Brüder sollen 500 Kilogramm Heroin geschmuggelt haben

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Was wir bereits wissen
Laut Anklage gehörten zwei Essener zu den größten Drogenschmugglern Deutschlands. Aus dem Irak wurde eine halbe Tonne Heroin nach Essen geliefert.

Essen.. Vor dem Landgericht hat am Donnerstag ein spektakulärer Drogenprozess begonnen: Versteckt in Dosen und Gläsern mit Tomatenmark, eingelegtem Knoblauch und sauren Gurken sollen zwei Brüder aus Essen (36 und 30) innerhalb von zwei Jahren rund 500 Kilogramm Heroin per Lkw aus dem Iran nach Deutschland geschmuggelt haben.

Am 22. November vergangenen Jahres konnte die Polizei 300 Kilogramm Heroin beschlagnahmen. Die größte jemals in Deutschland sichergestellte Einzelmenge mit einem Straßenverkaufswert von rund 50 Millionen Euro, meldete damals die Polizei.

Angeklagter Salar A. ist Pianist, Kaufmann und Gastronom

Hoschang A., der Ältere der beiden Angeklagten, schweigt am ersten Prozesstag. Sein Bruder Salar A. berichtet um so ausführlicher. Kaufmann sei er und mit Drogengeschäften will er nichts zu tun gehabt haben. Die lastet er mehr oder weniger direkt seinem Bruder an. „Irgendwas ist faul, habe ich gedacht“, so der 30-Jährige. Aber er habe nicht gewusst was. Von Erdöl und Kerosingeschäften soll sein Bruder gesprochen habe. Der sei auch öfter in den Irak gefahren: „Was er da machte, hat mich nicht interessiert“, behauptet der Jüngere.

„Ich bin eigentlich Pianist“, erzählt er über sich und schildert dann seine Karriere als Gastronom. Zwei Restaurants besitzt er in Essen, führt unter anderem die Kantine in einem Essener Einkaufszentrum. Anfang 2012 gründete er die Firma „Organica“ mit Sitz an der Kastanienallee. Erst ging es um frisches Gemüse. Seinen Bruder Hoschang, der arbeitslos gewesen sei, habe er als Hilfe eingestellt.

Kurdische Familie aus Syrien suchte Asyl

Weil sie mehr Gewinn machen wollten, weiteten sie – auf Betreiben des Bruders – das Geschäft auf Gemüse, Konserven und Gläser aus dem Iran aus. Die erste Lkw-Lieferung im März 2014 mit Auberginenmark, Gurken und Knoblauch habe man zunächst für zehn Tage in einem offenen Lager in Steele abgestellt. Bis auf die sauren Gurken sei übrigens „alles Schrott“ gewesen, so der Angeklagte. Schließlich sei der ältere Bruder aus „Organica“, die übrigens vor zwei Tagen Insolvenz anmeldete, ausgestiegen, um „sein eigenes Ding zu drehen“.

Die kurdische Familie der Angeklagten kam aus Syrien nach Deutschland und suchte hier Asyl. Sein politisch aktiver Vater sei in der Heimat „als weiser Mann einflussreich“ gewesen, berichtet Salar A. Der Vater habe untertauchen müssen. Hoschang, damals 17 Jahre alt, sollte für drei Jahre ins Gefängnis gekommen sein. Die Familie versuche deshalb immer, ihm zu helfen und ihn zu unterstützen. Obwohl er bekannt dafür sei, „dass er nicht gerne arbeitet“, habe er seine Sache beim Gemüsehandel anfangs gut gemacht, findet Salar A. dann doch noch ein gutes Wort für den großen Bruder. Die 17. Strafkammer hat 16 weitere Verhandlungstage vorgesehen.