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Blick ins Ruhrmuseum

08.01.2010 | 17:09 Uhr
Auf der 17-Meter-Ebene werden Mythen, Phänomene und Strukturen des gegenwärtigen Ruhrgebietes gezeigt. Dort sind auch aktuelle Bilder aus den Städten zu bewundern. Foto: Kerstin Kokoska
Auf der 17-Meter-Ebene werden Mythen, Phänomene und Strukturen des gegenwärtigen Ruhrgebietes gezeigt. Dort sind auch aktuelle Bilder aus den Städten zu bewundern. Foto: Kerstin Kokoska

Es ist das Gedächtnis des Ruhrgebiets - das neue Ruhrmuseum.

6000 Exponate können die Besucher ab Sonntag in der Dauerausstellung auf Zollverein bewundern. Das Ruhrmuseum soll historisches Gedächtnis und Schaufenster der Metropole Ruhr zugleich sein.

Klaus Micke u. Kerstin Kokoska

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Kommentare
08.02.2010
17:08
Blick ins Ruhrmuseum
von Criticon | #1

Das neue Museum ist museal teilweise eine Katastrophe, weil:

1. ...kein Wegeleitsstem existiert. Somit kam es beispielsweise vor, daß bestimmte Installationen (bei mir war es die Geräuschdusche im Gegenwartsbereich) gar nicht wahrgenommen werden.
Der Museumsbesucher will an die Hand genommen werden und durch die Ausstellung geführt werden. Nur so kann er sich auf die Exponate konzentrieren. Das Schönreden der Macher des Museums, daß so mehr zu entdecken gibt, weil man die ausgetretenen Pfade verläßt ist Humbug, weil die Praxis anderes zeigt. Was auch der Grund ist, warum neue Museen auf der ganzen Welt anders gebaut werden. Man denke an das Bremerhavener Auswandererhaus, dessen Grundcorpus ähnlich aufgebaut ist, der Inhalt aber wesentlich angenehmer dargeboten..Oder das Museum: Sto. of Berlin.

2....ich nicht weiß, warum die Zeit der Industrialisierung immer so negativ dargestellt wird. Auch hier. Borsdorf spricht gar vom Drama der Industrialisierung. Merkwürdigerweise würden aber viele Menschen in der Region gar nicht leben, gäbe es sie nicht. In Essen lebten bis zu diesem Zeitpunkt beispielsweise um die 3000 Menschen. Wer will, daß das hätte lieber so bleiben sollen, denkt leicht provinziell oder ist zumindestens in einem Museum für 55 Mio. fehl am Arbeitsplatze.

3....das Archiv jetzt wohl leer ist. Jedenfalls scheint es so, denn die Ebene 6 (Industialisierung bis Ende) ist dermaßen vollgepackt, daß eine 4-5m Statue von Alfred Krupp mal leicht übersehen wird. Man weiß gar nicht wohin man hinlaufen soll, geschweige denn hinschauen soll. Eine vieleicht vorhandene Linie, ein roter Faden ist somit einfach nicht zu entdecken. Man wird alleine gelassen.

4...Altes nicht bewahrt wird. Never change a winning team heißt es. Während viele andere Museen neidisch auf das alte Ruhrlandmuseum schauten, weil wir schon zu Beginn der 80er ein nach neuesten musealen Theorien und Einrichtungen aufgebautes Museum mit drehenden Küchen, Schulbänken zum reinsetzen und Geschichten hören, Zugfahrtabteil mit Blick aus dem TV-Fenster, etc besaßen, hat man das jetzt mal einfach abgeschafft.
Warum auch nicht: Es funktioniert doch überall woanders so gut, dann muß es in Essen doch verschwinden. Wie üblich...

5...mir nach dem Besuch auf Anhieb mehr Personen einfielen, mit denen ich dort nicht hingehen würde, als welchen ich es empfehlen würde (Oma, Kinder ohne Museumsführung, Museumsmuffel, )

6...es zu leselastig ist. Ebenfalls alles was in anderen Museen längst abgeschafft wurde (Im alten Ruhrlandmuseum schon viel früher als bei anderen) erlebt im neuen Ruhrmuseum eine fröhliche Wiedergeburt.

