und Verband "einvernehmlich" aufgeteilt werden; 2) Erhöhung des Verbandsbeitrages um 5 EUR/Pächter ab 2012, geplant ist eine weitere Erhöhung um 5 EUR/Pächter ab 2013! Beachte: Je Pächter!
Meine Forderung: Abriss der illegalen Bauten unter Androhung von Zwangsgeld.
Dann wird der Vorstand in der nächsten Jahreshauptversammlung sich rechtfertigen müssen und (hoffentlich) von seinen Vereinsvorständen abgestraft.
17:16
Die Inthronisierung eines selbsternannten Königs geht zu Ende!
13:03
Ich amüsiere mich schon seit Erscheinen dieser "Glossen". Bringen Sie doch immerhin die wintereingeschlafenen Gemüter wieder in Wallung. Mich zumindest bringen sie dazu mal zu fragen, was stellen Sie sich denn eigentlich unter einem "Naturlehrpfad" vor? Natur lebt mit den Jahreszeiten und zur Zeit liegt sie noch im Winterschlaf. Auch mein "Hausgarten" sieht heute noch genauso aus wie das Bild. Aber wenn Sie auf die Natur hören, dann sagt sie Ihnen:"Kommen Sie doch in 4 Wochen wieder, dann sehe ich schon ganz anders aus. Und auch meine unterirdischen Mitbewohner werden langsam wach und wackeln mit den Ohren."
Das ist es was die Natur uns lehrt, nicht wie man akkurate, langweilige Rabatte anlegt , alles betoniert, um ja keine schmutzigen Schuhe zu bekommen. Lieber Kleingärtner lasst man alles schön wachsen, wir, Mensch und Tier, die Natur lieben, lernen daraus nur.
12:35
Na dann wird Essen ja richtig schön, wenn jeder Grundstückseigentümer der auch zahlungswillig und -fähig ist, eine Ansammlung von Scheusslichkeiten, wie zum Beispiel geschmackvoll colorierte Toilettenschüsseln, auf seinem Grundstück aufstellen darf, um damit die Allgemeinheit zu beglücken. Klar, dass dann der städtische Topf entlastet wird, da künftig die Bauaufsicht eingestellt werden kann und auch der Denkmal- und Landschaftsschutz keine Berechtigung mehr hat und ebenfalls aufgelöst werden könnte.
Ist schon bemerkens- und bedenkenswert, was hier so mitgeteilt wird.
11:50
Ein Bürger fordert....
wäre die richtige Überschrift für den Bericht gewesen.
Die Schutzhütte und Toilettenanlage müssen bleiben. Zwar sind sie nicht besonders schön, sie erfüllen aber ihren Zweck. Wenn die Kleingärtner, aus ihren Topf die beiden Einrichtungen bezahlt haben und alle Bürger benutzen können.entlasten sie den städtischen Haushalt und somit ist das Verhalten der Kleingärtner zu begrüßen.
Der Kleigartenlehrpfad sollte auch erhalten bleiben, denn in den anderen Essener Stadtteilen fehlt etwas gleichwertiges.
10:43
Oberlehrer und Testosterongeschwängerte werden hier zu Hasspredigern. Diese Geschichte ist wirklich zu schön und deutlich interessanter als das meiste Politikergeschwafel.
Mein Votum: Schutzhütte und Toilette machen Sinn und müssen bleiben!!!