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Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst

24.05.2011 | 18:59 Uhr
Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst
Einzigartig in Essen: Der blinde Pfarrer Werner Korsten hat sich "sein" Blindensignal an der Ampel an der Velberter Straße finanziert. Foto: Alexandra Umbach

Essen.   Werner Korsten hat die Kosten für die Nachrüstung einer Ampel übernommen. Das gab’s noch nie, sagt die Stadt. Dem blinden Pfarrer blieb allerdings auch nichts anderes übrig, um die Velberter Straße sicher überqueren zu können.

Für gut 3000 Euro hat Werner Korsten „sein“ Blindensignal an einer Ampel bezahlt. Damit hat erstmals ein Bürger diese Nachrüstung beauftragt – und finanziert, sagt die Stadt. Dem blinden Pfarrer blieb allerdings auch nichts anderes übrig, um die Velberter Straße sicher überqueren zu können. Nach dem Umzug von Holsterhausen nach Heidhausen stellte er schnell fest, dass die B 224 so befahren ist, dass „eine akustische Orientierung allein am Verkehrsfluss nahezu unmöglich ist.“ Um mit dem Bus zum Arbeitsplatz in der Stadtmitte zu gelangen, muss er in Höhe Wintgenstraße die Straßenseite wechseln.

Er schilderte das Problem dem Amt für Straßenbau und Verkehrstechnik. Doch die Stadt sah wegen ihrer desolaten Finanzlage keine Möglichkeit, die blindentechnische Einrichtung zeitnah zu übernehmen. Pflichtaufgabe ist dies nicht. Und das Rechnungsprüfungsamt stimme nur zu, wenn die Baumaßnahme rechtlich erforderlich oder sachlich und zeitlich unabweisbar seien. Nach Auffassung des Rechnungsprüfungsamtes ließen sich die Voraussetzungen auch aus dem Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen nicht ableiten. So unterschrieb Korsten den Kostenübernahmevertrag. Eigentümerin der Anlage ist die Stadt. Theoretisch kann jeder solch einen Antrag, ob für Parkbank oder Spielplatzwippe, stellen. Jeden einzelnen prüft die Stadt.

Einzigartiger Fall

Was die Blindensignale angeht: „Werner Korsten hätte sich an uns wenden können“, sagt Robert Leffler, Vorsitzender der Blindenvereinigung. Denn es gebe Ausnahmen, in denen die Stadt nachgerüstet habe. Beispiel: Wattenscheider Straße. Man müsse Gefahren aufzeigen. Schließlich sollen Blinde sich ihre Wohnung nicht nach Ampel-Ausstattung suchen müssen. Den Fall Korsten beschreibt Leffler als einzigartig. Üblich sei es hingegen dank einer Vereinbarung mit der Stadt, dass neue Ampelanlagen oder solche, die ohnehin saniert werden müssten, eine blindentechnische Nachrüstung erhielten. „Hier wären dann zweifellos auch die Belange behinderter Menschen rechtlich verpflichtend“, heißt es von Seiten der Stadt.

Mit seiner Lösung ist Korsten zufrieden. Auf eine Stiftungsplakette will er verzichten, auf eine Spendenquittung nicht. Die lehnt die Stadt ab: Voraussetzungen fehlen. Korsten: „Der Eigennutzen steht für sie im Vordergrund. Als ob nicht auch Ältere oder andere Sehbehinderte profitierten.“

Dominika Sagan

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Kommentare
27.05.2011
15:40
Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst
von Smilie2311 | #23

Ohne die anderen Kommentare gelesen zu haben muss ich dazu sagen, dass man lieber an anderer Stelle eine solche Anlage hätte demontieren können, statt dem Blinden dann auch noch 3000,- EUR abzunehmen.

Ich finde es ehrlich gesagt eine Frechheit der Stadt Essen und bei solch einem Fall schäme ich mich dafür dieser Stadt anzugehören.

Die Stadt MUSS ihm sein Geld erstatten - nicht aus rechtlicher aber auf alle Fälle aus moralischer Sicht. Alles andere ist in meinen Augen diskriminierend.

26.05.2011
07:56
Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst
von bookeaterin | #22

Nicht zu glauben, 3000 Euro hat die Stadt nicht übrig auf Grund der desolaten Haushaltslage? Dann muss die aber schon sehr desolat sein.

25.05.2011
19:40
Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst
von olude | #21

Wenn ich bedenke wieviel Geld für sogenannte Schnäppchen aus dem Fenster geschmissen wird muß ich sagen: Hut ab, das haste gut gemacht!!!

