Das aktuelle Wetter Essen 8°C
Prozess

Brutale Messerattacke im Hauptbahnhof Essen erneut vor Gericht

15.10.2012 | 17:21 Uhr
Funktionen
Fieberhaft kämpfen Rettungskräfte um das Leben der niedergestochenen Brüder.Foto: ANC-NEWS

Essen.   Voller Menschen war der Hauptbahnhof am Abend des 8. Februar 2011, als zwei türkisch-kurdische Brüder zwei syrische Brüder angriffen und vor den Augen vieler Bahnfahrer auf dem belebten Platz niederstachen. Auslöser der Attacke soll der 18-Jährige Bruder der Täter gewesen sein. Seit Montag muss er sich vor Gericht verantworten.

Die brutale Messerattacke auf Bahnsteig 7/10 des Essener Hauptbahnhofes wird vor der Jugendstrafkammer am Landgericht Essen erneut verhandelt. Diesmal geht es um den 18-Jährigen , der seine Brüder zu der Tat gegen ein syrischstämmiges Bruderpaar aufgestachelt haben soll. Er und ein 19-jähriger Freund müssen sich wegen Anstiftung und Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung verantworten.

Voller Menschen war der Hauptbahnhof am 8. Februar vergangenen Jahres, als um 19.30 Uhr die Brüder K., türkisch-kurdische Geschäftsleute aus dem Wasserturmviertel an der Steeler Straße, auf den Bahnsteig stürmten. Unvermittelt griffen sie die syrischen Brüder an, stachen sie vor den Augen vieler Bahnfahrer auf dem belebten Platz nieder. Die beiden Opfer wurden lebensgefährlich verletzt, konnten nur dank ärztlicher Hilfe gerettet werden.

Faustschlag vor dem Hauptbahnhof

Auslöser der Tat soll der 18-Jährige gewesen sein. Laut Anklage war er mit seinem Freund durch die City gelaufen. Auf der Kettwiger Straße in Höhe des Burgplatzes soll er die Gruppe der jungen Syrer lautstark beschimpft haben, weil er sich durch einen Blick provoziert gefühlt haben soll. Vor dem Hauptbahnhof kam es sogar zu einer ersten Schlägerei, weil nach erneuten Beleidigungen der 18-Jährige von einem der späteren Opfer einen Schlag ins Gesicht bekam und zu Boden ging. Sicherheitspersonal schlichtete, die Syrer liefen hoch zum Bahnsteig.

Video
Zwei Männer haben bei einer Messerstecherei im Essener Hauptbahnhof schwerste Verletzungen erlitten.

Wie schon auf dem Weg zum Hauptbahnhof soll der 18-Jährige seine Brüder angerufen haben. Sie sollten kommen, um ihm zu helfen und ihn zu rächen. Um 19.50 Uhr kamen sie, bewaffnet mit Messern, und stürmten hoch zum Bahnsteig. Vorneweg der 18-Jährige mit seinem Freund. Beide zeigten den älteren Brüdern, wo die Syrer saßen.

Vor dem Jugendgericht weist der 18-Jährige die Vorwürfe zurück. Er bleibt dabei: Es sollte keineswegs zugestochen, sondern nur Anzeige erstattet werden. Die Brüder hätten die Syrer zur Rede stellen sollen. Mehr nicht.

Nach einem der Opfer wird wegen Raubes gefahndet

Das Urteil des Schwurgerichtes gegen die Brüder K. ist seit wenigen Monaten rechtskräftig. Sie bekamen jeder sechs Jahre Gefängnis . Der III. Jugendstrafkammer, die seit Montag verhandelt, fehlen die syrischen Brüder, die damals als Opfer und Nebenkläger am Verfahren teilnahmen. Richter Günther Busold liest vor, dass sie damals vor Prozessbeginn insgesamt 10.000 Euro Schmerzensgeld von Familie K. kassiert hatten und deren Entschuldigung akzeptierten.

Messerstecherei in Essen

Seitdem hat sich einiges geändert. Denn Opfer Fahad A.-B. ist flüchtig, soll sich nach Syrien abgesetzt haben. Gesucht wird der 22-Jährige von der Essener Justiz mit einem Haftbefehl wegen mehrfachen Raubes. Er soll zu einer Bande gehören, die Anfang 2012 nachts Gastwirte vor deren Wohnhäusern abfing, mit Waffen bedrohte und ausraubte.

Einer seiner Mittäter bekam dafür im September zehneinhalb Jahre Gefängnis. Aber auch sein Bruder erschien am Montag nicht zu seiner Zeugenaussage als Opfer. Eine Entschuldigung gab es nicht. Jetzt lässt das Gericht nach ihnen fahnden. Fünf Prozesstage hat die Jugendkammer eingeplant.

