Bloß nicht aufs Abstellgleis

„Sparen? Wo denn das bitte?“, fragt Wolfgang Tonhäuser verdutzt. „Da will mir nichts einfallen.“

So wie dem 58-Jährigen geht es offenbar vielen jener 340.000 Menschen, die in Essen täglich Bus und Bahn nutzen. Das ergab zumindest eine Umfrage, zu der die NRZ gestern zahlreiche Evag-Kunden am Hauptbahnhof und am Rüttenscheider Stern auf die heikle Finanzlage des städtischen Nahverkehrs-Unternehmens ansprach.

Streichvorschläge? Von wegen. Stattdessen formulierte mancher lieber eine Wunschliste – nach neuen Rolltreppen, moderneren Straßenbahnen und Buslinien zur Nachtzeit. Denn ob sie zur Schule fahren, zur Arbeit, nach Hause oder in die Innenstadt – ohne Bus und Bahn ist das für viele undenkbar. Nur im Ausnahmefall weichen sie auf das Auto aus.

Müssen die Bürger künftig weitaus öfter auf diesen Notnagel zurückgreifen? Die Finanzklemme der Evag und ihrer Mutter-Gesellschaft EVV erhöht jedenfalls die Bereitschaft bei Politik und Stadtspitze, über einen notfalls auch drastischen Sparkurs nachzudenken. Und da ist er wieder: Der schwammige Begriff von der „Daseinsvorsorge“. Die Bürger haben ein Recht auf Mobilität, ja. Aber haben sie auch ein Recht auf einen Zehn-Minuten-Takt?

Und andererseits: Was wird aus einem Wirtschaftsstandort bei dem die Maschen des Nahverkehrsnetzes zu groß ausfallen? Was wird aus den hehren Zielen, das Klima zu schonen? Die NRZ will all diesen Fragen in einer Serie nachgehen. Wir beschreiben, wo das Bus- und Bahn-Netz wie engmaschig geknüpft ist, erklären die Finanzierung der Evag, was die RWE-Aktien mit deren Zuschuss zu tun haben und welche Einschnitte drohen. Befürworter wie Gegner eines Sparkurses kommen zu Wort.

Zu Beginn aber: die Bürger.

Nach Meinung vieler Nutzer hat die Stadt die Erwartungen an die Evag selbst hoch gesteckt: Wenn’s in den Kram passe, werde gerne auf das Image der Messe- und Universitätsstadt verwiesen. Gleichzeitig solle aber alles möglichst günstig sein. „Das passt nicht zusammen“, findet Ibrahim Kalif.