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Geschichte

Bühnenkunst im Bunker zum Thema Zwangsarbeit

19.02.2016 | 12:00 Uhr
Bühnenkunst im Bunker zum Thema Zwangsarbeit
Im Keller des Stadtarchivs findet die Performance statt. Die Schüler haben sich ein Jahr lang mit dem Thema Zwangsarbeit beschäftigt.Foto: STEFAN AREND

Essen.  Mit Lesungen, Musik, Klängen und szenischem Spiel beenden Schüler des Burggymnasiums eine Projektarbeit zum Thema Zwangsarbeit in Essen

Wie schmeckt Brot, dessen Teig vor dem Backen mit Holzspänen gestreckt wurde? Bürger, die sich am Samstag, 27. Februar, in die historischen Bunkeranlagen des Stadtarchivs begeben, werden nachher nicht nur um diese Erfahrung reicher sein.

Eine ungewöhnliche Aktion von Zwölftklässlern des Burggymnasiums macht das Thema „Zwangsarbeit“ sinnlich erfahrbar – neben einer obligatorischen Ausstellung, die knapp ein Jahr lang konzipiert wurde, gibt es eine „Lecture Performance“ – szenisches Spiel, Lesungen, dazu Lieder und noch viel mehr für Auge und Ohr. Und: Brot, so wie es die Arbeiter früher zu essen bekamen. „Den Zwangsarbeitern sollen ihre Geschichten zurückgegeben werden, ihre Namen, ihre Gesichter“, sagt Monika Josten vom Haus der Geschichte, dem Stadtarchiv.

750 Zwangsarbeiter kaserniert

Die ehemalige Luisenschule am Bismarckplatz, in der das Stadtarchiv beheimatet ist, ist selbst ein historischer Ort. Während der Nazizeit waren dort bis zu 750 Zwangsarbeiter kaserniert. Ihre Lebensumstände dort und im Stadtgebiet, an den Arbeitsplätzen, an denen sie eingesetzt waren, haben viele von ihnen in den Neunziger Jahren aufgeschrieben, alles aus der Erinnerung, manche fertigten Zeichnungen an, fügten echte Fotos dazu und amtliche Unterlagen. Es waren die Jahre, in denen die Entschädigungen für die Zwangsarbeiter geregelt wurden. Sie mussten die Umstände dokumentieren, um Ansprüche geltend machen zu können.

31 Akten mit solchen Dokumenten lagern im Stadtarchiv, das 2013 eine Kooperation mit dem Burggymnasium eingegangen ist. Seit dem letzten Sommer hat der Geschichte-Zusatzkurs des Jahrgangs Zwölf (Q2) diese Akten studiert. Weil einige der Schüler Russisch sprechen, konnten Schriftstücke, die bislang nur teilweise übersetzt vorlagen, komplett ins Deutsche übertragen werden. Die meisten der Zwangsarbeiter kamen aus Litauen und Russland.

Texte über einem Klangteppich

Aus der Projektarbeit entstand eine Ausstellung – doch es wurde noch viel mehr: Schüler schrieben selbst Texte, dazu gibt es Auszüge aus Original-Schriftstücken. Alles das wird vorgetragen oder -gelesen. Ein Klangteppich, der Textpassagen aus Briefen und Behördenschreiben vertont, wird zu hören sein, und Lieder gibt es auch. Alles in den beeindruckenden Bunkerräumen des Stadtarchivs, die schon allein den Besuch lohnen. „Wenn man ein historisches Thema so bearbeitet, ist man viel näher dran, man ist viel stärker betroffen“, sagen die Schüler jetzt. Da ist die Note, die es am Ende für die Jugendlichen gibt, fast schon unwichtig.

Martin Spletter

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Bühnenkunst im Bunker zum Thema Zwangsarbeit
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/buehnenkunst-im-bunker-zum-thema-zwangsarbeit-id11577606.html
2016-02-19 12:00
Geschichte, Kunst, Burggymnasium, Schule, Zwangsarbeit
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