Blicke aufs Böse

Foto: Funke Foto Services

Kindheit ist manchmal ein Trauerspiel. Ist nicht unbeschwert, heiter und voller Zukunftsversprechen wenn man aus einer Zeit stammt wie Nicole, Sala und der kleine Jacques. Als die deutschen Besatzer 1942 in Kooperation mit der französischen Polizei tausende von Juden im Vélodrome d’Hiver zusammenpferchten, sahen die Jungen und Mädchen Angst, Hunger und die gewaltsamen Vorzeichen der drohenden Deportation. Die in Essen lebende Künstlerin Michaela Classen hat den Kindern anhand von Fotografien nun ein malerisches Andenken gewidmet. Hat aus alten Kinderporträts bewegende Bilder der düsteren Vorahnung und der Bedrohung gemacht. Ihr Bilder-Zyklus „Reise nach Jerusalem“, der in diesem Jahr auch in der Alten Synagoge präsentiert werden soll, ist nun in Auszügen in der Galerie Klaus Kiefer zu sehen.

„Märchenstunde(n)“ heißt die Ausstellung, die zwischen Traum und Traumata nach den dunklen Bildern der Vergangenheit sucht, nach den seelischen Schrunden unter der noch unversehrten Porzellanhaut. Der Schrecken bleibt so nur eine Ahnung in dieser spannungsvollen, atmosphärisch-faszinierenden Malerei, die ihr dunkles Geheimnis hütet wie die kleine Nicole ihre Puppe vor den Nazi-Verfolgern.