Brigitte Bremer über die Situation der Hebammen

1 Was hat sich für Sie durch die steigenden Haftpflichtversicherungsbeiträge verändert?

Seit 2006 biete ich nur noch Vorsorge- und Nachsorge-Leistungen an, die Geburt selbst kann ich mir nicht mehr leisten. Das größte Problem sehe ich darin, dass ungewiss ist, wie es mit dem Versicherungsschutz weiter geht. Am 1. Juli laufen die alten Verträge aus, doch selbst wenn es ab Juli weitergeht ist nicht klar, wie die Lage im Jahr 2016 sein wird. Gibt es keine Versicherung mehr, kommt das einem Berufsverbot gleich.

2 Wie macht sich das für die Schwangeren bemerkbar?

Ich muss jeden Tag vier bis sechs Anfragen von werdenden Müttern ablehnen. Das löst Wut aus und ich werde deshalb häufig beschimpft. Um eine umfassende Versorgung der Frauen und Kinder gewähren zu können, betreue ich nur fünf Familien pro Monat. Die bekommen dann das volle Programm, inklusive Massagen bei Rückenschmerzen.

3 Welche Chance sehen sie in der Gründung von Mother Hood?

Wenn wir die Elternschaft nicht hätte sähe es noch schlechter für uns aus. Mother Hood macht das, was die Hebammen, schon allein zeitlich, nicht leisten können. Außerdem kann der Verein in offiziellen Gesprächen mit Politikern mehr erreichen, als die einzelnen Hebammen.