Stefan Wette

Kommentare
15.10.2012
21:26
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #8

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

15.10.2012
20:47
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #7

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

15.10.2012
20:42
Brutale Messerattacke im Hauptbahnhof Essen erneut vor Gericht
von Einschiessbock | #6

Wieso schleppen " Geschäftsleute " Messer mit sich rum?
Muss ich das verstehen?

15.10.2012
18:31
Brutale Messerattacke im Hauptbahnhof Essen erneut vor Gericht
von maped | #5

Richter: Ihr seid Essener Jungs, gibt euch die Hand und gut ist. Ich gebe euch Bewährung Okay, seid so lieb und tötet währenddessen niemanden. Ist das klar?
Täter: *Grinsend* Aber klar doch.
Opfer: *Fassungslos*.

Das nennt sich dann Justiz. Und dann soll sich einer wundern, warum es zur Blutrache etc. kommt. Und wenn die Täter tatsächlich ins Gefängnis müssen, dann haben Sie am Tag Freigang und müssen dort nur übernachten.

1 Antwort
Brutale Messerattacke im Hauptbahnhof Essen erneut vor Gericht
von calibraturbo | #5-1

Endlich mal einer, der sich im Gerichtssaal auskennt. Weswegen haben Sie denn vor dem Kadi gestanden?

15.10.2012
18:13
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

15.10.2012
17:55
Justizversagen: die Zweite
von ClydeFrog | #3

Ich fand es damals schon einen Skandal, dass die Messerstecher nicht wegen versuchten Mordes angeklagt und verurteilt wurden.
Denn erstens waren sie in die ursprüngliche Auseinandersetzung überhaupt nicht verwickelt, haben dann die späteren Opfer gezielt aufgesucht und schließlich aus Rache (steht selbst im Artikel und wurde von den Tätern während der Verhandlung zugegeben)mehrere Male auf sie eingestochen.
Rache ist ein niederer Beweggrund, der Tatabestand versuchter Mord damit erfüllt.

Dass jetzt der jüngere Bruder daraus folgend auch "nur" wegen Anstiftung zur schweren Körperverletzung und nicht etwa wegen Anstiftung zum Mord angeklagt ist, setzt den, aus meiner Sicht, Justizskandal fort.

Wenn sich das frühere Opfer nach Syrien abgesetzt hat, ist das bemerkenswert, weil Deutschland ja gerade Asylsuchende aus Syrien aufnimmt weil Kriegsgebiet. Wie passt denn das nun zusammen?

15.10.2012
17:53
Brutale Messerattacke auf Bahnsteig 7/10 erneut vor Gericht
von CaptainFuture | #2

"weil er sich durch einen Blick provoziert gefühlt haben soll" - Jaja immer diese bösen Blicke...

15.10.2012
17:50
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Wie eine Justizbehörde in Essen ein Spar-Projekt aushebelte
Bewährungshilfe
Die Bewährungshilfe des Landgerichts hat in Essen drei Dienststellen. Eine würde reichen. Selbst der Minister knickte aber vor dem Widerstand ein.
Säumige Bürger - Stadt Essen will Inkasso-Firma einsetzen
Schulden
Private Vollstreckungshelfer sollen sich um das Eintreiben offener Forderungen kümmern. Es geht um rund 30 Millionen Euro. Personalrat ist skeptisch.
Schwere Unfälle legten am Morgen A40, A1 und A59 lahm
Unfall
Schwere Unfälle haben für Staus auf der A40 bei Essen, der A59 bei Duisburg und der A1 bei Hagen gesorgt. Polizei berichtet von mehreren Verletzten.
„Es tut der Demokratie gut, eine Auswahl zu haben“
SPD
Die Herausforderin des Oberbürgermeisters, Angelika Kordfelder, über ihre Ambitionen fürs höchste Amt der Stadt, ihre Abneigung Polit-Theater zu...
Ein ziemlich schmuckloses Verhalten
Senioren
Auf dubiose Weise verschwanden im DRK-Altenheim Freisenbruch die Ringe und Ketten einer Bewohnerin. Die genauen Umstände können nicht aufgeklärt...
Fotos und Videos
Voting: Die besten Luftbilder von Essen
Bildgalerie
Erste Abstimmung
Die 100 besten Luftbilder von Essen
Bildgalerie
Essen von oben
Essen im Dezember 2014
Bildgalerie
Luftbilder
Essens Feuerwehr im Einsatz
Bildgalerie
Retter