25.05.2011
19:32
Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst
von ayberger | #20

Ich bin ihm in den letzten Jahren zufällig zweimal begegnet, einmal an einem S-Bf. im Bereich Steele, da tastete er sich wegabwärts mit seinem Elektronikstab, ich erbot ihm, ihn an sein Ziel zu bringen, aber er lehnte ab, ich blieb zur Sicherheit stehen und schaute ihm noch lange nach, er kam erstaunlich sicher voran ..., und einmal im Bereich der IHK-Essen, da tastete er gerade an einem Pflanzbeet entlang und wollte die Straße Richtung Deutschlandhaus überqueren, diesmal machte ich ihm kein Begleitangebot, wir sprachen ein paar nette Worte miteinander ..., einfach erstaunlich, wie souverän er mit seiner Behinderung und den technischen Hilfsmitteln umgehen kann ...

25.05.2011
16:03
Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst
von pennyislackerseineenkel | #19

Es ist ja noch nicht mal Geld genug da, um die alten Siemens-Ampeln mit neuen Schaltzeiten zu versehen. Außerdem ...gehen da die Leute von Siemens selbst ungerne dran., wie man mir bei der Stadt mitteilte. Es gibt ein Problem an der Ecke Rüttenscheider/Wiefeldtstraße, seit die hier Bodenschweller an die Ampel gesetzt haben. Jetzt bremsen die Autos immer noch einmal kurz ab, nachdem sie über den Haltestrich gefahren sind; in 85 % der Fälle kommt also noch ein Auto, während die Fußgänger-Ampel auf Grün schaltet. Und das ist ein Schulweg. Wenn man nur auf die Ampel guckt und sofort bei Grün losläuft, hat man gute Chancen erwischt zu werden. Das finde ich mindestens genauso traurig wie den Artikel oben.

25.05.2011
14:41
Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst
von kollest | #18

Erstaunlich ist, daß selbst bei einem relativ einfachen Thema solche Leute wie sozialist sich nicht entblöden, ihre unsäglich Klassenkampf-Hetze zu propagieren!!!

25.05.2011
12:31
Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst
von WestEssener | #17

@mokdo:
Diese Ausgleichzahlungen sind für andere Dinge gedacht. Blindenbegleitung, Wohnungseinrichtung, Verkehrsbeförderung, Blindenhund, Haushilfe etc... da sind die ca. 600€ Ausgleichszahlung doch schnell weg oder?

Alles Dinge die Sie nicht benötigen als normaler....

25.05.2011
12:26
Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst
von WestEssener | #16

Wie war das mit der Integration von Behinderten in die Gesellschaft?

Herr Korte Pfarrer und ehrenamtlicher Seelsorger der sich dem Dienst zur Gesellschaft verschrieben hat, beruflich wie ehrenamtlich. Wird nun von der Stadt Essen genötigt zum Lichtsignal eine behindertengerechte Ausstattung mit zu finanzieren.

Herrn Kortes Bewegsgründe sind schnell nachvollzogen und das er hier nicht zurückstecken möchte versteht sich auch (Wer möchte sich schon überfahren lassen....).
Aber es ist die Aufgabe der Kommune hier Abhilfe zu sorgen, warum hat der Sachbearbeiter hier denn nicht aus auf rechtlich und sachlich und zeitlich unabweisbar plädiert.
Nein stattdessen fragt man lieber den direkten Bürger vor sich ob er noch etwas dazulegen könne. Statt sich selbst zu informieren ob dieses Geld nicht von anderen Förderen aufgebacht werden kann.

Lieber Herr Paß,
ich bitte Sie, im Namen der Stadt Essen diese 3000€ zurück zu zahlen und eine Entschuldigung an Herrn Korte auzurichten. Denn dieser Stein sollte nie angestoßen werden. Denn;
sollen die Gehbehinderten demnächts die Aufzüge am Hauptbahnhof auch mittels Kostenübernahmevertrag mitfinanzieren?

25.05.2011
12:21
Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst
von mokdo | #15

Sozialist, das böse kapitalistische System zahlt jedem erwachsenen Blinden in NRW monatlich 608,89 € Blindengeld. Egal ob Hartz 4 Empfänger oder Pfarrer mit 3000,00 € monatlichem Einkommen. Dazu kommen noch steuerliche Vorteile. Selbstverständlich gönne ich jedem das Geld, aber man soll hier doch nicht so tun als wenn der Staat Blinde ausnimmt.
Diese Geld ist für besondere Aufwendungen eines Blinden gedacht. Kann also auch für eine blindengerechte Ampel ausgegeben werden.

Blinde Erwachsene unter 60 Jahren erhalten ein
Blindengeld in Höhe von monatlich 608,96 €, Kinder und Jugendliche von 305,00 €. Diese Leistung wird unabhängig von Einkommen und Vermögen
gewährt.

25.05.2011
11:59
Blinder bezahlt Nachrüstung einer Ampel in Essen selbst
von Lichterfeld | #14

Wenn Bürger und Bürgerinnen schon alles selbst zahlen, sollten wir vielleicht auch die Blitzkästen noch finanzieren.

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