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Blütenstaub quält Allergiker und Autofahrer in Essen

26.04.2011 | 19:15 Uhr
Blütenstaub quält Allergiker und Autofahrer in Essen
Der Ansturm auf die Waschanlagen in Essen ist enorm. Daniela Bruckmann aus Bottrop ist nach Essen zum Autowaschen gekommen. Foto: Dennis Strassmeier

Essen.   Seit Tagen ist Essen von einer Wolke aus gelbem Blütenstaub bedeckt. Die Pollen quälen Allergiker und sorgen für Hochbetrieb in Waschanlagen. Kein Wunder, sagen Experten, denn Essen hat als drittgrünste Stadt Deutschlands eine vielfältige Vegetation.

Es scheint, als sei über Essen eine Blütenbombe explodiert: Gelber Staub klebt auf Autodächern, Straßen und Fensterbänken. Gerade Allergiker spüren die Folgen des extremen Pollenflugs, leiden unter Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen. Autofahrer sehen nur noch gelb – und stehen Schlange vor den Waschanlagen.

Daniela Bruckmann hat sich mit ihrem schwarzen Kleinwagen vor der Waschanlage an der Hans-Böckler-Straße eingereiht. Ob diese gelbe Schicht jemals abgeht? „Mal sehen“, heißt es. Pascal Walkenbach traut der Waschanlage nicht. Nur er selbst legt an seinen Opel Corsa Hand an – jeden Freitag. „Dann ist Waschtag“. Der feine Film auf der Motorhaube hat sich innerhalb von nur vier Tagen gebildet. „Ich wasch’ den Wagen erst am Freitag wieder, vorher lohnt es sich nicht“, meint der 19-Jährige. Und zwar nur mit Wasser, Seife und Politur, „sonst verkratzt mir die Pollenschicht den Lack.“

Allergiker leiden unter dem Pollenflug

Autos sind das eine, die Gesundheit das andere, wichtigere Thema. Seit es blüht, suchen Patienten bei Dr. Tilman Genz Hilfe. Im ambulanten Lungenzentrum Am Handelshof behandelt der Allergologe momentan sehr viele Patienten. „Dieses Jahr ist es besonders schlimm“, findet der Facharzt. „Patienten, die vorher nur einen Heuschnupfen hatten, klagen nun über asthmatische Beschwerden.“ Augenbrennen, Niesen, Asthma und sogar Hautveränderungen seien die Symptome.

„Der Staub besteht unter anderem aus Birken- und Weidenpollen“, weiß Amtsarzt Dr. Rainer Kundt. „Es ist aber ein Mix aus vielen Pollen, auch Kiefer oder Raps sind darunter“, ergänzt Dr. Genz. „Die Birkenblüten verleihen dem Staub die gelb-grünliche Farbe.“

„Es gibt keinen Stadtteil, in dem dies mehr oder weniger vorkommt“

„Birken siedeln sich gerne auf Brachflächen an den ehemaligen Industriestandorten an“, erklärt Dr. Martin Gülpen, der bei Grün und Gruga für die Botanik zuständig ist. Solche Orte zu meiden, sei jedoch der falsche Weg. Denn: „Zur Zeit fliegen die Pollen überall, es gibt keinen Stadtteil, in dem dies mehr oder weniger vorkommt.“ Schließlich habe Essen als drittgrünste Stadt Deutschlands eine vielfältige Vegetation.

Rainer Kundt, selbst allergiegeplagt, hat ein pollenfreies Plätzchen für sich ausgemacht: „Der beste Ort für Allergiker ist die Saline im Grugapark“, weiß der Amtsarzt. „Dort fliegen weniger Pollen, weil die Luft stark salzhaltig ist.“

Kristina Mader

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