Bluttat kommt nach sieben Jahren vor Gericht
30.01.2012 | 18:41 Uhr 2012-01-30T18:41:00+0100
Essen. Vor mittlerweile mehr als sieben Jahren soll ein Pole (43) eine Hausfrau im eigenen Hausflur überfallen und beinahe getötet haben. Nun kommt zum Prozess – unter anderem wegen versuchten Mordes.
Die Bluttat ist Jahre her, doch das Opfer hat das Verbrechen bis heute nicht verwunden: Eine 52-Jährige wird am 27. Juli 2004 im Flur ihres Hauses in Werden von einem Unbekannten überfallen und schwer verletzt. Danach flüchtet der Täter mit einer stattlichen Beute und taucht in seinem Heimatland Polen unter.
Prozess am Schwurgericht
Doch der Arm des Gesetzes ist lang in Europa: Seit Ende des vergangenen Jahres sitzt der Kriminelle in deutscher Untersuchungshaft, bald wird ihm am Essener Schwurgericht der Prozess gemacht. Über sieben Jahre nach dem Verbrechen vom Viehauser Berg hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen den 43-Jährigen erhoben, berichtete Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens gestern.
Nach Erkenntnissen einer Ermittlungskommission gehörte der Angeklagte zu einer Gruppe polnischer Arbeiter, die von einem Subunternehmer für die Renovierung des Hauses des Opfers angeheuert worden waren. Die damals 52-Jährige, die gegen 12 Uhr an jenem Dienstag von einem Einkauf zurückkehrte, konnte nicht ahnen, was sie hinter ihrer Eingangstür erwartete: Als sie aufschloss, sprühte ihr ein Arbeiter Reizgas ins Gesicht. Ihre Gegenwehr wurde rücksichtslos unterbunden: Der Angeklagte würgte sie, schlug ihren Kopf gegen einen Türrahmen und mehrfach auf den Steinfußboden. Gefesselt stieß er die Schwerverletzte die Kellertreppe hinunter. Die Hausfrau erlitt diverse Knochenbrüche. Dennoch gelang es ihr, sich von ihren Fesseln zu befreien und Nachbarn zu alarmieren.
Täter ist kein unbeschriebenes Blatt
Mit mehreren Handys, wertvollen Uhren – darunter eine Patek Philippe-Nautilus aus 985er Gold – und Bargeld aus der Hosentasche seines Opfers, flüchtete der Täter, der für die polnischen Behörden kein unbeschriebenes Blatt ist: Kaum schlägt er in seinem Heimatland auf, wandert er ins Gefängnis und sitzt dort mehrere Jahre ab. Angeblich wegen Diebstahls.
Längst haben die deutschen Behörden den Gewalttäter, der unter falschen Personalien unterwegs ist, über ein Foto identifiziert, das sie dem Opfer vorlegen. Doch sie müssen sich gedulden. Bis zum 28. Dezember 2011. An diesem Tag tauscht der 43-Jährige den polnischen Knast gegen eine deutsche JVA. Die Ermittler sind sicher, den Täter überführt zu haben: An den Fesseln fanden sie dessen DNA-Spuren.
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