7...die hohen Museumsherren sich wahrscheinlich nicht vorstellen können, daß sie in einer Region leben, in der nicht nur Museumsmitarbeiter leben und die Selbstbeweihräucherung und regelrechten Rechtfertigungstexte im Katalog kalt lassen. Hätte man sich mal eher auf die menschen konzentriert als auf die Masse der Exponate.
(Oder genau auf den Text von Herbert Grönem. ruhrpotthmne gehört....)

8....im Ruhrmuseum scheinbar jeder Bereichmitarbeiter seine Exponate durchsetzen wolte. Ich jedenfalls habe den Raum mit den afrikanischen und Südamerikanischen Ethnoexponaten auch nach sehr langem Grübeln nicht in das Thema Ruhr einbetten können. Tut mir leid. Hab ich wohl nicht ganz begriffen.

9...ich gehört habe wie im Museumsshop ein hessischer Gast erfrug, was denn der Verkauf von diesen runden Münzen mit der Nummer auf sich hat. Man erklärte ihm, daß früher jeder Bergmann eine solche besaß und diese an die große Tafel hängen mußte. So war identifiziert, wer wieder oben war, bzw. unten blieb.
Im Ruhrlandmuseum wäre er gar nicht an der Tafel vorbeigekommen, im Ruhrmuseum habe auch ich die Tafel nicht entdecken können.

10. ...Einzelexponate von gewisser Stellung einfach wegen Überfüllung nicht registriert werden. Kamm von Altfried bsp.

11....die Beschriftungen nicht zeitgemäß sind. Ich bin Archäologe und weiß somit, was ein Schildbuckel ist. Aber meiner Mutter hätte eine kleine Hilfe gut getan.

12...der Laie (aber auch der Profi) sich spätestens ganz unten schnell langweilt und keine Lust mehr hat. Leider wird er von dem doch sehr übersichtlichen Museumsshop nicht aufgefangen.

Zum Schluß:

Das Museum sieht super aus, keine Frage. Die Einbettung ins Gebäude ist gut gelungen.
Der Gegenwartsbereich ist gut gelungen, vor Allem die Dialekterklärung von Fritz Ekenga macht Laune und verbindet jene, die davor stehen.
Die Zeitzeichen sind eine gute Idee, die auch gut umgesetzt worden ist. Besonders gefielen mir die Empore mit den Stadtansichten, wenngleich ich aufgrund mangelnder Wegerkennung den Bereich zuerst nahm und somit im Anschluß zeitlich das Mittelalter zurückgegangen bin.
Das Mammut wirkt übrigens etwas gequetscht Richtung Tür.
Der Unterste Raum ist einfach zu voll. Man kann kaum was anfassen, das Vitrinenmuseum bleibt ein Vitrinenmuseum, auch wenn das Glas zwischen Besucher und Exponat fehlt. Der Raum, auf den ich mich am meisten freute hat mich arg enttäuscht. Die für den Charakter des Ruhris so bildende Epoche ist so vollgepackt, daß ich am liebsten flüchten wollte. Schön hingestellt, keine Frage. Schön dargestellt: Wohl kaum. Schätze und Schätzchen können sich gar nicht entfalten. Man will sie auch gar nicht beachten, weil im Augenwinkel schon das Nächste wartet. Aber ebenso vergeblich....
Schade.
Und wäre ich nicht zufällig einem Geräusch gefolgt, hätte ich das kleine Kino mit dem Film über die Stahlherstellung gar nicht entdeckt.
Ansonsten, wenn vorhanden, die Beschriftung ist toll designt, das Treppenhaus faszinierend, das gebäude sowieso. Die Exponate sind einzigartig, leider nur (hauptsächlich auf der untersten Ebene) schlecht präsentiert. Weniger ist immer mehr.
den Ottonormalverbraucher, oder Menschen, die von Museen abgeschreckt sind, werden hier keine Freude haben. Der Charme fehlt, das Erlebnis fehlt.
Allen die jetzt sagen: Nörgler gibt es immer
sollen selbst den Vergleich ziehen. Es hat nichts mit Lokalpatriotismus zu tun, wenn man Alles in der Region kritiklos gut findet. Im Gegenteil!
Auseinandersetzung ist Bewegung-

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